Matthias Griebel möchte nicht über Formalien diskutieren. Der Geschäftsführer der Gesellschaft für soziale Dienstleistungen (GSD), die einer von drei Trägern der Suhler Kindertafel ist, sagt klar: „Es sollte doch um die Sache an sich gehen“. Er könne sich vorstellen, dass sich die GSD in Zukunft aus der Arbeit der Kindertafel zurückziehe und so den Weg für neue Ansätze frei mache, erklärt er auf Nachfrage unserer Zeitung.

Hintergrund ist die Sitzung des Sozialausschusses in der vergangenen Woche, in der es um die Zukunft der Suhler Tafel ab dem 1. Januar 2023 ging. Eine Lösung muss schnellstmöglich her, um den Fortbestand der Suhler Tafel zu garantieren. In diesem Zuge wurde angeregt, die Kindertafel unter das Dach der Tafel zu holen. Nicht nur, weil so Synergien und Tafel-Projekte genutzt werden könnten. Auch, weil der Tafel-Name markenrechtlich geschützt ist und nur mit Erlaubnis des Bundesverbandes verwendet werden darf, würde so eine rechtlich saubere Lösung entstehen.

Matthias Griebel kennt die Diskussion um den Namen „Kindertafel“ und um die gewachsenen Strukturen zwischen Tafel und Kindertafel in Suhl. Er selbst sehe den Namen eher als Projektbezeichnung, gleichwohl habe es schon in der Vergangenheit Überlegungen gegeben, ob man die Kindertafel nicht Pausenbrot-Express nennen solle, um juristischen Auseinandersetzungen aus dem Weg zu gehen. Gleichzeitig sei die Suhler Tafel – nämlich in Form der Insel – einer der drei Träger, macht Matthias Griebel deutlich.

Zum Verständnis: Die Kindertafel in Suhl hat drei Träger. Die Kirchgemeinde beziehungsweise die Insel, an der auch die Tafel angesiedelt ist, stellt Räume zur Verfügung und nimmt Geld- und Sachspenden entgegen. Der Stadtjugendring stellte bisher die Küche im Nordlicht und die GSD war für die Einstellung der Mitarbeiter, derzeit auf 450-Euro-Basis, zuständig.

„Dies alles ist so gewachsen. Vor allem auch deswegen, weil der Kirchenkreis es von Anfang an abgelehnt hat, Personal einzustellen“, erinnert Matthias Griebel. Der Stadtjugendring wiederum habe die Küche gestellt, weil es in der Insel selbst keinen Platz zum Broteschmieren gab. „Gleichwohl haben sich Tafel und Kindertafel immer unterstützt, beim Austausch von Lebensmitteln oder bei der Tourenplanung oder beim Anfahren der Supermärkte im Krankheitsfall.“

„Das Konstrukt ist mir Wurst“
Matthias Griebel liegt die Kindertafel am Herzen, sagt er. „Unter welches Verwaltungskonstrukt man das stellt, ist mir Wurst. Wichtig ist, was für die Kinder rauskommt“, betont er. Die GSD habe stets als Arbeitgeber für die Kindertafel fungiert, „weil es sonst keiner machen wollte“. Und weil, wie er betont, sich die Arbeit nie nur über Ehrenamtler habe stemmen lassen.

Bis Ende des Jahres und dann?
Gleichzeitig konnte die GSD aber nie die Spenden entgegen nehmen, weil sie kein eingetragener gemeinnütziger Verein sei, erklärt er das Wirrwarr an Zuständigkeiten. Wenn die Tafel am Ende des Jahres schließe, bedeute das auch ein Ende für die Kindertafel, weil die GSD keine Spenden annehmen kann, so Matthias Griebel.

Derzeit liegt das Geld, das für das Personal der Kindertafel vorgesehen ist und noch bis Ende des Schuljahres reichen sollte, bei der Insel. Es müsse an einen Träger übergehen, sonst sei Ende des Jahres Schluss.

Die Kindertafel sei – auch wenn dies in der Stadt oftmals anders kommuniziert werde – kein Kind der GSD, sagt Matthias Griebel deutlich. „Ich habe kein Problem damit, das Projekt abzugeben, wenn es woanders angesiedelt werden kann und jemand anderes neue Ideen zur Umsetzung hat.“

Matthias Griebel sei für Gespräche bereit. „Ich stehe einem neuen Träger mit Rat und Tat zur Seite, wenn das gewünscht ist“, sagt er abschließend.