Hier kommt nun das Objekt des Monats zum Einsatz: Der Flachs wird bündelweise oben in die Aussparung am Schwingstock gehangen und mit einem Schwingmesser (auch Schwingholz) werden die groben, hölzernen Reste nach dem Brechen der Pflanze heruntergeschabt. Die andere Hand hält oben den Flachs fest, damit er nicht vom Schwingstock rutscht. Das Schwingmesser und den Schwingstock nennt man gemeinsam eine Flachsschwinge.
Ein Schwingmesser ist bei dem Objekt des Monats nicht dabei. Ob ursprünglich ein Zugehöriges vorhanden war, ist unbekannt. Schwingmesser sind zumeist schlichte, hölzerne Messer mit breiter Klinge. Schwingmesser aus Eisen sind zur Flachsbearbeitung nicht zu empfehlen, da sie den Flachs zu sehr beschädigen. Wer damals keine Flachsschwinge besaß, konnte sich mit einer Stuhllehne und einem Kochlöffel behilflich sein und den Flachs nach demselben Prinzip bearbeiten wie mit einem Schwingstock und Schwingmesser.
Hier wird gehechelt und geschäbt
Im letzten Schritt der Flachsvorbereitung kommt noch das Hecheln mit Hechelkämmen. Letzte hölzerne Reste werden durch das Kämmen entfernt, sodass nach einiger Zeit immer feineres Leinen übrig bleibt. Wer ungeduldig beim Hecheln ist, der hat am Ende noch sogenannte Schäben in seinem Leinen. Daher kommt vermutlich auch die Bezeichnung eines „schäbigen Hemds“. Nimmt man sich aber die Zeit und entfernt sorgfältig jegliche Reste ungewollter holziger Mate-rialien, dann ist das Leinen im Anschluss bereit, gesponnen und zu hochwertigem Garn weiterverarbeitet zu werden.
Bereits im 19. Jahrhundert wurde Flachs zunehmend von Baumwolle abgelöst, da diese ohne größere Vorbereitung versponnen werden kann. Dennoch ist Leinen bis heute eine beliebte Naturfaser. Dass manchen Geräten zur Flachsbearbeitung von damals nicht nur eine rein funktionale Rolle zugeschrieben werden kann, belegen im Falle des vorgestellten Schwingstockes die aufwendige ornamentale Verzierung des Holzes sowie die Inschriften. Welche Bedeutung dabei den einzelnen Schnitzereien zugeschrieben werden kann, ist jedoch ungewiss. Wer könnte sich wohl hinter den Initialen „JRR“ verbergen?
Übrigens: Als Kooperationspartner von dem Projekt „1qm Lein“ befasst sich das Hennebergische Museum nicht nur inhaltlich mit der spannenden Kulturpflanze, sondern sät diese auch aus, erntet und bearbeitet sie. Bei dem Projekt „1qm Lein“ dreht sich alles um den Faserlein und dessen Nutzung. Im September findet dazu auch ein Workshop im Museum statt, welcher auf reges Interesse stieß und bereits ausgebucht ist.
www.museumklostervessra.de