Helmut Merkel ist tot „Wir haben einen guten Freund verloren“

Treuer Begleiter des Suhler Sports: Helmut Merkel überreicht Yvonne Kranz die vom Bundesverband vergebene Auszeichnung zur Gewichtheberin des Jahres 2014. Foto: /Hartmut Böhnhardt

Viele Jahrzehnte war Helmut Merkel im Suhler Sport nicht wegzudenken – als Präsident des AC Suhl und im Vorstand des Sportbundes. Nun ist der Chef der Gewichtheber mit 71 Jahren gestorben.

Suhl - Die Schwerathletik hat in Suhl eine über einhundertjährige Tradition, aber der Neuanfang nach der Wende war für die Suhler Gewichtheber alles andere als eine leichte Aufgabe. Man wollte eigenständig werden und einen eigenen Verein gründen. Das schaffte man. Einer, der hieran entscheidenden Anteil hatte, war Helmut Merkel. Fast sechs Jahrzehnte war er im Gewichtheben aktiv; mehr als 25 Jahre führte Helmut Merkel den Athleten-Club (AC) Suhl als Vorsitzender.

Mit einem starken Team konnte buchstäblich auch ein starker Verein aufgebaut werden. Die Bilanz der Suhler: Über 200 Medaillen bei Deutschen Meisterschaften, Teilnahme an 33 internationalen Meisterschaften, dazu viele deutsche Rekorde. Und: Seit 1992 ist der AC Suhl fester Bestandteil der Gewichtheber-Bundesliga, einige Jahre in der 1. Bundesliga, aktuell in der 2. Bundesliga.

Wie wären diese Jahre verlaufen, wenn Helmut Merkel – selbst Gewichtheber seit Jugendtagen – nicht mit angepackt hätte? Aber diese Frage stellte sich nie. Helmut Merkel war ein Ehrenamtler, wie er im Buche steht: Mehr vor Ort im Verein als zu Hause. „Wenn wir ihn gebraucht haben, war er immer da“, sagt AC-Trainer Hartmut Böhnhardt, der Helmut Merkel seit Jahrzehnten kennt. Er und Ehefrau Rosi verpassten keinen der Heimkämpfe des AC; höchstens dann, wenn sie ausnahmsweise mal im Urlaub waren, sagen seine Mitstreiter.

Die Bestürzung war deshalb groß, als sie die Nachricht erreichte, dass ihr guter Freund plötzlich und unerwartet verstorben sei. Helmut Merkel starb am Samstag, 5. Dezember, im Alter von 71 Jahren.

„Damit habe ich nicht gerechnet. Es war ein Schock für mich, als ich die Nachricht bekommen habe“, erzählt Yvonne Kranz. AC-Trainer Hartmut Böhnhardt überbringt ihr einen Tag nach Helmut Merkels Tod die traurige Botschaft. „Ich wusste, dass er angeschlagen war und im Krankenhaus lag“, sagt Kranz. Doch, dass er so schlagartig aus dem Leben gerissen wird, damit hat auch die 36-Jährige nicht gerechnet.

Seit Teenagertagen kannte die spätere Deutsche Meisterin und Europameisterschaftsdritte Helmut Merkel. 1998 wechselte Yvonne Kranz zum AC Suhl. Damals ist Merkel Präsident des Vereins und hat, wie sein Schützling berichtet, „immer ein offenes Ohr“ für seine Athleten. „Ich konnte immer zu ihm gehen.“ Und Merkel folgt auch ihr dahin, wo es wichtig ist. Zum Beispiel nach Paris, als Yvonne Kranz 2011 im nicht weit von der französischen Hauptstadt entfernten Disneyland an den Weltmeisterschaften im Gewichtheben teilnimmt und dort in der 75-Kilogramm-Klasse Platz 15 erreicht.

Trainer Hartmut Böhnhardt kann sich noch gut an den gemeinsamen Ausflug nach Frankreich erinnern. Es war eine von vielen großen Reisen, die die Gewichtheber unternommen haben. Böhnhardt und Merkel verbindet eine 40-jährige Freundschaft. „Als ich nach Suhl gekommen bin, war Helmut schon da.“

Natürlich lernte man sich beim Gewichtheben kennen und schätzen. „Helmut war ein Original auf seine Art“, beschreibt Hartmut Böhnhardt seinen Kumpel. Viele Suhler Gewichtheber-Generationen hat Helmut Merkel auf ihrem Weg begleitet. Als Übungsleiter und Kampfrichter ist er über 40 Jahre für den Verein aktiv. In dieser Zeit wurde Suhl zum Landesleistungszentrum des Thüringer Gewichtheber-Verbandes und hatte für mehrere Olympiazyklen den Status eines Bundesstützpunktes für den Nachwuchs inne. Dafür sagte man auch Helmut Merkel ausdrücklich Danke: Für seine Verdienste um das Gewichtheben wurde der Suhler zum Ehrenmitglied des Thüringer Athleten-Verbandes ernannt. Bis zuletzt war er Vorsitzender des Vereins und stolz auf die Leistungen seiner AC-Heber – egal, ob am Ende des Tages nun eine Medaille heraussprang, oder nicht. „Er hat sich über jeden Sportler gefreut, der sich angestrengt hat“, erinnert sich Yvonne Kranz.

Aber Helmut Merkel fühlte sich in seinem Leben nicht nur dem Gewichtheben verpflichtet, sondern dem Sport als Ganzes. 1996 wurde Helmut Merkel in das Präsidium des Suhler Sportbundes gewählt. Vor allem die Nachwuchsgewinnung und dessen gezielte Förderung lag ihm als Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft „Leistungssport“ stets am Herzen.

Unter anderem ist hieraus das bis heute bestehende Projekt „Sportklasse“ hervorgegangen. In Zusammenarbeit mit den hiesigen Gymnasien und Regelschulen wurden talentierte Kinder und Jugendliche gesichtet, gefördert und schließlich in Vereine übernommen.

„Ebenso wichtig wie die sportliche Förderung war ihm der Arbeitsbereich Aus- und Weiterbildung“, schreibt der Suhler Sportbund in seinem Nachruf auf einen „Freund und Weggefährten“, den man nicht vergessen und dem man ein ehrendes Andenken bewahren werde.

Genauso geht es den Gewichthebern des AC Suhl: „Wir haben einen guten Freund verloren“, sagt Coach Hartmut Böhnhardt. böh/ssb/kt

 

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