Heißer Finaltag in Beinerstadt Ein Jahr Verspätung in einem Jahrtausend

Kurt Lautensack

Beinerstadt im Landkreis Hildburghausen hat sein 1225-jähriges Jubiläum nachgeholt – mit einem Jahr Verspätung wegen Corona. Der Finaltag der Feiern lief bei sengender Hitze ab – und das nicht nur wegen des rekordverdächtigen Sommerwetters.

Einschließlich Eröffnungsveranstaltung anlässlich der 1225-Jahrfeier werden zehn ereignisreiche Tage weitere Blätter die Chronik von Beinerstadt füllen. Die Tage waren ausgefüllt mit einer gelungenen Mischung aus kulturellen Veranstaltungen, Sport und Musik – auf ie Beine gestellt von Gemeinde, Festkomitee und vielen Helfern.

Ob es das Konzert in der Kirche oder mit „Kalter Kaffee“, das Puppentheater oder der Mundartabend war, ob Dorfmeisterschaften im Kegeln, Schützenturnier oder die Feuerwehrvorführung – wonach man auch gefragt hat, es gab ein positives Echo. Hinzu kamen der Kirmesabend mit „Ohne Filter“ oder der Böhmische Abend mit Rico Frank und den Hexenbergern.

Natürlich nicht vergessen war am Finaltag am Sonntag der Frühschoppen mit der Even-Kapelle aus der Grabfeldgemeinde und gewissermaßen als das i-Tüpfelchen am späteren Sonntagnachmittag: die Dixieland- und Kultband „Sunshine Brass“.

Soviel zur Musik, zu der auch Ernst Langert aus Hellingen mit seinem Leierkasten beitrug. Er wich der Sonneneinstrahlung ein wenig aus und unterhielt Klein und Groß im Kulturhaus beim Mittagessen sowie Kaffee und Kuchen.

Dem Kulturhaus gegenüber in der ehemaligen Schule (heute in Privatbesitz) lud eine wunderbar gestaltete Ausstellung zu einem Besuch ein. Hier wurden Erinnerungen daran wach, was Schule einst zu bieten hatte, inklusive der Pionier- und FDJ-Kleidung und anderen Raritäten. Viel beachtet war die Fotoausstellung, bei der sich so mancher Einwohner, egal aus welchem Anlass, sich wieder entdeckt hat.

Eingeladen war auch zum Handwerkermarkt mit vielen Ständen entlang der Exdorfer Straße, wo sich handwerkliches Geschick in den Hobbyarbeiten widerspiegelt. Gleich mehrere Stände präsentierten ihre Holzkunst, darunter die Beinerstädter Reiner Roth und Helmut Netzel. Einen richtigen Fuhrpark in allen Varianten hatte Reiner Roth zu bieten, wobei die Standfestigkeit seiner „Fahrzeuge“ durchaus ausprobiert werden konnten.

Seiler und andere

Daneben zeigte der gelernte Holzfachmann Helmut Netzel sein Geschick an der Drechselbank. Was auch alles zu sehen war, es trug stets die Handschrift des Ausstellers und Hobbykünstlers, wie beispielsweise an einem Stand aus Hilders/Rhön. Vielseitig auch die Erzeugnisse von Christian Dumke aus Gompertshausen, von Namensschildern über das Tierreich bis zu Blumenbänken.

„Handwerk hat goldenen Boden“, heißt es in einem Sprichwort, doch trifft es wohl kaum noch für die alte Handwerkskunst zu, wie sie noch heute die Seilerei Werner aus Hildburghausen betreibt. Sie ist wohl inzwischen ein Exot unter den Handwerksbetrieben. Die Seilerei wird allerdings noch ganz offiziell betrieben, wie Rita Werner bestätigte. „Aber das Handwerk wird wohl langsam aussterben“, meinte sie und ergänzte, „wir bieten ja auch während unserer Geschäftszeit Vorführungen an, so dass doch noch einige Leute vorbeischauen“. Was Handarbeit und Fingerfertigkeit betraf, zeigten zum Beispiel die benachbarten „Bannerter Bärenreuther“ mit ihren Häkel- und Strickerzeugnissen.

Dass sich die Kauflaune der Besucher in Grenzen gehalten hat und damit auch der Umsatz, lag wohl in erster Linie an der Hitze, der selbst der Straßenbelag nicht immer standhielt. Deshalb hatten sich vorbeugend schon die Floristikmeisterin Annelore Römhild und ihr Mann aus Hildburghausen einen schattigen Platz unter Bäumen ausgesucht. „Denn mit unserem Pflanzenangebot, in erster Linie Kräuter- und Heilpflanzen, hätten wir nach einer Stunde in der Sonne wieder einpacken können“, so Annelore Römhild. Sie versorgten natürlich die Pflanzen regelmäßig mit Wasser, so dass sie auch ihr Angebot bis in die Nachmittagsstunden aufrecht erhalten konnten. Für den schwachen Umsatz hat ihr Mann eine ganz plausible Antwort: „Starker Regen und große Hitze sind für einen Markt nicht gut, alles was dazwischen liegt schon“.

Am Ende des Straßenzuges gab es noch eine andere Handwerkskunst zu bewundern, die von den „Feldstein-Traktoristen“ gezeigt wurde. „Schmiede das Eisen solange es heiß ist“, hieß es bei Andreas Korsch, der sein Schmiedefeuer mit Blasebalg in Gang setzte. Und da Ausprobieren ausdrücklich erwünscht war, schwang auch Handwerksmeister Hermann Weber den Schmiedehammer. „Wir haben noch viel mehr an Geräten und Maschinen zu bieten, die einst in der Landwirtschaft üblich waren“, meinte Korsch.

Der Gegensatz dazu war einige Meter weiter zu sehen, wo die Land- und Forstwirtschaft ihre Technik präsentierte. Dabei führte Forstmann Frank Seidenath die modernste Technik des Landesforstes, einen fernsteuerbaren Traktor mit Schiebeschild und Straßenhobel vor. „Zu 70 Prozent bin ich mit der Maschine bei der Wegeunterhaltung im Wald im Einsatz“, erklärte Frank Seidenath. „Mein Einsatzgebiet reicht dabei von der Gemarkung Leutersdorf bis nach Friedrichshöhe. Daneben geht es auch um das Mulchen von Wegrändern und um Transportaufgaben“.

In unmittelbarer Nachbarschaft zeigte die Landgenossenschaft „Goldene Ähre“ ihren Fuhrpark, zu dem der nagelneue „Schleppschlauchverteiler“ zur bodennahen Ausbringung von Gülle dient, die ohnehin seit 2020 auf Ackerland und ab 2025 auf Grünland Pflicht ist.

Die Jüngsten konnten sich auf der Hüpfburg austoben oder die Geräte des Spielmobils ausprobierten. An verschiedenen Bastelständen war Kreativität gefragt, als es um Filzkunst oder um Naturmaterialen ging. Dabei zeigten sich bei dem bedrucken von Beuteln Mila und Ronja sehr geschickt. Wer schließlich auf dem Rückweg war, für den lohnte sich noch ein Blick in die restaurierte und farbenfroh Kirche.

 

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