Heinz-Glas-Investition Dreifacher Zuspruch für Betriebspläne

Madlen Pfeifer

Auf die Petition gegen die Erweiterungspläne der Firma Heinz-Glas in Piesau reagieren nach dem Ortsteilrat nun innerhalb einer Woche auch Ehrenamtliche des Ortes und Unternehmer der Nachbarschaft.

Der Flakon-Hersteller Heinz-Glas hat viele Befürworter hinter sich und seinen Plänen stehen. Foto: Steffen Ittig/Steffen Ittig

Am Montag, 7. November, soll es im Rahmen der Sitzung des Ausschusses für Bau, Wirtschaft und Infrastruktur der Stadt Neuhaus am Rennweg eine öffentliche Anhörung und eine Aussprache zu den Erweiterungsplänen von Heinz-Glas im Ortsteil Piesau geben. In der Woche zuvor machen nun gleich drei Lager mobil und bekunden ihre Meinung. Sie alle haben den gleichen Tenor, brechen eine Lanze für das Unternehmen im Dorf und dessen Vorhaben und kritisieren die von einem Einwohner genau dagegen gestartete Petition.

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Nachdem bereits der Ortsteilbürgermeister und die Ortsteilräte in den Tagen zuvor Stellung zu der Sache bezogen haben, kommen nun auch Ehrenamtler und Gewerbetreibende mit einem Statement ums Eck. Sowohl die Freunde der Piesauer Heimatgeschichte mit Bettina Walter an der Spitze und die hiesige Feuerwehr inklusive Verein im Namen des Wehrführers Steffen Ulbrich und der Vereinsvorsitzenden Karin Gedlich, als auch Thomas Wächter vom gleichnamigen Bauunternehmen in Lichte ist es ein Anliegen, sich zu positionieren.

Wie berichtet, hatte Uwe Sonntag als Nachbar des Glaswerkes im Ort eine Unterschriftensammlung aufgelegt, um gegen den geplanten Erweiterungsbau vorzugehen. Auch zur Einwohnerversammlung in Piesau Anfang Oktober prägte das Thema den Abend. „Dass ausgerechnet in unserem Jubiläumsjahr ‚Neubürger’ von Piesau eine Petition verfassen, mit teils unhaltbaren Vorwürfen, verwundert uns sehr“, schreiben nun die Heimatfreunde. Sie erinnern einmal mehr an die Geschichte und die Entwicklung des Ortes, die mit der Errichtung der ersten Glashütte in 1622 unmittelbar verknüpft ist. „Um die Hütte herum bauten sich die Glasmacher ihr Dorf. In 400 Jahren wurde der Ort größer und Dank der Erfolge der Glasmacher auch schöner.“ Vor allem in den letzten Jahrzehnten nach der Wende und nach der Übernahme des Werkes durch die Firma Heinz. Anders als „Neu-Piesauern“ sei das den Alteingesessenen bekannt. Sie würden die Zeiten vor 1990 mit Staub, Lärm und „Umweltsünden“ kennen, ebenso die danach und „wie sauber und fast geräuschlos die Glasproduktion heute erfolgt“.

Die Folgen fürs Dorf

Nicht nachvollziehen können die Heimatfreunde, warum „unser Glaswerk“ nach den Vorstellungen des Petitionsverfassers nach Neuhaus verlegt werden soll. Nicht nur, dass in der Vergangenheit getätigte Investitionen nichtig und Arbeitswege für manche Piesauer länger wären. Sondern vor allem, weil sich im Ort einiges ändern würde. „Ohne unser Glaswerk“, sind sich die Heimatfreunde sicher, „würde es bei uns anders aussehen.“ Sie zählen auf: Kein Ärztehaus, keine Dienstleister, keinen Bäcker im Dorf, keine sanierten öffentlichen Gebäude, wahrscheinlich Leerstand von Häusern und Industriebrachen, vermutlich mehr Arbeitslose, da auch die nachgelagerten Betriebe in Spechtsbrunn und Kleintettau betroffen wären, keine Vereinsförderung mehr und keine Geschäftsleitung, die sich sozial engagiert und dem Dorf viel zurückgibt.

Genau da setzt die Stellungnahme der Feuerwehrler an. „Eine Einstellung des Geschäftsbetriebes in Piesau hätte weitreichende Folgen für Vereine, die dörfliche Gemeinschaft sowie die gesamte Bevölkerung des Ortsteils Piesau sowie der Stadt Neuhaus am Rennweg“, schreiben Wehrführer Ulbrich und Vereinsvorsitzende Gedlich im Namen der Ehrenamtlichen aus ihren Reihen. Zum einen heben sie hervor, dass das Vorhalten einer Feuerwehr eine kommunale Pflichtaufgabe ist. Eine, für deren Grundausstattung es entsprechende finanzielle Mittel in der Stadtkasse braucht, die ohne gewerbesteuerzahlende Unternehmen wie Heinz-Glas ziemlich mau aussehen würde. Zum anderen könne man sich glücklich schätzen, bei den Glaswerk-Betreibern immer ein offenes Ohr zu finden, wenn Hilfe benötigt wird.

Seit unzähligen Jahren arbeite man mit dem Glaswerk „über das normale Maß hinaus“ eng zusammen, schreiben Ulbrich und Gedlich. Feuerwehr und Verein würden auf unterschiedlichste Weise gefördert – angefangen von Zuwendungen zur Beschaffung von Einsatz- und Vereinsbekleidung oder zum Erwerb und zum Umbau des derzeitigen Mannschaftstransportwagens über geleistete Unterstützung beim Bau eines Parkplatzes für die Einsatzkräfte am Gerätehaus bis hin zur Verpflegung der Ehrenamtlichen nach Übungen. Nicht umsonst, so die Feuerwehrler, sei Heinz-Glas in Piesau 2006 als „Partner der Feuerwehr“ ausgezeichnet worden. Nicht vergessen dürfe man, wie es weiter in der Stellungnahme heißt, dass sich das Unternehmen generell „aktiv“ in die Dorfgemeinschaft einbringe.

Abstimmung vor Umsetzung

Ulbrich und Gedlich weisen weiterhin die in der Petition geäußerte Behauptung, die Bebauung sei so eng, dass die Arbeit der Rettungskräfte erschwert werde, „entschieden“ zurück. Es sei nicht ersichtlich, woher diese „Fachexpertise“ komme. Zudem wollen sie betont wissen, dass die Feuerwehr in sämtliche Bauvorhaben des Unternehmens einbezogen wurde. Ein Punkt, den auch die Heimatfreunde aufgreifen: Umfangreiche Erweiterungen, heißt es in ihrem Statement, seien immer in Abstimmung mit den Kommunalpolitikern und den Einwohnern realisiert worden. Dass das auch jetzt der Fall ist, bekräftigt Bauunternehmer Thomas Wächter. Aus Erfahrung und langjähriger, partnerschaftlicher Zusammenarbeit wisse er, dass es sich Heinz-Glas bei der Planung von neuen Gebäuden und Anlagen nicht leicht mache, viel Zeit und Geld investiere – auch in frühzeitige Gespräche mit Anwohnern.

Aus Unternehmersicht betont Wächter zum einen, dass die Entwicklung eines Betriebes ohne ständige Investitionen – auch baulicher Art – schlichtweg nicht funktioniere und zum anderen, wie „fundamental wichtig“ die aktuell geplante Heinz-Glas-Investition sei, vor allem mit Blick auf die Umrüstung der gasbetriebenen Schmelzwanne auf zwei Elektro-Wannen. „Zugegeben“, so Wächter, „der geplante Bau ist in seinen Dimensionen schon nicht mehr klein, aber alle geforderten Auflagen und technologisch bedingten Umstände machen so ein Projekt notwendig. Glauben Sie mir, kein Unternehmen baut mehr, als es braucht.“

„Piesau soll ein Glasmacherdorf bleiben“

Dafür, dass sich in den heutigen Zeiten ein Betrieb zu solch einer Investition durchringe und dann ein „Wahlpiesner“ mit einer Unterschriftensammlung um die Ecke komme, um das zu verhindern, zeigt der in Lichte lebende Bauunternehmer kein Verständnis. Vor allem mit Blick auf die Person, die hinter der Petition steht: „Ein ehemaliger Lichtner Bürger, der nach der Wende mehr als 20 Jahre in verantwortlichen Positionen im Gemeinderat von Lichte tätig war. Sein Tun kann heute noch in Gestalt von Industriebrachen und sonstigem bestaunt werden.“

Ob nun Bauunternehmer Wächter, Ulbrich und Gedlich im Namen der Feuerwehr oder Bettina Walter und die Heimatfreunde – sie alle plädieren letztlich dafür, objektiv und konstruktiv miteinander zu reden und nicht, wie es in der Stellungnahme der Heimatfreunde mit Blick auf Sonntags Petition heißt, „mit haltlosen Unterstellungen zu agieren“. „Wir Piesauer sind stolz auf unseren Ort und auf unser Glaswerk“, schreiben Walter und Co. „Piesau ist seit 400 Jahren ein Glasmacherdorf und soll es auch bleiben.“

Am Montag, 7. November, kommen die Mitglieder des Ausschusses für Bau, Wirtschaft und Infrastruktur der Stadt Neuhaus am Rennweg um 18 Uhr zu ihrer Sitzung im Saal des Gasthofes „Thüringer Wald“ im Ortsteil Piesau, Straße des Friedens 5, zusammen. Im öffentlichen Teil wird sich alles um die Anhörung und die Aussprache zum Bauvorhaben SP Spezialglas Piesau GmbH drehen.