Heimatstube Trusetal „Wir wollen Leben hier reinbringen“

Annett Recknagel

Die Heimatstube in Trusetal ist seit Ende März im Gebäude am Busbahnhof untergebracht – geöffnet hat sie in Verbindung mit monatlichen Veranstaltungen.

1877 – die neue Schule wird eingeweiht. In Sütterlinschrift steht dieser Satz ganz oben auf der uralten Schultafel. Bis man den übrigen Text darauf gelesen hat, braucht es seine Zeit. Im Schnelldurchlauf geht in der Trusetaler Heimatstube eben nichts. Wer dort eintritt, der sollte mindestens eine Stunde einplanen. Denn es gibt vieles zu entdecken. Und in Verbindung mit den alten Sachen kommen dem Betrachter garantiert Erinnerungen. So soll es auch sein.

Der Bergbau- und Heimatverein möchte an früher erinnern, genauer gesagt, an das damalige Brauchtum und daran, wie die Menschen in Trusetal einst lebten. Es gab in Trusetal schon einmal ein Heimatmuseum. Das aber musste beräumt werden. Sämtliche Ausstellungsstücke waren zwölf Jahre lang im Dreiseithof eingelagert. Das aber sollte kein Dauerzustand werden.

Schüler halfen mit

Deshalb waren die Heimatfreunde des Vereins glücklich, als sie mit der Unterkunft am Busbahnhof ein entsprechendes Domizil für ihre Heimatstube fanden. Das wurde erst, nachdem die Sanierung der Grundschule in Brotterode abgeschlossen war, frei. Fand dort während der laufenden Arbeiten doch Unterricht- und Hortbetrieb statt. Dann aber standen alle Ampeln auf Grün. Bei der Renovierung der beiden Räume am Trusetaler Busbahnhof halfen Schüler der Trusetaler Gemeinschaftsschule. Auch der Bauhof war aktiv.

Gemeinsam sichteten die Heimatfreunde die eingelagerten Ausstellungsstücke. „Wir haben sehr vieles aufgehoben“, berichtete Marlen Schuster. Bei ihr liefen die Fäden zusammen. Gemeinsam bewältigte man auch das Herrichten der neuen Stube. Eingeweiht werden konnte die Ausstellung Ende März.

Zu sehen sind ein großer Wohnbereich mit Schlafstube. Uralte Truhen, ein Kinderwagen von anno dazumal, Urgroßmutters Kommode mit Zubehör, alte Bilder, die Festtagstracht mit Häubchen und Zylinder. „Das Bett ist mit einem original Strohsack versehen“, sagt Marlen Schuster. Gleich daneben steht ein Kinderbett. Ausreichend alte Bücher gibt es. Schränke, Tische und Stühle natürlich. Eine kleine Nähecke mit Spinnrad und Nähmaschine. Die Zither ist ein Symbol für die Hausmusik, die einst in vielen Familien gepflegt wurde. Weiter vorn fallen Schulbank und Tafel ins Auge. Auch das gehört zum Leben im Dorf. Hier sind sogar Pionierkleidung und FDJ-Outfit zu sehen.

Im zweiten Raum ist die Küche im Entstehen. Ein alter Herd steht schon drin. Ebenso eine Kuchenleiter von früher, ein Butterfass und jede Menge Schüsseln und anderes Zubehör. Der hintere Bereich der Heimatstube und auch die Küche werden als Dauerausstellung unverändert bleiben.

Was die Mitglieder des Bergbau- und Heimatvereins regelmäßig umgestalten wollen, ist eine kleine Ecke gleich neben der Tür. Derzeit bestimmt die Handarbeit dort das Bild. Schon bald könnte dort Interessantes über Trusetaler Vereine zu sehen sein. Marlen Schuster und Jürgen Messerschmidt wollen Fußballern, Wintersportlern, Sängern und anderen Vereinen im Wechsel die Möglichkeit zum Sich-Präsentieren geben. Genauso könnten einheimische Gewerke vorgestellt werden. Ideen gibt es also genügend. „Die Heimatstube soll ein Ort der Begegnung werden. Wir wollen Leben hier reinbringen“, sind sich Marlen Schuster und Jürgen Messerschmidt einig. Einmal im Monat werden Veranstaltungen angeboten. Los ging es im April mit einem Vortrag zur Trusebahn. Jürgen Messerschmidt war der Berichtende, Erhard Wenzel zeigte alte Fotos. Das Interesse war groß. Keine Plätze gibt es mehr für die nächste Veranstaltung – einen Mundartnachmittag am 25. Mai. Deshalb wird es am 1. Juni eine Wiederholung geben. Bislang ist die Heimatstube jeweils am ersten und dritten Mittwoch im Monat von 16 bis 18 Uhr geöffnet. Ab Juli ändert sich das. Dann ist sie nur noch in Verbindung mit den monatlichen Veranstaltungen offen. Die Termine erfährt man durch Aushänge an der Heimatstube oder in der Touristinfo, wo man sich auch anmelden kann.

 

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