Heimatmuseum Helmershausen Wo der Rohrstock längst ausgedient hat

Manches könnte man noch heute verwenden, für anderes hat die Moderne keine Verwendung mehr: Im Helmershäuser Heimatmuseum kann man eine Zeitreise zu den Dingen unternehmen, die die Welt der Vorfahren in der Rhön bestimmten. Der Heimatverein sucht nach einer Zukunft für das Museum und für sich.

Kaum zu glauben: Jahrzehntelang war das schöne Fachwerk, das dem Ensemble vor dem Dom der Rhön das Gepräge gibt, hinter Putz versteckt. Keine DDR-Bausünde, sondern von den Erbauern schon so gewollt, erzählt Karin Jeschke: „Dadurch sah es aus wie ein Steinhaus, viel wertvoller.“ Und einen praktischen Hintergrund hatte das auch: Weil die Gefache früher mit viel Stroh ausgekleidet und entsprechend schnell entflammbar waren, forderte eine damalige Feuerschutzverordnung das Verputzen der Häuser, weiß Karin Jeschke.

Erst nach der Wende wurde die Umhüllung entfernt, „und wir haben das sehr schöne Fachwerk gefunden“, sagt Ortsteilbürgermeister Helmut Schuchardt, unter dessen Ägide das Haus am Kirchberg damals saniert und später noch einmal aufgefrischt wurde. Es stammt vom Ende des 18. Jahrhunderts und geht laut Karin Jeschke auf einen ausgewanderten Helmershäuser zurück, der viel Geld in seine ehemalige Heimatgemeinde schickte und dieser den Bau der Schule ermöglichte. Später kam die „neue Schule“ hinzu – beide wurden bis in DDR-Zeiten noch als Grundschule genutzt.

Anfang der 90er Jahre gründete sich in Helmershausen der Heimatverein – diesem, dem Männerchor und dem Rhöndom-Erhaltungsverein stellte die Gemeinde die alte Schule zur Verfügung. Doris Paulisch war die erste Vorsitzende des Vereines, der in der ersten Etage der alten Schule ein Heimatmuseum einrichtete – alles mit Gaben aus den Helmershäuser Familien, von vielen Mitgliedern des Heimatvereins. „Das ist bis heute so“, sagt Karin Jeschke – gerade erst hat ihr jemand wieder wunderschöne alte Trachten gebracht. „Es wäre doch wirklich ein Jammer, wenn diese sonst vielleicht weggeworfen würden“, meint sie.

In dem Heimatmuseum versammelt sich so die Geschichte des Dorfes. Mit all dem, was im Leben der Altvorderen eine Rolle spielte – vom Bauernbett übers hölzerne Schaukelpferd bis zu Küchengerät oder zum Gehrock für den Kirchgang. Wo früher der Lehrer seine Wohnung hatte – im Obergeschoss – kann man eine alte Küche, eine Schlafstube, die „gute Stube“ und ein Schulzimmer anschauen. Ein, später zwei Schulstuben gab es im Original früher allerdings nur im Untergeschoss. Dort findet man heute einen großen Raum, der alle 14 Tage dem Männerchor als Probentreff dient.

Bei Veranstaltungen – wie am vergangenen Sonntag beim Konzert im Dom der Rhön – kann man hier gut sitzen und Kaffee trinken. Die vom Heimatverein eingerichtete Küche macht auch die Bewirtschaftung möglich. „Und so etwas ist wichtig“, sagt Andreas Koch vom Rhöndom-Erhaltungsverein. Wenn er Gäste des Dorfes trifft, die etwa die prachtvolle evangelische Kirche, die mit der alten Schule ein Ensemble bildet, besichtigen wollen, dann hört er immer zwei Fragen. So profan sie auch erscheinen mögen: Gibt’s hier einen Kaffee zu trinken und haben Sie auch irgendwo Toiletten? „Die Toiletten haben wir ja im Heimatmuseum“, sagt er. Und an einem Kaffee, nun, daran arbeitet er gerade: Mit Elke Schuchardt, die nahebei wohnt und ein Geschäft betreibt, möchte er gern jemanden finden, der Touristen auch mal eine Tasse auf die Schnelle kocht oder sogar ein Stück Kuchen im Haus hat. „Wenn ich das in unseren gerade neu aufgestellten Schaukasten schreiben könnte – toll“, warb er vergangenen Sonntag am Rande der Kaffeetafel um ihr Mittun..

Überhaupt: So wie Kirche und Schule jahrhundertelang zusammengehörten, so möchte Koch auch heute den Rhöndom-Verein – zu dessen Vorstand er gehört – und den Heimatverein zusammenbringen. Wie so viele Vereine wird der Heimatverein nicht jünger. „Zehn Mitglieder haben wir derzeit noch“, sagt Karin Jeschke. Bernd Ebert zählt dazu, der gern Führungen im Heimatmuseum macht und mit seinen 81 Jahren ein Gutteil eigenen Erlebens einbringen kann. Etliche Ausstellungsstücke stammen aus seiner Familie, von seinen Vorfahren.

Vereine fusionieren lassen

Die Idee von Andreas Koch, Rhöndom- und Heimatverein zu fusionieren, findet er gut. Der Pfarrer i. R. hat einen Brief an den Heimatverein geschrieben und gebeten, dass sich die Mitglieder bis Ende Juli Gedanken um seinen Vorschlag machen. „Ja, ein Zusammenschluss wäre auch in meinem Sinne“, sagt Karin Jeschke schon mal, die das mit den Mitgliedern noch beraten will. Vor den Konzertbesuchern am vergangenen Sonntag hat Andreas Koch seine Vision bereits dargelegt – nicht ohne die Einladung, dass man dem Rhöndomverein gern beitreten und diesen auch finanziell fördern könne. Zwanzig Mitglieder hat dieser derzeit. Gemeinsam mit dem Heimatverein solle man „nicht nur Traditionsbewusstsein und damit ‚Asche’ zusammenkehren, sondern die Glut neu entfachen“, wünscht er.

Die Türen des Doms der Rhön sind im Übrigen tagsüber immer offen. Eine verschlossene Kirche – die gibt es in Helmershausen nicht. Karin Jeschke, die als Mitglied im Gemeindekirchenrat auch Kirchenführungen macht, weiß nur zu gut, welch besondere Wirkung diese Kirche auf Menschen hat, die sie zum ersten Mal sehen: „Da klappt der Mund auf vor Staunen.“ Andreas Koch könnte sich sogar vorstellen, in einem Raum hinterm Altar noch einige interessante Dinge auszustellen. „Wir haben das alte Uhrwerk noch, das früher im Turm seinen Dienst tat“, sagt er, ein tolles Beispiel für die Kunst der Mechaniker. Oder wer kenne schon noch einen alten Tragesarg, mit dem früher die Verstorbenen zu Hause abgeholt und erst dann eingesargt wurden? Auch einen Korbsarg gibt es im geschichtsträchtigen Ort noch.

Und während Andreas Koch so schon gedanklich das nächste plant, womit man Besucher überraschen könnte, erzählt Karin Jeschke von einer Kuriosität aus dem Heimatmuseum: „Ein Bild, dessen Text von drei Seiten gelesen werden kann. Je nachdem, wo man anfängt, kommt immer wieder ein anderer Spruch heraus.“ Spaß hat sie auch, wenn insbesondere Jüngere die Funktion des einen oder anderen Ausstellungsstückes erraten sollen. Da wird schon mal das Butterfass als Vorläufer einer Waschmaschine angesehen, lacht sie. Bei anderen Sachen mussten selbst die Heimatkundigen erst lange zu deren Funktion überlegen – etwa beim Kaffeeröster, der direkt in den Herd eingehängt wurde.

Wer nun neugierig auf Helmershausen geworden ist, ist gern gesehen und kann einen Termin beim Heimatverein oder beim Rhöndom-Verein vereinbaren.

Heimatmuseum Helmershausen in der alten Schule: Geöffnet nur nach Voranmeldung.

Ansprechpartner:

Karin Jeschke, Telefon (036943) 6 00 68

Bernd Ebert, Telefon (036943) 6 00 95

Rhöndom-Erhaltungsverein: Kirche täglich 10 bis 18 Uhr geöffnet. Führungen nach Vereinbarung.

Ansprechpartner:

Andreas Koch, Telefon (036943)2 59 24

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