Heimatkunde-Vortrag „Schwarzarbeit“ im Wald

Mit der Geschichte der Köhlerei in den Wäldern zwischen Sonneberg und Rennsteig befasst sich ein Vortrag, zu dem der Museumsverein Schieferbergbau am Donnerstag in den Gasthof „Zum goldenen Anker“ in Steinach einlädt.

Im vergangenen Jahr hatten die Mitglieder des Geschichts- und Köhlervereins einen Kohlenmeiler bei Augustenthal entzündet. Foto: Manuela Luther

Jährlich zum Augustenthaler Köhlerfest richten die Mitglieder des Geschichts- und Köhlervereins in Mengersgereuth-Hämmern einen Kohlenmeiler auf, der auch entzündet wird. Die Möglichkeiten, Kohlenmeiler „in Betrieb“ zu besichtigen sind rar geworden. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts war dies anders, denn die für die Eisenverhüttung unentbehrliche Holzkohle, konnte nur über diesen Weg hergestellt werden. Seit dem Aufschwung des Eisengewerbes im späten Mittelalter gehörten Kohlenmeiler zum Alltag im Oberland des heutigen Landkreises Sonneberg und ganze Berge wurden im wahrsten Sinn des Wortes „verkohlt“. Doch was wissen wir heute davon?

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Einstieg in die Thematik

Einen Einstig in die Thematik möchte ein Vortrag bieten, zu dem der Museumsverein Schieferbergbau Steinach im am Donnerstagabend einlädt. Kreisheimatpfleger Thomas Schwämmlein stellt die Situation um die Mitte des 16. Jahrhunderts in den Mittelpunkt seines Vortrages. Konkret geht es um die Aussagekraft schriftlicher Quellen, hier der von zwei Waldbeschreibungen aus den Jahren 1555 und 1569, die in Auszügen bereits 1904 der damalige Steinacher Oberförster August Freysoldt (1856-1932) veröffentlicht hatte. „Diese Texte wären es wert komplett ausgewertet zu werden“, ist Schwämmlein überzeugt. Vor allem für die einstige Köhlerei sind die Waldbeschreibungen eine erste wichtige Quelle überhaupt. Zwar wurde die Köhlerei auch schon seit Mitte des 15. Jahrhunderts in verschiedenen Akten erwähnt, umfangreich lässt sich aber erst mit den Waldbeschreibungen aus den Jahren 1555 und 1569 mehr über das Gewerbe aussagen. Zu finden sind in den Texten Hinweise darauf, wo die Köhler gearbeitet haben und wer die Auftraggeber oder die Abnehmer waren. An erster Stelle standen die Eisenhämmern an der oberen Effelder und bei Oberlind, aber auch aus dem benachbarten „Ausland“ im Amt Gräfenthal. Danach kamen die Saigerhütten in Hüttensteinach und Eisfeld, die Hofhaltung in Coburg oder die zahlreichen Dorfschmieden.

Beginn moderner Forstverwaltung

Entstanden sind die Waldbeschreibungen in einer Zeit, in der die Verwaltungen systematisch stärker auf die Bewirtschaftung der fürstlichen Wälder Einfluss genommen haben, mithin in der zeit einer beginnenden Forstwirtschaft. Zu den als problematisch angesehenen Waldnutzern zählten damals auch schon die Köhler. Wenn in den Texten von ganzen Bergen ist, die „abgekohlt“ oder „ausgekohlt“ waren, kann man ermessen, welchen Holzbedarf das Gewerbe hatte. Aber auch anderes fand Kritik. 1569 kritisierten Anwohner im oberen Steinachtal die Verunreinigung des von Judenbach herabfließenden Glasbachs durch Kohlenstaub. Schließlich stellt sich noch die Frage nach dem Transport der Kohlen. Immerhin bezog der Hammerwerksbesitzer in Oberlind diese vom Sattelberg nördlich von Judenbach. In den Waldbeschreibungen deuten sich von Ochsen gezogene Wagen an. 1555 beklagten die Forstknechte, dass durch die Ochsenhut der Köhler junge Waldbestände geschädigt würden. 1569 hatte man den Köhlern für ihr Zugvieh den Großen Tierberg zwischen Steinach und Lauscha als Hut-Distrikt angewiesen. Schließlich enthalten die beiden Beschreibungen auch erstmals Ordnungen über die Köhlerei an sich. Meist ging es dabei um die Abrechnung und die Fragen des Brandschutzes., was naheliegend ist.

Der Referent möchte am Donnerstag seinen Vortrag als Einstieg gewertet wissen und interessierte Heimatforscher auf eine aus seiner Sicht zu wenig genutzte Quelle aufmerksam machen. Wer mehr wissen möchte, kann bei der Vortragsreihe des Museumsvereins Schieferbergbau vorbeischauen. Zum aktuellen Vortrag gibt es dort übrigens auch eine kleine Begleitschrift.

Der Vortrag im Gasthof „Zum goldenen Anker“ am Donnerstag, 12. Dezember, beginnt um 19 Uhr.