Hebammen Brisantes Thema im ländlichen Raum

Annett Recknagel
Ann-Sophie Bohm, Landessprecherin der Grünen in Thüringen, und Landtagsabgeordnete Madeleine Henfling aus Ilmenau unterhielten sich mit Hebamme Jana Wirsing auf dem Altmarkt in Schmalkalden. Foto: Annett Recknagel

Hebammen stärken und die Geburtshilfe sichern – diesem Thema nehmen sich Bündnis 90/Die Grünen in Thüringen an. Am Mittwoch kamen sie auf dem Schmalkalder Altmarkt mit Passanten ins Gespräch.

Schmalkalden - „Familien sind schon frustriert, wenn Geburtsstationen in ihrem Umkreis schließen“, weiß Anne-Sophie Bohm aus Gesprächen, die sie in den vergangenen Wochen vorwiegend mit Frauen führte. Gemeinsam mit der Landtagsabgeordneten Madeleine Henfling war die Landessprecherin der Grünen in Thüringen am gestrigen Mittwoch auf dem Altmarkt in Schmalkalden zu Gast. Mit der Aktion „Hebammen stärken – Geburtshilfe sichern!“ machten sie auf die Unterversorgung in der Geburtshilfe hierzulande und auch bei frei beruflichen Hebammen aufmerksam.

Beide Themen sind im ländlichen Raum angesiedelt. Eben dort, wo Geburtsstationen schließen. Kurz nach der Wende 1991 habe es in Thüringen noch 35 Kliniken mit Abteilungen für Frauenheilkunde und Geburtshilfe gegeben. Heute sind davon nur noch 22 existent. „In den noch bestehenden Kreißsälen kommt es immer öfter zu Unterversorgung“, so Bohm. Zudem würden viel zu wenig Hebammen viel zu viele Gebärdende betreuen. Auf Grund der hohen Arbeitsbelastung, insbesondere in Kliniken, denke jede vierte Hebamme darüber nach, ihren Beruf aufzugeben. Mit der Förderung von Hebammenpraxen wollen die Bündnisgrünen diese Berufsgruppe unterstützen. Sind Hebammen doch für eine gute Versorgung und Begleitung von Familien essenziell.

In Thüringen aber gebe es immer weniger Hebammen. Im Schmalkalder Raum sind es noch drei – eine von ihnen ist Jana Wirsing aus Struth-Helmershof. Sie hat ihre eigene Praxis und betreut im Jahr um die 100 Familien. Dabei legt sie gut und gerne 50 000 Kilometer mit dem Auto zurück. Ihr Tag ist gut ausgefüllt. Buchen kann man Hebammen über ein online-Portal des Landeshebammenverbandes.

Die Grünen wollen Hebammen bei der Niederlassung im ländlichen Raum gezielt unterstützen und so eine flächendeckende Versorgung sicherstellen. Damit jede Schwangere problemlos eine Hebamme findet. Zudem setzt sich der Landesverband der Grünen gezielt für die Stärkung der Hebammen ein. Es brauche bessere Arbeitsbedingungen. Auch für die hohen Versicherungskosten müsste eine langfristige Lösung gefunden werden.

Ann-Sophie Bohm ist sicher, dass Hebammen besser bezahlt werden müssten. Hier seien auch die Krankenkassen gefragt. Zudem wollen die Grünen bestehende Geburtsstationen sichern. Gerade im ländlichen Bereich schließen immer mehr von ihnen.

In Schmalkalden war das 2016 der Fall, in Schleiz im Februar 2020 und in Hildburghausen erst kürzlich. Werdende Mütter müssten damit längere Fahrzeiten auf sich nehmen, und das meist, wenn die Wehen schon eingesetzt haben.

In unserem Umkreis stehen den Frauen die Geburtsstationen in Friedrichroda, Meiningen, Suhl und Bad Salzungen zur Wahl. In alle vier Orte benötigt man mehr als eine halbe Stunde Fahrzeit – von Schmalkalden aus gesehen.

„20 Minuten fahren zu müssen – das wäre vertretbar“, meint Bohm und fordert mit ihrer Partei, geschlossene Geburtsstationen dringend wieder zu öffnen. In Thüringen gibt es mit Erfurt, Jena und Gera drei Geburtshäuser, die eine gesicherte finanzielle Unterstützung benötigten, so Bohm.

„Für Frauen ist es wichtig, eine Wahl zu haben, wo sie ihr Kind zur Welt bringen wollen“, formulierte die Landesvorsitzende.

Die Aktion auf dem Altmarkt in Schmalkalden ist Teil einer Tour des Landesverbandes von Bündnis 90/Die Grünen und hat damit Südthüringen erreicht. In Hildburghausen und Sonneberg waren die beiden Damen schon vor Ort. Demnächst werden sie auch in Meiningen aktiv sein und auf die Stärkung von Hebammen und die Sicherung der Geburtshilfe aufmerksam machen.

 

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