Haushalt VG Hohe Rhön Nicht komplett nackig machen

Die Verwaltungsgemeinschaft Hohe Rhön steht insgesamt gut da. Getragen wird sie durch fünf Mitgliedsorte. Für das Gebäude in Kaltensundheim – einer von zwei Standorten der VG – soll 2023 Geld ausgegeben werden. Wie es saniert wird, überdenkt man gerade. Foto: Archiv/Iris Friedrich

Die Verwaltungsgemeinschaft Hohe Rhön ist schuldenfrei und erhebt im neuen Jahr eine Umlage, die nur zwei Euro höher ist als im Vorjahr. 127 Euro pro Bürger sind zu zahlen. Man habe vor allem beim Personal weniger Ausgaben gehabt, sagt VG-Chef Erik Thürmer.

Wo gibt es schon noch solche Nachrichten, dass etwas nicht sehr viel teurer wird? Die Bürgermeister der Mitgliedsgemeinden der Verwaltungsgemeinschaft (VG) Hohe Rhön kannten die gute Kunde bereits, als sie sich am Montagabend im Kaltennordheimer Bürgerhaus trafen. Der ausgeglichene Haushalt der VG war bereits durchgesprochen, Diskussionen gab es nicht mehr. Erik Thürmer, ehrenamtlicher VG-Vorsitzender und hauptamtlicher Bürgermeister von Kaltennordheim, nannte es eine „erträgliche Umlage“, was die Orte für die Verwaltung bezahlen müssen. Die 127 Euro pro Nase statt 125 im Vorjahr seien durch eine „sparsame Haushaltsführung in den vergangenen Jahren sowie durch unbesetzte Stellen in der Verwaltung“ möglich geworden. Die VG ist schuldenfrei und nicht durch Kredite belastet. Ihr Haushalt umfasst rund 1,8 Millionen im Verwaltungsteil und 215 000 Euro im Vermögenshaushalt.

In der Rücklage sieht es gut aus. Über 450 000 Euro waren zum Jahresanfang 2022 vorhanden. Rund 215 000 Euro werden daraus für einen ausgeglichenen Haushalt – mit einer relativ stabilen Umlage – für 2023 entnommen. Möglicherweise hätte man die VG-Umlage damit sogar senken können. Doch der VG-Vorsitzende erläuterte: „Wir wollen uns nicht komplett nackig machen in der Rücklage, um dann vielleicht 2024 einen steilen Anstieg zu haben. Lieber setzen wir auf Stabilität.“

Er warf jedoch auch einen Blick in die Zukunft: „Kostentreiber im nächsten Jahr werden die Personalkosten sein. Erste Tarifabschlüsse gab es bereits.“ Was sich 2022 noch positiv auf die Finanzen ausgewirkt hatte, dass nämlich für einige krankheitsbedingt ausgefallene Mitarbeiter der VG keine (oder weniger) Kosten zu zahlen waren, wird dann nicht mehr verfangen: Wie Erik Thürmer erläuterte, sind die Stellen nun wieder stabil besetzt, und das verursacht natürlich Kosten. Freilich würden die Bürgermeister nun auch wieder aufatmen können, denn mit dem Ausfall von „Leistungsträgern“ in der VG habe man „eine harte Zeit von zwei Jahren“ durch. Es konnte nicht alles abgearbeitet werden, was nötig war, sagte Erik Thürmer. „Wir haben auch noch nicht alles aufgearbeitet, was liegen geblieben war“, gab er zu, doch man sei auf gutem Wege. Als Beispiele für neue Mitarbeiter, die sich gut eingearbeitet haben, nannte er in der Bauverwaltung Tobias Leister und Barbara Groß. Die Hauptverwaltung sei relativ konstant unterwegs und es zeichneten sich personelle Perspektiven auf, ebenso wie in der Finanzverwaltung. Es gebe Weiterbildungen, so etwa im Standesamt, wo durch eine Elternzeit eine Lücke entstanden war und sich Mitarbeiterin Sarah Müller dafür qualifiziert habe. Der Stellenplan der VG ist mit 24,8 Vollbeschäftigten zum Vorjahr (24,2 VBE) etwas angewachsen . Die Arbeitszeit wird ab 1. Januar 2023 entsprechend der Tarifeinigung abgesenkt von 39,5 Wochenstunden auf 39 .

Sanierung an der Alten Schule?

Bei der Finanzverwaltung bedankte sich Erik Thürmer ausdrücklich für die Erarbeitung des VG-Haushaltes. Haushaltsreste aus dem Vorjahr werden, so erläuterte Kämmerin Barbara Marschall, mit ins neue Jahr genommen – für Vorhaben, die man im laufenden Jahr nicht in Angriff nehmen konnte. Dazu gehören etwa 32 800 Euro für die geplante EDV-Anlage (für die die Fördermittel noch ausstehen), sowie 50 000 Euro für Sanierungen am VG-Gebäude in Kaltensundheim, der alten Schule. Wie Erik Thürmer berichtete, gibt es Überlegungen, die alte Schule nicht „einfach so“ zu sanieren, sondern dies mit einer energetischen Sanierung zu tun – dafür könnte es nämlich Förderung geben, für die normale Sanierung eher nicht. Bei einer Sanierung, die auch eine langfristige Energieeinsparung verspricht, würde aber möglicherweise die Fachwerkansicht des Hauses verschwinden.

Man sei am Anfang der Überlegungen, hieß es, und werde prüfen, welche Variante der Sanierung man am Ende durchzieht. Unter Denkmalschutz stehe das Haus jedenfalls nicht, und man hatte auch festgestellt, dass an einigen Wänden das Fachwerk mit aufgesetzten Balken nur imitiert ist. Warum die alte Schule seinerzeit so und nicht anders hergerichtet wurde, darüber wollte auch Kaltensundheims Ortsteilbürgermeister Edgar Gottbehüt nicht weiter diskutieren – „Da rege ich mich nur auf.“ Fakt ist: Es steht Geld im VG-Haushalt zur Verfügung, um etwas an dem Haus zu tun, und dies ist auch nötig. Ob dabei das charakteristische schöne blaue Fachwerk-Gebälk verschwindet, muss noch Gegenstand gründlicher Überlegung sein.

Mitgliedsgemeinden
 Die VG Hohe Rhön wird gebildet aus Kaltennordheim (mit ehemals eigenständigen Teilen der alten VG), Frankenheim, Erbenhausen, Oberweid und Birx. Sie besteht in dieser Form nach dem Zusammenschluss einiger Orte mit der Stadt ab 1. Januar 2019. Zum 31. Dezember 2021 hatte die VG rund 8000 Einwohner.

Finanzen
 Die einzelnen Mitgliedsgemeinden zahlen im kommenden Jahr folgende Summen für die Verwaltungsgemeinschaft: Kaltennordheim  (5706 Einwohner) 724 622 Euro; Frankenheim (1049 Einwohner) 133 223 Euro; Erbenhausen (580 Einwohner) 73 660 Euro; Oberweid (488 Einwohner) 61 976 Euro; Birx (166 Einwohner) 21 082 Euro.

Anschaffungen
  Im Vermögenshaushalt stehen je 5000 Euro für die Anschaffung eines Programms zur Zeiterfassung sowie für die Vergabe von Leistungen. 205 000 Euro gehen vom Vermögens- zum Verwaltungshaushalt.

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