Hausärzteverband Meiste Corona-Impfstellen nicht mehr nötig

Eine Frau betritt eine Impfstelle. Foto: Michael Reichel/dpa

Möglichst kurze Wege - das war das Prinzip hinter dem dichten Netz an regionalen Anlaufstellen für die Corona-Impfung. Zwei der 29 Einrichtungen sollen Ende Oktober schließen. Doch werden auch die anderen noch gebraucht?

Erfurt - Der Thüringer Hausärzteverband hält den Weiterbetrieb der meisten Corona-Impfstellen im Freistaat für nicht mehr erforderlich. «Die Impfstellen haben sich eigentlich überholt», sagte Verbandschef Ulf Zitterbart. «Die Corona-Impfungen gehören jetzt in die Regelversorgung, also in die Arztpraxen, da sind sie gut untergebracht.» Immerhin seien die meisten Menschen, die die Impfung unbedingt gewollt hätten, inzwischen damit versorgt. Weiter bestehen bleiben könnten die zentralen Anlaufstellen aber da, wo noch mehr als 100 Menschen pro Tag gespritzt würden. «Da wäre das sinnvoll.»

Während andere Bundesländer ihre großen Impfzentren Ende September geschlossen haben, sind die seit Jahresbeginn landesweit eröffneten 29 regionalen Impfstellen in Thüringen vorerst weiter in Betrieb. Nur die Impfstellen in Eisenberg (Saale-Holzland-Kreis) und Blankenhain (Weimarer Land) sollen wegen zu geringer Auslastung Ende Oktober den Betrieb einstellen. Von den zusätzlich eingerichteten vier größeren Zentren sind drei schon geschlossen - das letzte folgt laut Gesundheitsministerium ebenfalls Ende Oktober.

Nach einer Übersicht der Kassenärztlichen Vereinigung hatten die Impfstellen am 10. Mai die meiste Arbeit. Rund 10 700 Spritzen sind bislang Tagesrekord in Thüringen. Damals wurde überwiegend nur mit Terminvereinbarung geimpft. Zu Samstagsimpfungen ohne Termin kamen etwa im September immerhin jeweils bis zu knapp 4000 Menschen. Am 6. Oktober, einem Werktag, schwankte die Zahl der für diesen Tag vereinbarten Impftermine laut KV zwischen 10 (Schmalkalden) und 152 (Gera).

Das Gesundheitsministerium hat den Weiterbetrieb der meisten Einrichtungen bis zum Jahresende unter anderem mit den Auffrischungsimpfungen begründet. Es nennt als Argument auch die mögliche Zulassung eines Impfstoffs für Kinder unter 12 Jahre, wobei unklar sei, wie sich in diesem Fall die Nachfrage entwickle. Es hält flächendeckende Schließungen von Impfstellen auch grundsätzlich für ein falsches Signal.

Die Impfstellen in Thüringen haben Krankenversicherungen und Steuerzahler laut Ministerium bis Juli fast 42 Millionen Euro gekostet. Davon entfallen knapp 31 Millionen Euro auf Personalkosten - zum Beispiel Ärztehonorare, die Bezahlung von Sicherheitsdiensten und 11 Millionen Euro für Sachkosten, etwa Raummieten.

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