Verfall Haus eingestürzt: Anwohner haben es kommen sehen

In Steinbach ist am Freitagmorgen ein leer stehendes Gebäude am Hammerteich eingestürzt. Seit Jahren hatte die Stadt Bad Liebenstein bei der Baubehörde des Landkreises auf den maroden Zustand des Hauses, das einer Berliner Erbengemeinschaft gehört, hingewiesen.

Steinbach - Am Freitagmorgen ist das eingetreten, was Anwohner schon seit Längerem befürchteten. Ein großer Teil des leer stehenden Gebäudes am Hammerteich in Steinbach ist eingestürzt. Der viele Schnee, der in den vergangenen Tagen im Bergdorf gefallen ist, hatte dem maroden Haus den Rest gegeben.

„Verletzt wurde zum Glück niemand, das hätte jedoch auch anders ausgehen können“, sagt Bürgermeister Dr. Michael Brodführer (CDU). Die Polizei war vor Ort. Feuerwehr und Bergwacht waren im Einsatz, um ausschließen zu können, das jemand unter den Trümmern verschüttet wurde.

Die Stadt werde den Eigentümern den Einsatz der Rettungskräfte in Rechnung stellen. Zudem werde aktuell geprüft, ob Anzeige wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr erstattet werde, berichtet Brodführer. „Eigentümer haben nicht nur Freiheiten, sondern auch Verantwortung“, betont er.

Dass das Gebäude baufällig und eventuell eine Gefahr darstellen könne, darauf hatten Anwohner mehrfach hingewiesen. „Zuständig ist aber nicht die Stadt, sondern die Bauordnungsbehörde des Landkreises“, erklärt der Bürgermeister. Diese habe den Eigentümer seit 2014 wiederholt aufgefordert, das Haus zu sichern. Und im November seien Vertreter der Baubehörde vor Ort gewesen, um den Zustand zu beurteilen. Sie hätten jedoch keine Gefahr im Verzug gesehen, berichtet Michael Brodführer.

Detektivischer Spürsinn

Auch der CDU-Landtagsabgeordnete Marcus Malsch, der in Steinbach zu Hause ist, hatte seit Jahren versucht, eine Lösung für das ehemalige Produktionsgebäude im Zentrum des Dorfes zu finden und dabei detektivischen Spürsinn bewiesen. Denn die Eigentümer ausfindig zu machen, war eine kniffelige Aufgabe. Ein Tunesier, der in Berlin lebt, hatte das Haus in den 1990er Jahren ersteigert – kümmerte sich aber nicht um sein Eigentum „und das wurde immer baufälliger“, erzählt Marcus Malsch. Im Jahr 2010 fand er heraus, dass der Tunesier inzwischen verstorben war und seine beiden Söhne das Erbe angetreten hatten. Die hatten jedoch auch kein Interesse an ihrer Thüringer Immobilie. Einer der Söhne starb und vermachte seinen Nachlass seinen minderjährigen Kindern, was die ganze Sache noch komplizierter werden ließ.

Im Jahr 2019 nutzte der Landtagsabgeordnete eine Reise zur ITB, um der Mutter als gesetzlichem Vertreter, einen Besuch abzustatten. „Die wusste überhaupt nichts von dem Erbe“, erzählt der Steinbacher. Er habe sie gebeten, sich das unverhoffte Eigentum anzuschauen und gemeinsam mit der Stadt eine Lösung zu finden, diesen Missstand zu beseitigen. „Sie hat sich seitdem nicht wieder gemeldet.“

Die Geschichte der Hammerteich-Immobilie zeige auch, wie schwierig es für die Stadt sei, Lösungen für Schrottimmobilien zu entwickeln, sagt Marcus Malsch. Für Besitzer von maroden Gebäuden in Bad Liebenstein und seinen Ortsteilen müsse der Einsturz eine Warnung sein, betont der Bürgermeister.

Autor

 

Bilder