Hassberge Politisch statt verdrossen

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In der Reihe "Politik trifft Bildung" kommt Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch ans Eberner Gymnasium. Er zeigt den Schülern, dass Politik und Überzeugung auch Spaß machen können.

Ebern - Gestern Nockherberg, heute Ebern: Der Staatsminister aus dem Kabinett Seehofer, der nach eigener Aussage unter seinen Kollegen "am häufigsten unterwegs ist", stellte sich am Donnerstag den Schülerinnen und Schülern der Q 12 am Friedrich-Rückert-Gymnasium (FRG) in Ebern - Dr. Wolfgang Heubisch (FDP), bayerischer Minister für Wissenschaft, Forschung und Kunst, ließ es dabei locker angehen.

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In gelöster Stimmung - nach dem Bayern-Sieg am Vorabend, den er ebenfalls nicht versäumte - präsentierte sich der Münchner im Mensa-Gebäude und erzählte erst einmal von sich und seinem Beruf: "Ich habe das tollste Ministeramt, dass man sich vorstellen kann!", strahlte der 66-Jährige, und man mochte es ihm sogar glauben. "Keine Bühne zur Selbstdarstellung oder für Parteipolitik", so Schulleiter Klauspeter Schmidt, habe die FRG-Reihe "Politik trifft Bildung" zum Ziel, sondern das Erzeugen von politischem Interesse unter den Schülern, die dadurch "zu mündigen und alerten Staatsbürgern" reifen sollten. Dafür sollten der Politik Gesichter verliehen werden, wofür nach Dorothee Bär (CSU) und Markus Rinderspacher (SPD) nun durch die Organisation von Judith Hirschberg und Daniel Heß der FDP-Minister sorgte.

Zunächst einmal dadurch, dass der ausgebildete Bankkaufmann und promovierte Zahnmediziner sich redselig zeigte und versprach, auf alles eine ehrliche Antwort zu geben. Die fiel zwar in der Regel dann so wortgewandt und eloquent aus, dass die ursprüngliche Frage am Ende nicht jedem noch im Gedächtnis war, in jedem Fall aber offen und mit einem Augenzwinkern. "Ich habe mal bei der Bayerischen Landesbank gearbeitet", verriet er über seine Berufsanfänge: "Aber nicht dass Sie denken, ich wäre an den Schulden schuld!"

Was die Gymnasiasten, charmant vertreten durch Johanna Hojer und Annalena Eichhorn, betraf, lag ihnen natürlich das Thema Studiengebühren besonders am Herzen. Heubisch stand jedoch auch vor einem Saal voll künftiger Studenten und nach zähen Kompromissverhandlungen zu seiner Meinung: "Ich persönlich werde gegen den Vorschlag stimmen", so der FDP-Politiker, der die Studiengebühren leidenschaftlich verteidigte, "und ich denke, auch einige in der CSU werden sich gegen die Abschaffung entscheiden". Womit er sich bei der Schülerschaft jedoch wieder Sympathien verschaffte, war seine entwaffnende Antwort auf die Frage der Moderatorinnen, wie denn der Ton bei den Spitzenverhandlungen zwischen CSU und FDP so gewesen sei. "Die Wahrheit? Nach der ersten Verhandlungsrunde haben wir erstmal einen Schnaps getrunken." Deutliche Antworten gab es auch zu Fragen aus der Schülerschaft von Hannah Lang, Felix Saße, Bastian Grass und Stefan Pohl: Numerus Clausus in Medizin abschaffen, um Ärztemangel entgegenzuwirken? - "Dann gäbe es Chaos." Mehr Mitbestimmung durch Studierende in einer verfassten Vereinigung, so wie in anderen Bundesländern? - "Studenten wollen studieren, alles andere interessiert sie nicht", so Heubisch, der sich da an seine eigene Studienzeit erinnert fühlte: "In jedem Fall gibt es in Bayern viel mehr Freiheiten in den Fachschaften und im Konvent, als es in einer verfassten Vereinigung möglich wäre."

Was den Pädagogen am Friedrich-Rückert-Gymnasium gefallen haben dürfte: Ihr Berufsstand fand bei Wolfgang Heubisch große Anerkennung. "Ich würde gerne dazu zurückkommen, dass Lehrer ein besseres Ansehen genießen." In Skandinavien, wo regelmäßig höhere Bildungsstandards geschaffen werden, sei dies ganz anders. Für sinnvoll hält der Wissenschaftsminister auch ein "Semester generale", bei dem der Studierende in verschiedene Bereiche hineinschnuppern kann, bevor er sich für eine Spezialisierung entscheidet. Davon abgesehen lobte er das Hochschulsystem und die Verbesserungen der vergangenen Jahre vom Handwerksmeister mit Studierberechtigung bis zur freien Professur-Vergabe durch die Hochschulen selbst. "Die Hochschulen können gar nicht genug Freiheiten haben!", bekräftigte der Liberale. Dabei müsse man auch schon einmal kreativ sein, wie sich beim doppelten Abitur-Jahrgang herausstellte. In Bamberg, wo der BWL-Studiengang intern nicht zulassungsbeschränkt gewesen sei, hätten sich in der letzten Woche kurzfristig noch rund 800 Studienbeginner eingeschrieben: "Da kam der Dozent gar nicht bis zum Rednerpult", schmunzelte Heubisch. Deshalb hätte man kurzerhand die Konzert- und Konzerthalle zum Hörsaal umfunktioniert.

Und was nimmt der Münchner mit von seiner Stippvisite in Ebern? "Dass ich mir um die Zukunft in Bayern keine Sorgen machen muss, wenn ich mir die Schüler hier so anschaue", so der Minister.

Ich habe das tollste Ministeramt, das man sich vorstellen kann!

Wolfgang Heubisch


Politik trifft Bildung

Bei der Veranstaltungsreihe "Politik trifft Bildung" kommen namhafte Politiker ans Friedrich-Rückert-Gymnasium. Nach Dorothee Bär (CSU), Markus Rinderspacher (SPD) und Wolfgang Heubisch (FDP) soll voraussichtlich noch in diesem Schuljahr ein prominenter Grünen-Politiker kommen.


Zur Person

Wolfgang Heubisch, geboren am 13. Juli 1946 in München, ist gelernter Bankkaufmann, studierte Betriebswirtschaft und ist promovierter Zahnmediziner. Der FDP-Politiker ist seit Oktober 2008 bayerischer Staatsminister für Wissenschaft, Forschung und Kunst in der Regierung Seehofer.


Kunst im Blut

Heubisch stammt aus einer kunstinteressierten Familie: Seine Onkel Lothar und Elmar Dietz waren bekannte Bildhauer. Von Letzterem stammt die wiederhergestellte Quadriga auf dem Siegestor. Die Schriftstellerin Gertrud Fussenegger seine Tante, die Malerin Ricarda Dietz ist seine Cousine


Am Rande

Die künstlerische Verwandtschaft hat auch in Ebern ihre Spuren hinterlassen: Der eine Onkel des Ministers, Lothar Dietz, schuf unter anderem eine Brunnenfigur, die heute noch den Dorfplatz in Jesserndorf ziert. Die Hauptstraße jenes Ortes trägt darüberhinaus den Namen "Lothar-Dietz-Straße".