Hassberge In Ebern lässt's sich sicher gut leben

Wenig Straftaten, hohe Aufklärungsquote: Im Bereich der Polizeiinspektion Ebern lässt es sich so sicher wie kaum in einem anderen Gebiet des Freistaats Bayern leben.

Ebern - Nein, eine "Insel der Glückseligkeit", das ist dann vielleicht doch ein wenig hochgegriffen. So hatte Bayerns Innenminister Joachim Hermann den Einsatzbereich der Polizeiinspektion (PI) Ebern vor einigen Jahren einmal genannt. Aber fest steht: Gemessen an der Zahl der Straftaten zählt das Fleckchen Erde zwischen Ermershausen und Rentweinsdorf wohl zu den sichersten in Bayern. Für das Jahr 2019 konnten Dienststellenleiter Siegbert Weinkauf und sein Stellvertreter Detlef Hauck am Mittwoch im Pressegespräch über einen weiteren Rückgang der Gesamtkriminalität berichten: Waren im Jahr 2018 noch 600 Straftaten in der "Polizeilichen Kriminalstatistik" (PKS) registriert, sind es 2019 nur noch 366 - ein Minus von satten 39 Prozent.

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Wie diese Straftaten im Verhältnis stehen zur Zahl der Einwohner, errechnet die sogenannte Häufigkeitszahl. Die ist in ganz Bayern mit 4615 - so viele Straftaten kommen auf 100 000 Einwohner - ebenfalls auf einem positiven Trend nach unten; Unterfranken steht dabei mit 3753 noch einmal besser da, und die Polizeiinspektion Haßfurt konnte mit ihrer in der vergangenen Woche veröffentlichten Zahl von 2865 noch einmal unterbieten. Nahezu einen Fabelwert erreicht aber die PI Ebern: Bei einer Bevölkerung von insgesamt 19 548 Einwohnern im gesamten Dienstbereich (Stand: 31.12.2018) ergeben 366 Straftaten eine Häufigkeitszahl von 1872. Auf dem Land, so scheint es, ist die Welt eben doch noch ein bisschen mehr in Ordnung.

Auch mit der Aufklärungsquote liegt die Polizeiinspektion Ebern mit an der Spitze in Bayern. Nach einem leichten Tief im Jahr 2016 von 68,5 Prozent pendelt sie sich in den Folgejahren konstant bei über 76 Prozent ein (2019: 76,2 Prozent). Und wieder liegt der Vorteil im ländlichen Raum, wie Detlef Hauck erklärt: "Hier wird einfach noch mehr hingeschaut." Dazu komme auch, dass viele der Kollegen ortsansässig seien, fügt Siegbert Weinkauf hinzu: "Man kennt sich", sagt er. Das grenzt die "üblichen Verdächtigen" schnell ein, doch auch die Tipps aus der Bevölkerung nehmen so schneller einmal den kurzen Dienstweg.

Also durchweg nur Vorteile durch das Leben auf dem Land? Nicht ganz. Während es in größeren Städten in Straftatbereichen rund ums Rauschgift eine "Szene" gibt, ist die Tätersuche in ländlicher Struktur ungleich schwieriger, wie Detlef Hauck sagt: Konsum und Dealerei spielen sich hier überwiegend in privaten Wohnungen und Kellern ab, "der Zugriff ist hier schwerer", so Hauck. Doch auch bei Rauschgift-Delikten verzeichnet die PI einen Rückgang: 45 Straftaten im Jahr 2018 stehen im Folgejahr nur noch 24 gegenüber. Auch bei Diebstählen (2018: 105; 2019: 88) oder Sachbeschädigung (2018: 89; 2019: 44) ist der Rückgang bemerkenswert. Unter die häufigste Deliktsart fallen weiterhin Rohheitsdelikte (2018: 125; 2019: 92), darunter überwiegend vorsätzliche Körperverletzung (98/61).

Doch auch hier ist ein starker Rückgang auffällig, den Erster Polizeihauptkommissar Siegbert Weinkauf vor allem der guten Präventionsarbeit der Polizei sowie auch der Veranstalter zuschreibt. Gemeinsam mit Sicherheitsdiensten und Jugendschutz zeigt man auf Veranstaltungen wie dem Eberner Altstadtfest mittlerweile viel Präsenz. "Wir sind extrem glücklich, dass wir so viele mit ins Boot holen konnten", freut sich Siegbert Weinkauf.

Eine "Verrohung der Jugend", wie man oft hört, sei glücklicherweise ohnehin nicht zu bemerken, im Gegenteil, wie Detlef Hauck aufzeigt: So hatte etwa der Anteil der Tatverdächtigen unter 21 Jahren erfreulicherweise einen Rückgang von 1,66 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Ebenfalls erfreulich: Kapitalverbrechen, also Mord und Totschlag, hat es im Eberner Raum schon ewig nicht mehr gegeben.Von den insgesamt 233 ermittelten Tatverdächtigen waren übrigens 175 Personen männlich (75,10 Prozent) und 58 weiblich (24,90 Prozent).

Eine vergleichsweise geringe Zahl an Straftaten bedeutet übrigens nicht, dass die Polizei in Ebern weniger zu tun hätte. Erfasst sind hier schließlich nur die Vergehen nach dem Strafgesetzbuch und dem Nebenstrafrecht, zu den Aufgaben zählen aber auch andere Ermittlungen, die Bearbeitung von Ordnungswidrigkeiten, Verkehrsunfälle und vieles mehr. "Hier wird die Belastung schon höher", sagt Siegbert Weinkauf. Dazu kommt die Präventionsarbeit mit täglichen Streifenfahrten, Vorbesprechungen und Betreuung einer Vielzahl von Veranstaltungen im Schutzbereich sowie zahlreiche Fachvorträgen bei Vereinen, Schulen und Seniorennachmittagen.

Zumindest bei der Aufklärung von Straftaten kann die Bevölkerung mithelfen. Auf deren Unterstützung sei die Polizei immer angewiesen, betont Weinkauf. Deshalb richtet er auch in diesem Jahr die Bitte an alle Bürgerinnen und Bürger, "auch in Zukunft ein offenes Ohr und offene Augen für ihre Umgebung zu haben", wie er sagt: "Scheuen Sie sich nicht und greifen Sie zum Telefon, wenn Sie etwas Ungewöhnliches bzw. Verdächtiges beobachten."