Handwerk in Südthüringen Meisterbriefe sind nun vergoldet

Was haben Peter Greiner aus Meiningen, Dieter Günkel aus Wasungen, Rainer Schilling aus Untermaßfeld und Wolfgang Clauer aus Meiningen gemeinsam? Sie alle sind langjährige Handwerksmeister und wurden gemeinsam mit anderen Handwerksmeistern von der Kammer geehrt. Vor 50, 60 oder 65 Jahren haben sie ihren Meisterbrief erworben. Eine große Ausnahme ist die 103-jährige Gertrud Hoffmann aus Schleusegrund, die vor 80 Jahren ihren Meisterbrief erwarb.

Rohr-Kloster - Zum 25. Mal hatte die Handwerkskammer Südthüringen ihre langjährigen Meister ins Berufsbildungs- und Technologiezentrum Rohr-Kloster eingeladen, um sie zu ehren. 28 Goldene Meisterbriefe konnte Präsident Manfred Scharfenberger überreichen, die vor 50 Jahren ihren Meisterbrief erworben hatten. Vor 60 Jahren hatten sieben diesen erworben, wofür sie nun mit dem Diamantenen Meisterbrief geehrt wurden. Zwei hatten diesen Meisterbrief sogar schon vor 65 Jahren erhalten. Erstmalig im Kammerbezirk Südthüringen gab es eine äußerst seltene Auszeichnung, denn die heute 103-Jährige Gertrud Hoffmann aus Schleusegrund, Ortsteil Engenstein, hatte sogar schon vor 80 Jahren ihren Meisterbrief als Damenschneidermeisterin erworben.

Aus 16 verschiedenen Berufen kommen die Jubilare, vom Elek­troinstallateur bis zum Zimmerer, vom Schuhmacher bis zum Maler- und Lackierer, vom Maurer bis zum Fleischer, vom Klempner bis zum Werkzeugmacher. „Der Goldene Meisterbrief ist eine Ehrung für die über viele Jahre verantwortungsvoll geleistete Arbeit im Handwerk“, würdigte Manfred Scharfenberger. „Sie können voller Stolz und Dankbarkeit auf ein langes bewegtes Leben im Handwerk zurückblicken.“ Seit 1996 verlieh die Kammer diese Ehrung in Südthüringen 1264 Mal.

Voller Tatendrang hatten die Jubilare in den Jahren 1961 oder 1971 oder noch eher ihre Meisterprüfung abgelegt, würdigte der Präsident. „Immer hatten Sie ein konkretes Ziel vor Augen, das Sie konsequent in Angriff genommen haben. Sie haben Ihre berufliche Laufbahn im Handwerk gesehen und sich zum Meister qualifiziert, um diesem Ziel in großer Verantwortung gerecht zu werden.“

Mit Augenzwinkern erinnerte der Präsident an die Jahre, als die meisten der Jubilare ihren Meisterbrief erworben haben – da hatte Willy Brandt den Friedensnobelpreis für seine Ostpolitik erhalten, Walter Ulbricht und Erich Honecker hatten die Führung der DDR übernommen und der Benzinpreis lag bei 58 Pfennig. „Doch im Jahr 1961, als die heutigen Diamantenen mitten in ihrer Meisterausbildung waren, geschah das für viele noch Unfassbare: Die Berliner Mauer wurde errichtet und trennte 40 Jahre die Stadt Berlin in einen Ost- und einen Westteil, danach das ganze Land in zwei Teile.“

In den Jahrzehnten ist das Handwerk in Südthüringen zu einem der wichtigsten Wirtschaftszweige in der Region geworden, woran die Jubilare einen hohen persönlichen Anteil haben. Zu Beginn der Laufbahn sei die Zeit nicht leicht gewesen, alle litten unter den Folgen des Zweiten Weltkrieges. Eine Zeit voller Entbehrungen und teils bitterer Lebenserfahrungen. Hoffnungslosigkeit herrschte im Land. Doch nicht alle haben sich entmutigen lassen, eine Lehre begonnen und sich später zum Meister ausbilden lassen. Gerade frisch zum Meister gekürt und einen eigenen Betrieb gegründet, sind viele nicht ganz freiwillig zu einer PGH, einer Produktionsgenossenschaft des Handwerks, zusammengeschlossen worden.

„Für viele von Ihnen war die Entscheidung, die Meisterprüfung abzulegen, zugleich auch die Entscheidung zur Selbstständigkeit und zum freien Unternehmertum im Handwerk“, so der Kammerpräsident. „Sicher für Sie ein Schritt, der mit Bedacht zu gehen war, der Mut und Leidenschaft erforderte und vor allem Fleiß und Liebe zum jeweiligen Handwerk, für das Sie sich entschieden haben.“ Anerkennenswert sei zudem, dass durch die Ausbildung von Lehrlingen ein wichtiger Schritt zum Fortbestand des Berufes geleistet worden ist. Unabhängig von jeglichen Staats- und Gesellschaftsordnungen sei eines dem Handwerk eigen: Handwerker jeder Epoche übten immer mit Stolz und Selbstbewusstsein ihren Beruf aus. „Möge dies auch in Zukunft so sein und auch immer so bleiben“, so der Wunsch des Kammerpräsidenten.

Einen Beweis dafür haben alle geleistet, als sie die neuen Herausforderungen nach der Wende gemeistert haben. Viele Berufe hatten sich fachlich verändert, nicht immer sei es leicht gewesen, Schritt zu halten.

Dann gab es noch eine Überraschung für den Kammerpräsidenten. Sein Vizepräsident Lutz Koscielsky kam nach vorn und überreichte Scharfenberger den Ehrenmeisterbrief. Was mit stürmischem Applaus bedacht wurde. Diese Auszeichnung erhält, der über den Handwerksberuf hinaus herausragende ehrenamtliche Tätigkeit nachweisen kann und besondere Verdienste für das Gesamthandwerk hat.

 

Bilder