Handel beleben Einkaufstag in der Heimatstadt

Annett Recknagel

Mit dem Heimat shoppen soll die aktuell eingetrübte Konsumlaune der Bevölkerung wieder belebt werden. Zum anderen sollen die Menschen daran erinnert werden, dass auch der innerstädtische Handel einiges zu bieten hat. In Schmalkalden fand die Aktion schon zum fünften Mal statt.

An 31 Geschäften, Gastronomiebetrieben und Dienstleistungseinrichtungen in der Innenstadt flatterten bunte Ballons. Etliche Läden hatten die Papiertüten mit der Aufschrift „Kauf da ein, wo du lebst“ aufgestellt. Am Nachmittag gab es trotz Regen auf dem Altmarkt eine Modenschau und eine Sonderstadtführung. Die Musik passte. Abends konnte auf dem Altmarkt getanzt werden. Nur die Oldtimer blieben zum fünften Heimat shoppen in Schmalkalden leider aus.

„Das lag klar am Wetter“, meinte Wirtschaftsförderin Christiane Handy. Und das spielte am Samstag lustig on/off. Mal war es trocken, mal regnete es. Während die Krad-Oldies-Fans aushielten, hatten die Oldtimer-Freunde ihre Lieblings lieber in den trockenen Garagen gelassen. Trotz wechselhaften Wetters nutzten zahlreiche Einheimische und Touristen die Möglichkeit des Heimat shoppens. Das ist aktuell die größte Imagekampagne des lokalen Handels in Deutschland. 2014 waren die Industrie- und Handelskammern in Nordrhein-Westfalen die Initiatoren des Projektes. Drei Jahre später fand die erste Aktion in Thüringen statt, 2018 erstmals in Südthüringen. Im September dieses Jahres beteiligten sich über 500 Städte, darunter 27 Aktionsstädte in Thüringen, daran.

„Wir finden die Aktion einfach toll und sinnvoll für Einzelhandel, Dienstleister und Gastgewerbe“, erklärte Ralf Pieterwas, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Südthüringen. Der Einzelhandel befinde sich gegenwärtig im Strukturwandel, deshalb müssten für die Innenstädte neue Konzepte her. Es gelte, Einkaufserlebnisse zu schaffen, die mit Events in Verbindung stünden. Und hier kämen die Kommunen ins Spiel. „Sie müssen die Leute gezielt auf die eigene Innenstadt mit Handel und Dienstleistern aufmerksam machen“, so Pieterwas.

Die IHK Südthüringen ließe es sich jedes Jahr 50 000 Euro kosten, um Werbemittel für die Aktion Heimat shoppen bereit zu stellen. Man wisse sehr wohl, dass die Kaufkraft in der derzeitigen Krise rückläufig sei. Deshalb müsse etwas dagegengesetzt werden und die Konsumlaune der Bevölkerung wieder angehoben werden. Mit dem Heimat shoppen verbessere sich die Stimmung. In Schmalkalden machten über 30 Leistungsträger mit. Etliche boten Aktionen vor ihren Geschäften an. Bei „Royal Moden“ konnte Liköre und Brotaufstriche verkostet werden. Die Wernshäuser Ölmühle hatte einen Stand vor der Touristinformation. Einladende Dekoration war vor vielen Geschäften zu bemerken. „Bei mir schauten etliche Kunden vorbei, die den Prospekt mit hatten. Da freute mich besonders“, sagte Susanne Weisheit von der „Trauminsel“. Für sie war das Heimat shoppen endlich mal wieder ein Erlebnis in der Innenstadt. „Natürlich sind die Zeiten derzeit nicht rosig, aber allein, dass man es macht, zeigt, dass noch jemand da ist, der uns hilft und das gibt Auftrieb“, betonte sie. In ihren beiden Läden – der „Trauminsel“ und der „Culinaria“ habe sie mittlerweile ein breites Sortiment. Nach wie vor versuche sie, verkaufbare Ware zu finden. Obwohl sie weiß, wie teuer der Einkauf derzeit ist. Bürgermeister Thomas Kaminski bezeichnete das Heimat shoppen als ein Stückchen Leistungsschau.

Man erfahre, welche Angebote es in der Innenstadt gebe. Mit der Aktion sollen nicht nur die Schmalkalder, sondern auch das Umland und natürlich die Touristen angesprochen werden. „Der Einzelhandel, die Gastronomie und die Hotellerie haben am meisten unter Corona gelitten“, so Kaminski.

Durch den derzeitigen massiven Fachkräftemangel könnten die Öffnungszeiten schwer aufrecht erhalten werden und dies bedeute Abschied von lieb gewonnen Serviceleistungen. Dazu kämen die gestiegenen Energiepreise. Mitunter seien Schaufenster nicht mehr beleuchtet oder manch Ladenbesitzer drehe die Heizung vorzeitig ab. Diese Vorzeichen seien besorgniserregend. Doch: „Lasst uns zusammen rücken und ganz bewusst im Einzelhandel vor Ort einkaufen“, appellierte Kaminski an alle. Natürlich sei ihm bewusst, dass Frequenzbringer wie etwa die Müller Drogerie einer war, in der Innenstadt fehlten.

Aber: „Wir sind dabei die Lücken zu schließen“, erklärte er. Man sei mit einem Warenhaus im unteren Preissegment im Gespräch und versuche in den nächsten Monaten eine Lösung zu finden. Auch bezüglich des „Treppchenkonsums“ liefen Überlegungen. Anfragen lägen bereits vor, um den Leerstand zu beheben. Trotz aller Probleme wurden Aktionen wie das Heimat shoppen gebraucht. „Es gibt genug Themen, die Sorgen bereiten, aber es gibt auch noch vieles andere“, so der Stadtchef. Susanne Weisheit regte an, einmal im Quartal gemeinsam mit der Stadt einen Händlerstammtisch anzubieten. Bürgermeister Kaminski war davon begeistert und versprach, dies anlaufen zu lassen.

 

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