Handball Der Turbo zündet zur richtigen Zeit

Thomas Levknecht

Der ThSV Eisenach meldet sich nach der WM-Pause mit einem Heimsieg zurück. Gegen Coburg stottert zunächst der Motor, nach der Pause platzt der Knoten.

Mit voller wucht: Jannis Schneibel erzielt eines seiner acht Tore. Foto: sportfotoeisenach/Frank Arnold

Es ist schon ziemlich ungewöhnlich: Da startet die 2. Handball-Bundesliga der Männer nach der sechswöchigen WM-Pause endlich wieder mit dem Spielbetrieb – und nach nur einer Partie wird Zwischenbilanz gezogen, weil die Hinrunde offiziell abgeschlossen ist. Egal: Beim ThSV Eisenach gibt es keinerlei Grund, zum Ende der ersten Halbserie sein Licht unter den Scheffel zu stellen, denn nach dem 32:26 (10:13) im Nachbarschaftsduell mit dem HSC 2000 Coburg bleiben die Wartburgstädter auf Aufstiegskurs. Sie sind jetzt nicht nur im offiziellen Klassement Zweiter, sondern auch in der letztlich entscheidenden Tabelle, aus der die Spiele mit Beteiligung des ukrainischen Gaststarters HC Saporischschja herausgerechnet werden. Wäre jetzt schon Saisonende, Thüringen hätte einen Erstligisten mehr.

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Da aber noch 19 Spiele anstehen und die 2. Liga so ausgeglichen ist wie selten zuvor, hielt sich die Euphorie nach dem verdienten Arbeitssieg gegen die Vestestädter im Rahmen. Die 2200 Zuschauer in der proppevollen Werner-Aßmann-Halle waren – bis auf den Gästeblock – zwar durchaus in Feierlaune. Trainer und Spieler der Hausherren bevorzugten hingegen die sachliche Analyse, wobei vor allem Mischa Kaufmann verbal einmal feucht durchwischte und Klartext zur holprigen Vorstellung vor der Pause redete.

„Wir haben uns zu viel Druck gemacht, weil wir dieser großen Kulisse etwas zeigen wollten“, sagte der Schweizer. Das Ergebnis war eine handfeste Blockade – sowohl hinsichtlich der Zweikämpfe als auch der Torabschlüsse. „Wir haben ein paar freie Bälle nicht am Torhüter vorbei gekriegt, manchmal haben wir in der Offensive ganz einfach die falschen Mittel gewählt. Aber wir wussten auch schon vor dem Spiel, wie gut unser Gegner ist. Von leicht war nie die Rede.“

Während die heimischen Fans beim Pausenbier grübelten, wie der ThSV im Angriff besser in die Gänge kommen kann, hatte Kaufmann in der Kabine offensichtlich die passenden Worte gewählt und taktisch die richtigen Schlüsse gezogen. Noch bevor die Coburger wussten, wie ihnen geschah, legte Eisenach die Zurückhaltung ab und zündete den Turbo. „Wir sind vorne richtig auf Touren und ins Tempospiel gekommen“, frohlockte der Coach. Selbst der herausragende Gästetorwart Jan Kulhanek, mittlerweile 41 Jahre alt, war machtlos, als ihm der achtfache Torschütze Jannis Schneibel und seine Kollegen die Bälle nur so um die Ohren warfen.

Während Schneibel gemeinsam mit Fynn Hangstein unermüdlich die Offensive ankurbelte, lief Torhüter Johannes Jepsen (zwölf Paraden) am anderen Ende des Feldes zur Galaform auf. Seine Rettungstaten und die wie verwandelt wirkenden Angriffsspieler brachten die Wende in einem Spiel, in dem der ThSV im zweiten Durchgang neun Tore mehr warf als der nie aufsteckende, am Ende aber deutlich unterlegene Rivale aus Franken. „In der zweiten Halbzeit haben wir ordentlich Schwung aufgenommen“, meinte Rückraumspieler Jonas Ulshöfer und ergänzte: „Es gibt kaum etwas Schöneres, als nach so einer Pause mit einem Sieg zu starten.“