Gymnasium Hildburghausen Mädchen dürfen seit 100 Jahren kommen

Wolfgang Swietek

Das Gymnasium Georgianum gibt es seit 210 Jahren in der Stadt Hildburghausen. Grund genug für eine Festveranstaltung im Stadttheater – und einen Rückblick auf die Geschichte.

Sicher, ein besonders rundes Jubiläum ist dies nicht. Doch Schulleiter Frank Wagner bekannte in seiner Festrede, dass es keine einzige Gegenstimme am Hildburghäuser Gymnasium Georgianum gegeben habe, als die Frage stand, ob dies gefeiert werden solle oder nicht. Wenn auch nicht mit einer ganzen Festwoche wie vor zehn Jahren, als es ganze zwei Jahrhunderte zu würdigen galt.

Doch einen ausführlichen Rückblick auf diese Zeit wolle er diesmal nicht halten, dafür verwies er auf die ausführliche Festschrift aus dem Jahr 2012, die in einigen Exemplaren noch erhältlich sei. Da könne jeder nachlesen, der Genaueres erfahren möchte. Besonderer Dank gelte vor allem einigen Autoren dieser Festschrift, die damals Lehrer am Gymnasium waren, aber heute leider nicht mehr am Leben sind.

Einhundert Jahre zuvor haben Lehrer aus anderen Gründen ihr Leben gelassen, erinnerte der Schulleiter an ein Kapitel der Schulgeschichte: Im Ersten Weltkrieg sind von den einhundert Lehrern des Gymnasiums in Hildburghausen 27 nicht wieder aus den Kriegswirren zurückgekehrt.

Über die Zahl der Schüler gebe es leider keine genauen Zahlen, aber dass in den beiden Weltkriegen unzählige Schüler im Alter von fünfzehn Jahren zu Hilfsdiensten an der Front eingesetzt worden sind und ebenfalls nicht wieder lebend zurückkehrten, sei unbestritten. Man müsse kein Prophet sein, um vorauszusagen, dass es nach einem dritten Weltkrieg keine Schulchronik mehr geben werde. „Wir dachten alle: Krieg in Europa ist endgültig Geschichte. Und jetzt hören wir täglich von den schrecklichen Ereignissen in der Ukraine!“, so Frank Wagner. Schule habe dabei eine wichtige Aufgabe, das allen jungen Menschen bewusst zu machen.

„Jung und alt – von und miteinander lernen“ hatte sich das Gymnasium diesmal als Motto gegeben. Dieses Miteinander war gerade in den letzten beiden Jahren der Corona-Pandemie von enormer Bedeutung. Da seien Schüler wie Lehrer vor besondere Herausforderungen gestellt gewesen. „Diese beiden Jahre waren sehr, sehr schwer, für alle von uns“, so der Schulleiter. Da hätten alle von einander lernen können und müssen – die jungen Lehrer von den älteren, aber auch umgekehrt, gerade bei dem neuen digitalen Unterricht. In diesem Punkt blickt Frank Wagner nicht gerade optimistisch in die Zukunft, gehen doch in den nächsten Jahren von den 29 Lehrern, die noch vom Jubiläumsjahr 2012 da sind, allein 16 in den Ruhestand. Ob die frei werdenden Stellen alle wieder besetzt werden können, sei bei dem derzeitigen Lehrermangel eine große Frage.

Ein normaler Generationswechsel sei dies auf keinen Fall, und das gelte für ganz Thüringen. „Wenn wir das nicht meistern, können wir das derzeitige Niveau an unseren Schulen nicht halten, Eine erstklassige Bildung ist für die weitere Entwicklung unseres Landes wichtig, sie ist die Grundvoraussetzung für vieles andere im Leben.“ Deshalb dankte der Schulleiter allen, die dabei mithelfen, mitgeholfen haben: den Lehrern, den Eltern- und Schülervertretungen, dem Landkreis als Schulträger – und natürlich den Hauptakteuren des Abends, den Schülern.

Beeindruckt von diesem Abend zeigte sich danach der Schirmherr der Festveranstaltung – der Landtagsabgeordnete und Vorsitzende des Bildungsausschusses Torsten Wolf (Linke). „Schule ist mehr als ein Gebäude, als Räume und deren Ausstattung. Es ist eine Gemeinschaft, eine Sozialform. Wir als Politiker haben die Aufgabe, dafür beste Bedingungen und Voraussetzungen zu schaffen.“ Doch er sprach auch Probleme an: „Seit 1945 wurden bei uns keine Schulen mehr geschlossen – wir mussten es während der Corona-Pandemie. Ich konnte mir das zuvor nicht vorstellen. Aber eine Krise kann auch eine Chance sein – wir sind gestärkt daraus hervorgegangen. Es gilt der Spruch: Die Segel und nicht der Wind bestimmen die Richtung. Das Gymnasium Georgianum hat die Segel offenbar richtig gesetzt!“

Ein Gruß der Eltern

Das Gymnasium habe in der langen Geschichte bereits mehrfach den Träger gewechselt, aber eine Konstante sei seit Jahrzehnten geblieben – der Landkreis Hildburghausen als Schulträger, so Rolf Kaden, der den erkrankten Landrat Thomas Müller vertrat. Bürgermeister Tilo Kummer erinnerte daran, dass man schon in früheren Jahren etwas gegen den Lehrermangel getan habe, gab es doch einst in Hildburghausen ein weithin anerkanntes Lehrerseminar, das den Nachwuchs für die Schulen ausgebildet hat.

In Zeiten der Fake News, in der jeder mit Informationen überhäuft werde, ob wahr oder unwahr, komme den Schulen eine besondere Bedeutung zu, die dagegen einen Beitrag leisten müssten.

Anna Madouche, die Schulelternsprecherin des Gymnasiums, war ein anderer Gesichtspunkt wichtig: „210 Jahre, das sind mehr als sieben Generationen. Seit genau einhundert Jahren dürfen übrigens auch Schülerinnen das Gymnasium besuchen.“ Sie fügte schmunzelnd hinzu: „Ohne uns Eltern gebe es übrigens keine Schüler!“ Vieles, zu vieles sei während der Corona-Pandemie auf die Schulen abgewälzt worden. Doch alle wären gerade in dieser Zeit enger zusammengerückt, mit Kommunikation auf Augenhöhe seien viele Probleme gelöst worden, denn miteinander reden sei wichtiger denn je geworden.

Doch damit die Berichterstattung über die Festveranstaltung keinen falschen Eindruck erweckt – natürlich wurde an dem Abend nicht nur geredet. Den Hauptteil bestritt der Chor „Schoolvoices HBN³“, und das in bewährter Weise. „ ... bei dir fühl ich mich geborgen“, so klang es gleich zu Beginn der Festveranstaltung aus den Kehlen der jugendlichen Sängerinnen und Sänger. Ein Text, der ein klares Bekenntnis sein könnte für alle, die diese Schule besuchen. Oder besucht haben in all den 210 Jahren, die es an diesem Abend im Stadttheater Hildburghausen zu feiern galt.

„Wer, wenn nicht wir“ und „Irgendwas bleibt“ waren weitere, recht selbstbewusste Titel. Mit viel Engagement mit dem Chor aus drei Hildburghäuser Schulen einstudiert von Musiklehrer Falk Bastigkeit, der als Schüler selbst viele Jahre in diesem Chor gesungen hat und heute zu den jungen Lehrern gehört, die Schulleiter Wagner einstellen konnte.

 

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