Gymnasiasten lernen am anderen Ort Auf den Spuren der industriellen und mittelalterlichen Geschichte

Im Innenhof der Burg Neuhaus-Schierschnitz erfuhren die jungen Leute viel über die Geschichte des Wahrzeichens und machten zur Erinnerung an die interessante Exkursion ein Erinnerungsfoto. Foto: /Susanne Wollheim

„Lernen am anderen Ort“ heißt ein Projekt, das die Jugendlichen der 12. Klasse des Berufliches Gymnasiums der SBBS Sonneberg kürzlich nach Neuhaus-Schierschnitz führte.

Neuhaus-Schierschnitz - Wie schön Unterricht außerhalb des Klassenzimmers sein kann, erlebten kürzlich die jungen Leute der 12. Klasse des Beruflichen Gymnasiums der SBBS. Sie starteten innerhalb ihres des Geschichte- und Biologieunterrichtes eine Exkursion nach Neuhaus-Schierschnitz und lernten beim Projekt „Lernen am anderen Ort“ viel über die Geschichte und die industrielle Entwicklung des Ortes kennen.

„Wir trafen uns an diesem sonnigen Dienstag früh am Gemeindeplatz“, erzählen Melissa Löffler, Melissa Heinz, Lea Windorf. Nachdem alle da waren, ging es auch schon los. „Allerdings ein bisschen anders, als wir es von früheren Exkursionen und Wanderungen kannten“, betonen die Jugendlichen. Aufgrund der Coronabeschränkungen wurden sie in zwei Gruppen aufgeteilt. Der eine Teil wurde von Bernd Hülß, dem Vorsitzenden des Fördervereins Burg Neuhaus, begleitet. Englischlehrerin Ina Heinze übernahm die andere Hälfte an.

Zunächst ging es ins Industriegebiet, wo man an der Firma Kumatec, das Natursteinmauerwerk bewunderte. Das, so erfuhren die Schüler, erinnert heute noch an das ehemalige Walzwerk von Joseph Meyer. In unmittelbarer Nähe befindet sich die Firma Federal Mogul. Hier, so erklärte man den jungen Gästen, wurden zu DDR-Zeiten Isolatorzündkerzen hergestellt. Heute werden hier Industriekerzen und Zündvorrichtungen produziert.

Vom Industriegebiet ging es zum Steinkohlenbergbaurundwanderweg, der an den Beginn der industriellen Entwicklung des Ortes erinnert. Dabei durfte natürlich ein Name – Joseph Meyer – nicht fehlen, hat er doch großen Anteil am wirtschaftlichen Aufschwung der Gemeinde. Die Schüler kamen an mehreren Gruben vorbei und staunten über die Namen „Juliane“ und „Sophie“. „Wir lernten, dass die Grubenbesitzer diese Namen meist ihren Gattinnen widmeten“, erzählen sie.

Von der Industrie und der Geschichte ging es in die Natur, genauer an das Grüne Band. „Hierbei kamen wir an der ehemaligen Grenze vorbei, die Ost-und Westdeutschland bis 1989 trennte“, berichten die Ausflügler. Aus den Erzählungen der Gruppenleiter konnten die jungen Leute die damaligen Verhältnisse gut nachvollziehen und tauchten für kurze Zeit in das Leben vor der Wende ein. Noch heute, so machte man deutlich, gibt es im ehemaligen Grenzstreifen nicht lokalisierte Minen. „Besser also den Weg nicht verlassen“, wurde allen geraten. Gut sichtbar war jedoch, wie sich die Natur ihren Raum zurückeroberte. Die Lehrkräfte erklärten Pflanzenfamilien und Tierarten, die sich im Schutz angesiedelt und entwickelt haben. Gerade für die Biologieschüler war das ein sehr wichtiger Punkt für ihre Arbeit, konnten sie viele Fakten für ihr Herbarium sammeln.

Gegen Mittag erklommen alle das eigentliche Ziel, die Burg. Bernd Hülß und Ulrich Heublein nahmen die jungen Leute mit auf eine Zeitreise und erklärten die Geschichte des Wahrzeichens ab 1315. Klar, dass manch einer danach selbst noch durch die Räume und Gänge schlich und alles genau begutachtete. Mit einer kleinen Stärkung für die der ortsansässige „Balu“ gesorgt hat, klang der etwas andere Unterricht aus.

„Wir konnten viel von der abwechslungsreichen Geschichte und Artenvielfalt von Neuhaus-Schierschnitz mitnehmen“, sind alle zufrieden und möchten sich bei Bernd Hülß und Ulrich Heublein sowie allen Lehrkräften für den lehrreichen und schönen Tag bedanken. „Gerade nach diesen schweren Monaten stellte dieser Ausflug eine tolle Abwechslung dar“, sind sie sich einig.

 

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