Gunther Emmerlich Ein singender Markenbotschafter

Wolfgang Swietek

Zwei Stunden lang brachten Gunther Emmerlich und das Swing-Quartett aus Dresden die Stimmung im Volkshaussaal zum Kochen. Dabei präsentierte sich der bekannte Künstler als Markenbotschafter für eine Meininger Firma.

Opernsänger und Entertainer Gunther Emmerlich gastierte und der Volkshaussaal stieß an seine Kapazitätsgrenze. Der Gast aus Dresden lockte Besucher in so großer Zahl, von der andere Veranstalter nur träumen können. Was mehrere Gründe haben dürfte. Zum einen, weil es sich allesamt um geladene Gäste des Meininger Hörgeräte-Experten Möckel handelte, deren Markenbotschafter Emmerlich seit einiger Zeit ist. Andererseits ist Gunther Emmerlich natürlich kein Unbekannter in Meiningen. Schon zu DDR-Zeiten hatte er als Opernsänger seine Anhänger, ist gemeinsam mit Wolfgang Stumpf im Meininger Theater in der Sendung „Showkolade“ aufgetreten. Auch in den vergangenen Jahren war er häufiger und gerne Gast in Meiningen. Von seinen vielen Auftritten im Fernsehen gar nicht zu reden. Ebenso prominent die vier Musiker, die der Sänger mitgebracht hatte. Erst vor Kurzem gelang dem Swing-Quartett aus Dresden ein viel beachteter Auftritt beim 50. Dresdener Dixilandfestival. Was nicht verwundert, sind doch Silke Krause (Piano), Micha Winkler (Posaune), Tino Scholz (Kontrabass) und André Schubert (Schlagzeug) durchweg perfekte Musiker.

Durch eine langjährige Zusammenarbeit bestens aufeinander eingestimmt, boten Gunther Emmerlich und die Musiker einen Abend lang beste Unterhaltung. Die Firma Hörgeräte Möckel hat wahrlich einen guten Griff bei der Auswahl ihres Botschafters getroffen – und ihren Kunden am Dienstagabend im Volkshaus ein unvergessliches Erlebnis verschafft. Ganz noch dem Motto Emmerlichs: „Ich singe. Das Hören überlasse ich den Spezialisten.“

Die Partnerschaft zwischen Hörgerätespezialist und Opernsänger war vor über zweieinhalb Jahren entstanden. Seinerzeit unterhielten sich Dirk Bradschetl vom HCS Medienwerk, dem Vermarkter des Meininger Tageblatts, und Marketingleiter Timmy Hack über einen Markenbotschafter für deren Produkte. Es sollte ein bekanntes regionales Gesicht sein. Gunther Emmerlich war der Favorit. Aber wie mit dem Sänger und Entertainer in Verbindung kommen? Dirk Bradschetl wusste, dass der Meininger Roland Abé ein guter Freund von Gunther Emmerlich ist und die besten Verbindungen hat. Schnell war Roland Abé gewonnen. Er rief noch am gleichen Tag bei Gunther Emmerlich an, erklärte das Vorhaben. Natürlich musste alles noch mit Emmerlichs Manager Gunter Grebler abgestimmt werden.

Bereits am nächsten Tag kam das erste Okay und ein Konzerttermin in Ilmenau mit Gespräch wurde angekündigt. Dort sollte auch der erste Fototermin stattfinden, der aber coronabedingt verschoben wurde. Der nächste Fototermin fand dann in der Dresdner Wohnung bei Gunther Emmerlich statt. Auch wurde eine Auftaktveranstaltung für Kunden und Partner der Firma in Meiningen geplant. Leider musste diese im Volkshaus, wie auch das geplante Weihnachtskonzert in der Stadtkirche, coronabedingt ausfallen. Firmenchef Peter Möckel ist stolz und froh, mit Gunther Emmerlich einen Botschafter für gutes Hören gefunden zu haben, der ebenso wie sein Unternehmen regional gut verwurzelt ist.

Am Dienstag war es dann endlich soweit. Nach einem Zufallsprinzip, da nur eine begrenzte Anzahl an Plätzen vorhanden war, wurden Kunden und -Partner eingeladen. Diese erlebten einen brillanten Gunther Emmerlich. Vielseitig ist er nicht nur als Sänger, sein Repertoire reicht von der großen Oper bis zum Swing und Jazz. Vier Bücher hat er inzwischen geschrieben, und sich damit auch als unterhaltsamer Erzähler erwiesen. „Das ist eigentlich nicht so erwähnenswert“, sagt er mit ziemlicher Selbstironie, „aber da es ja Leute gibt, die nicht mal vier Bücher gelesen haben, ist es doch wieder legitim, daran zu erinnern.“

Gleicherart scheinen die vier Musiker zu sein. Als der Posaunist am Ende des Konzertes die Selbstironie von Gunther Emmerlich lobt, sagt dieser: „Ich könnte dir stundenlang zuhören!“ Worauf Micha Winkler kontert: „Den Text hat mir Gunther Wort für Wort aufgeschrieben!“

Solcherart spielen sie sich den ganzen Abend lang gegenseitig die Bälle zu, sehr zum Spaß der Zuhörer. Die auch sofort mitgehen, wenn Gunther Emmerlich Privates von sich Preis gibt, das nicht zum Lachen ist. Denn auf Rosen gebettet war der Sänger nicht von Anfang an in seinem Leben. Der Vater im Krieg geblieben, die Mutter gestorben, als er zwölf Jahre alt war. Die Geschichten aus seiner Kindheit, die er aus einem seiner Bücher vorliest, sind alles andere als spaßig. Von einem Schuster erzählt er, der sich erfolgreich vor dem Dienst in der Wehrmacht gedrückt hatte. „Mit dem selben Trick habe ich das zwanzig Jahre später auch geschafft“, sagt Gunther Emmerlich. „Mit Leuten wie uns ist kein Krieg zu gewinnen – aber auch keiner zu verlieren!“ Berührend auch viele weitere Geschichten, in denen sich der Gesangskünstler ebenso als Wortkünstler erweist.

Der Schalk blitzt ihm wieder aus seinem Gesicht, wenn er von Begegnungen nach der politischen Wende mit den „Großen der Unterhaltungsbranche“ im damaligen Westen erzählt. „Ja, singen können sie, die Ossis“, hatte einer von denen mal nach einem Konzert Emmerlichs gesagt. Was er kommentiert: „Ist im Prinzip richtig – aber schlecht formuliert!“

Der Landrat in seiner sächsischen Heimat sei politisch gesehen ein Schwarzer, und trotzdem habe er ein Problem mit dem Mohren. „So gesehen, dürften wir auch Mozarts Zauberflöte nicht mehr spielen, denn dort kommt auch der Mohr Monostatos vor.“ Und wer zu ihm nach einem Sommerurlaub sagt: „Du bist aber schön braun geworden“, das sei dann ebenso zweideutig. Sogar Rot sei er schon mal gewesen nach einem Sonnenbrand.

Ein Gag jagt den anderen, musikalisch wie literarisch. Zwei volle Stunden lang. Bis Gunther Emmerlich das Fazit zieht: „Wir haben die Idee gut gefunden, uns mal wieder nach Meiningen einzuladen. Wir hoffen – Sie auch?“ Der lang anhaltende Beifall war die beste Antwort.

Nach den vielen guten Rückmeldungen an diesem Abend und zur Autogrammstunde ist nun bereits eine Folgeveranstaltung mit Gunther Emmerlich in Planung.

 

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