Grünewalds Woche Ich weiß jetzt, warum Merz für Kopfschütteln sorgt

Georg Grünewald

Wer berät den Kanzler eigentlich? Die offizielle Antwort kennt unser Kolumnist nicht. Dafür hat er eine Theorie entwickelt. Und die führt direkt zur künstlichen Intelligenz.

Georg Grünewald. Foto: Archiv

Ich hab´s! Ich habe das Rätsel gelöst! Alle wundern sich über Bundeskanzler Friedrich Merz. Was macht er jetzt wieder? Was hat die jüngste Äußerung zu bedeuten? Wie kann er nur? Ich wundere mich ja auch.

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Vor allem fragen sich alle: Wer berät den Mann? Gewöhnlich haben ja Spitzenpolitiker ein Heer von Beratern um sich, die zu jedem Thema Fakten sammeln und ihren Chef entsprechend „briefen“, wie es heißt. Ihn mit Zahlen füttern und möglichen Statements.

Von den ungefragten Beratern ganz abgesehen. Dass Politiker und Co. auf die nicht hören, ist ja ok. Das ist wie im Fußball.

Wenn ein Trainer erst einmal anfängt, seine Mannschaft nach den Wünschen der Journalisten oder gar der Fans aufzustellen, hat er schon verloren. Fragen Sie Julian Nagelsmann! Da hatte er mit Deniz Undav endlich den genialen Joker gefunden. Und was macht er? Er gibt dem Druck von außen nach und bringt Undav während der WM in den USA plötzlich doch von Anfang an. Nur: Der Joker sticht plötzlich nicht mehr. Und einen zweiten Joker hatte er nicht.

Der Rest ist bekannt. Nein? Sie haben ihn vergessen? Auch gut! Ich will sie jetzt auch gar nicht daran erinnern. Nur so viel: Schuld an dem Desaster waren natürlich weder die Fans, noch die Kommentatoren, sondern der Trainer. Nagelsmann.

Na gut. War das vielleicht sogar ein Glücksfall? Immerhin haben wir jetzt Kloppo – und verlieren gegen Griechenland. Aber wen würden wir für Merz bekommen? Gute Frage! Stimmts? So eins zu eins lassen sich Fußball und Politik dann doch nicht immer vergleichen.

Aber zurück zu den echten Beratern. Den Trainerstäben in der Politik. Noch wichtiger, als ihre Chefs mit Zahlen zu füttern, ist etwas anderes: Die Berater im Hintergrund müssen ihren Politiker – oder ihre Politikerin – auf mögliche Fallstricke hinweisen. Ihnen einschärfen, was sie nicht sagen dürfen. Auf keinen Fall. Und wenn der Moderator fünfmal fragt.

Nur bei Merz ist das anders. Der haut einen Hammer nach dem anderen heraus. Hat der denn keine Berater? Ja, genau. Das ist der Punkt. Merz ist ein Mann der Banken und des Fortschrittes! Da wird automatisiert und Personal gespart, was das Zeug hält.

Der arme Merz! Er hat in seinem Fortschritts- und Spareifer die Berater längst durch künstliche Intelligenz ersetzt. Beziehungsweise durch künstliche Dummheit, wie ich es nennen würde.

Denn die KI steckt noch in den Kinderschuhen. Und wir müssen es ausbaden. Uns stundenlang mit KI in Servicehotlines herumärgern, die längst keinen Service mehr bieten. Weil uns die KI nicht versteht. Und uns nur nervt, statt uns zu helfen.

Aber das Handy an die Wand zu schmeißen, hilft so wenig wie im Frust vermeintliche Alternativen zu wählen. Und wenn die KI mal tatsächlich intelligent sein sollte – das geben ihre Protagonisten ja längst zu -, wird sie uns Menschen einfach abschaffen. Wir stören doch nur.

Und jetzt kommt auch noch Merz und lässt kein Fettnäpfchen aus, das ihm die KI hinstellt. Tritt am Wahldesasterabend völlig überraschend vor die Kameras und droht, Kanzler und CDU-Chef zu bleiben.

Änderungen im Krankenkassensystem sollen das Ruder herumreißen. Selbst Parteifreunde schütteln mit dem Kopf.

Das kann nur auf dem Mist der KI gewachsen sein. Unser Kanzler ist ihr verfallen. Anders kann ich mir das nicht erklären.