Ist die Einreiseverweigerung ein Präzedenzfall?
Nein, die Regierung hatte bereits bei anderen Musikern ähnliche Maßnahmen ergriffen. Mit einem Einreiseverbot belegt wurde dem Sender Sky News zufolge unter anderem Lil Wayne (43) wegen dessen Gefängnisstrafe 2010 wegen Waffenbesitzes und Chris Brown (36) nach Angriffen auf seine Ex-Freundin Rihanna 2009. Brown ist in Großbritannien mittlerweile wegen anderer Vorwürfe angeklagt, er hatte im Vereinigten Königreich aber wieder Konzerte gegeben.
Wie steht es um Wests weitere Konzerte in Europa?
Geplant sind noch mehrere Auftritte in mehreren Ländern. Am 30. Mai tritt West in Istanbul auf, dann am 6 und 8. Juni in Arnheim an der niederländisch-deutschen Grenze. Nach der Entscheidung von Großbritannien spricht sich nun auch die christdemokratische Regierungspartei CDA für ein Einreiseverbot aus. "In den Niederlanden ist kein Platz für Antisemitismus, auf keiner Bühne", sagte der CDA-Abgeordnete Tijs van den Brink in Den Haag.
Der Arnheimer Bürgermeister Ahmed Marcouch sieht bisher keinen rechtlichen Grund, die Konzerte zu verbieten. "Als Bürgermeister habe ich die Aufgabe zu prüfen, ob eine Veranstaltung ein ernsthaftes Risiko für die Störung der öffentlichen Ordnung mit sich bringt. Nur dann kann ich eine Demonstration oder in diesem Fall einen Auftritt untersagen", sagte er. Sollte es zu antisemitischen Äußerungen beim ersten Konzert kommen, könnte der zweite Auftritt verboten werden.
Es folgen Konzerte in Marseille (11. Juni), Reggio Emilia (18. Juli), Madrid (30.) und in der Gemeinde Loulé im Süden Portugals (7. August). In Marseille opponierte der Bürgermeister, Benoît Payan, auf der Plattform X: "Ich weigere mich, dass Marseille eine Vitrine für diejenigen ist, die Hass und hemmungslosen Nazismus fördern." Konkrete Auswirkungen gab es aber bislang nicht. Auch in den anderen Städten war – wenn überhaupt – bislang nur vereinzelte Kritik zu hören.