Grippe in Corona-Zeiten Erkältungswelle ist ausgefallen

Die übliche Erkältung im Winter wird kaum jemand vermisst haben – es gab auf jeden Fall viel weniger, wohl dank der Corona-Maßnahmen... Foto: picture alliance / dpa/Axel Heimken

So sehr Corona-Maßnahmen wie Maske tragen, Abstand halten und Hand-Desinfektion auch nerven – als Nebeneffekt haben sie die übliche Grippewelle einer normalen Winter­saison verhindert.

Suhl - Im ersten Halbjahr 2021 waren trotz oder gerade wegen der Corona-Pandemie deutlich weniger Arbeitnehmer krankgeschrieben als üblicherweise in dieser Jahreszeit. Das geht aus aktuellen Daten der Krankenkasse DAK-Gesundheit hervor. Wie die Kasse am Donnerstag mitteilte, kamen im ersten Halbjahr im statistischen Durchschnitt auf 100 ihrer Versicherten nur 48 Fehltage wegen Atemwegserkrankungen. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres seien es rund 92 Tage mehr gewesen – also fast die dreifache Zahl.

„Die Erkältungssaison 2021 ist nahezu komplett ausgefallen“, sagte DAK-Vorstandschef Andreas Storm zu den Zahlen. Ursache seien ganz offensichtlich die wegen der Pandemie eingeführten Abstands- und Hygienemaßnahmen. „Sie haben sich als wirkungsvoller Infektionsschutz erwiesen“, so Storm. Nicht nur Corona-Viren, sondern auch andere Krankheitserreger wurden damit an ihrer Ausbreitung gehindert.

Aus diesem Grund plädierte der Krankenkassen-Chef dafür, solche Maßnahmen auch in „normalen“ Zeiten beizubehalten. „Wir haben in der Arbeitswelt, etwa mit Plexiglasscheiben vor den Supermarktkassen oder Belüftungskontrollen in Konferenzräumen, einen neuen Standard erreicht, den wir nicht mehr aufgeben sollten“, so Storm. „Viele Menschen werden sich zudem an Asien ein Beispiel nehmen und in Zukunft während der Erkältungszeit in der Öffentlichkeit konsequent eine medizinische Mund-Nasen-Bedeckung tragen.“ Die Maske sei im Kampf gegen Krankheitserreger so einfach wie wirkungsvoll.

In der Gesamt-Statistik der DAK-Gesundheit tritt der Effekt nicht ganz so deutlich zutage: So sank der Krankenstand bei den Versicherten im ersten Halbjahr auf 3,7 Prozent – im Vergleich dazu waren es im ersten Halbjahr 2020 und ebenso im ersten Halbjahr 2019 jeweils 4,2 Prozent. Das liegt auch daran, dass sich andere langwierige Krankheiten nicht mit den Hygienemaßnahmen verhindern lassen. Den Daten zufolge gab es die meisten Fehltage wegen Rückenleiden und anderer Muskel-Skelett-Probleme.

Einen deutlichen Anstieg verzeichnet die Statistik bei psychischen Erkrankungen. Sie nahmen gegenüber der Vor-Corona-Zeit um 11,5 Prozent zu und erreichten mit rund 133 Fehltagen je 100 Versicherte einen neuen Höchststand. „Die Pandemie mit allen ihren Begleiterscheinungen hat auf psychische Erkrankungen wie ein Verstärker gewirkt. Was uns als Folge aus den Lockdown-Zeiten noch bevorsteht, können wir heute nur schwer abschätzen.“

Für die Studie waren die Krankmeldungen von mehr als 2,3 Millionen Versicherten bei der Kasse ausgewertet worden. Die Daten sind noch nicht auf die Bundesländer aufgeschlüsselt. Dabei habe sich jedoch in den östlichen Bundesländern ein etwas höherer Krankenstand als im Westen ergeben, so die Kasse.

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