Heute kein Fußball, Nachbarn, heute wird’s tierisch. Kennt ihr eigentlich schon Augenthaler? Augenthaler ist meine Schildkröte. Sie heißt so, weil ihr Vorbesitzer ein glühender Bayern-München-Fan ist, was ihm ausnahmsweise verziehen sei. Der Mann musste umziehen, und dorthin durfte er Augenthaler nicht mitnehmen, weshalb das Tier jetzt eine umzäunte Fläche meines Gartens bewohnt, wo es ihm bislang offensichtlich gut gefiel. Gefiel, sage ich, denn seit ich meine Trainingseinheiten mit Augenthaler – Spitzname: Auge – betreibe, scheint er etwas zerknirscht. Aber man kann doch als Schildkröte oder Schildkröt (Auge ist ja ein Männchen) nicht nur Salat fressen und sich dann zum Schläfchen in seinen Panzer zurückziehen. Man muss doch auch ein bisschen Ehrgeiz entwickeln. In der Zeitung stand dieser Tage, dass die britische Schildkröte Berti im Jahr 2014 einen Weltrekord aufgestellt hat, indem sie eine Strecke von 5,48 Metern in sagenhaften 19,59 Sekunden zurücklegte. Das sind 0,28 Meter pro Sekunde, Nachbarn! Fabelhaft! Diesen Rekord wollen Augenthaler und ich nun überbieten. Das heißt: Ich will, indem ich dem Schildkröt immer ein Salatblatt vor die Nase halte, es wegziehe und ihn damit zum Rekordlauf bewegen will. Augenthaler will weniger. Seine derzeitige Bestmarke liegt bei 47,29 Sekunden über lächerliche viereinhalb Meter. Aber das wird schon noch, Nachbarn, der Sommer ist ja noch lang.
Glosse aus Rotterode Onkel Herbert und die Schildkröte
Christoph Witzel 15.07.2024 - 13:52 Uhr