Glasbläserstadt ist 425 Lauscha feiert Geburtstag

Doris Hein

Mit zahlreichen Gästen und Ehrengästen hat die Glasbläserstadt Lauscha das 425. Jahr ihres Bestehens gefeiert. Die kulturelle Ausgestaltung der Festveranstaltung übernahmen diverse Lauschaer Vereine, „die tagein tagaus unser Gemeinwesen bereichern und damit das Leben hier vor Ort lebenswert machen“, wie Moderator Stefan Böhm-Wirt betonte. Alle Mitwirkenden gibt es in unserer Bildergalerie.

„Schö, dess a do seid“, begrüßte Stefan Böhm-Wirt die Besucher, die sich im Lauschaer Kulturhaussaal eingefunden hatten, um gemeinsam den Geburtstag ihres Heimatortes zu feiern. Auch Altbürgermeister Fritz Köhler, Ortsteilbürgermeisterin Kerstin Müller-Litz aus Ernstthal, Marktgemeinderätin Ursula Eberle-Berlips aus der Partnerstadt Küps, Steinachs Bürgermeister Ulrich Kurtz, Sparkassenvorstand Mike Stieler, Pfarrer Jörg Zech und mehrere Stadträte waren der Einladung gefolgt.

Die kulturelle Ausgestaltung der Festveranstaltung übernahmen diverse Lauschaer Vereine, „die tagein tagaus unser Gemeinwesen bereichern und damit das Leben hier vor Ort lebenswert machen“, wie Moderator Böhm-Wirt betonte.

Der Vorstandsvorsitzende des Lauschaer Carnevalvereins führte mit Charme und zahlreichen Verweisen auf Lauschas Entwicklung durch den Abend. Dabei bediente er sich unter anderem interessanter Auszüge aus dem Baedeker Reiseführer von 1916, in dem man etwa nachlesen konnte: „…das gesellige Leben Lauschas bietet dem Fremden viel Anregung. Die Pflege der Volksmusik geht weit über das Maß hinaus, das sonst in solchem kleinen Orte möglich ist.“

Musikalisches Erbe wird gepflegt

Auch wenn es heute nicht mehr, wie zu jener Zeit, acht Gesang- und zwei Musikvereine im Ort gibt – Musik und Gesang werden hier noch in allen Altersstufen gepflegt. Das abendliche Programm legte hiervon beredtes Zeugnis ab. So brillierten die Mitglieder der Stadtkapelle mit zahlreichen neu einstudierten Weisen, darunter ein Heinz Rudolf Kunze-Medley oder „Highland Cathedral“, bei dem die Blechbläser die sonst üblichen Dudelsackspieler hervorragend ersetzten.

Dass die Musiker auch in kleinerer Besetzung für einen Ohrenschmaus gut sind, haben sie längst zu den unterschiedlichsten Anlässen bewiesen. Im Original rund 150 Jahre alt, vor etwa anderthalb Jahren aber von einem singenden Postboten wieder in die Charts geholt, ist der Walfängersong „Wellermann“, den am Sonntag ein Bläserquintett präsentierte.

Der Schlagerchor der Stadtkapelle erntete mit seinen Darbietungen – Lollipop, Lass die Sonne in dein Herz und Cordula Grün – ebenso verdienten Applaus, lies aber gleichzeitig verkünden, dass er sich über jede neue Stimme freuen würde, die sich den Sängerinnen und Sängern anschließen möchte. Besonders bei den Herren habe man noch Bedarf an Zuwachs, hieß es.

Ganz besonders gut kamen bei den Zuhörern die jüngsten Akteure des Abends an. So stellten sich die kleinen Hüttengeister aus der gleichnamigen Awo-Kindertagesstätte auf dem Köpplein gemeinsam mit ihren Erziehern zunächst mit dem Hüttengeistertanz vor. Da ihm auch die Bewahrung der heimischen Mundart am Herzen liegt, hatte das Kindergartenteam mit seinen Steppkes noch zwei Lauschner Lieder einstudiert. Und so schmetterten die Kleinen auf der Bühne im Brustton der Überzeugung: „Weil me Lauschner senn...“, bevor beim Rennsteiglied auch die Zuhörer zum Mitsingen und Mitklatschen aufgefordert wurden.

Ein wenig älter, aber genauso engagiert präsentierten sich die Mitglieder des Grundschulchores, die von Freundschaft und – ebenfalls im Mundart – vom Stichlitz sangen. Und weil ihre Chorleiterin Anke Hartung leider noch immer verhindert war, sprang Sebastian Siegel von der Stadtkapelle als Gitarrist ein.

Auch der Lauschaer Carnevalverein ließ sich – neben seinem ersten Vorstand als Moderator – von einem seiner jüngsten Mitglieder auf der Bühne vertreten. Tanzmariechen Nelly Triebel war anzusehen, wie sehr sie sich freute, endlich wieder einen richtigen Auftritt zu haben. Die Zuschauer im Saal freuten sich ebenso über die quirlige Tänzerin.

Jodler ohne Diplom, aber mit Können

Ein paar Tage reifer, aber mit ebenso viel Spaß an der Musik präsentierten sich die Lauschensteiner Jodler unter der bewährten Leitung von Fritz Gramß am Akkordeon. Als Meister ihres Fachs, wenn auch ohne das fernseherprobte Jodeldiplom von Loriot, wurden sie angekündigt. Und als solche bewiesen sie, obwohl aktuell nur zu fünft, was Männlein vom Gebirg im Lauschatal im Duft von Moos und Tannen alles können.

Als einer der ganz großen Lauschaer der Gegenwart reihte sich Jonas Greiner mit einem Beispiel seiner erfolgreichen Stand up Comedy ein in die Darbietungen des Abends. Er ist ja nicht nur zentimetermäßig kaum zu übersehen, sondern auch längst auf großen Bühnen zu Hause.

Mit Humor Änderungen angemahnt

In seinem Heimatlandkreis scheint er sich dennoch gut auszukennen. So erzählte er von der Vielfalt der Bratwürste, dem Vorteil von Südthüringenbahn- und Busverbindungen, wenn man nur Ziele ansteuert, die jene auch anfahren... Den wirtschaftlichen Fortschritt beschrieb Greiner am Beispiel der Fahrstrecke an der Göritz, die wohl als Stoßdämpfer-Teststrecke des ADAC in Betrieb gegangen sei. Dass es in und um Lauscha jetzt so viele ungewohnt gute Aussichten gäbe, daran sei ein Missverständnis schuld. Denn ursprünglich hätte man wohl nur gebeten, zwei bis drei Bäume zu fällen, von zwei bis drei oder noch mehr Hektar sei da nicht die Rede gewesen. Auch die Straßensperrung am Henriettenthal und zahlreiche andere Probleme, die seinen Mitbürgern das Leben schwer machen, nahm der wortgewandte Comedian in kurzen Statements, aber sehr treffsicher aufs Korn.

Last but not least lobte er die Pflege von Tradition und Brauchtum und die Tatsache, dass es die Lauschner verstünden, dass damit nicht die Bewahrung der Asche, sondern das Weitergeben des Feuers gemeint sei. So wie es Kindergarten, Grundschule und die zahlreichen Vereine im Ort praktizieren. „Lauscha lebt nur dank der Lauschaer“, fasste Greiner zusammen und fügte hinzu: „Hoffentlich auch noch die nächsten 425 Jahre!“

Eine Festrede der anderen Art

Natürlich gehört zu einer Festveranstaltung auch eine Festrede, die in diesem Fall verständlicherweise Aufgabe des Stadtoberhauptes war. Norbert Zitzmann hatte sich hierfür ein besonderes Thema ausgewählt.

Eine Chronik zum Geburtstag? Nein, die gab es schon zum 400. Jahrestag der Glasstadt. Bürgermeister Zitzmann widmete sich in seiner Festrede am Sonntagabend stattdessen der Festschrift „425 Jahre Lauscha“, die an diesem Tag erstmals einem breiten Publikum vorgestellt und anschließend an selbiges verkauft wurde.

Zu fortgeschrittener Stunde spielte schließlich die Band HoK – Hääß oda Koolt – zum Tanz auf, ganz nach der Tradition des Lauschner Baals, den viele Ortsansässige in den letzten Jahren schon vermisst hatten.

Zuvor allerdings sprach Böhm-Wirt allen Akteuren des Abends ein herzliches Dankeschön aus. Natürlich auch dem Gollo Musikverein, der die Versorgung der Gäste übernommen hatte. Es habe sich einmal mehr erwiesen, dass es vorrangig die Vereine sind, die das kulturelle Leben im Ort überhaupt erst ermöglichen. Dem Publikum hätten sie nun bewiesen, wie bunt und vielfältig das Miteinander in der Glasstadt auch im rüstigen Alte von 425 Jahren noch ist. Ein letztes Dankeschön galt den Gründervätern Müller und Greiner, „ohne die wir heute wohl nichts zu feiern gehabt hätten“.

 

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