Gewog Bad Salzungen „Wir sind für 2023 gewappnet“

Luca Schmidt
Viele Baumaßnahmen mussten aus verschiedenen Gründen – zu hohe Baukosten, Corona-Krise, Lieferprobleme – ausgesetzt werden. Foto: Heiko Matz

Baukosten explodieren, Betriebskosten steigen und die Rezession nimmt weiter ihren Lauf: Das sind alles Themen, welche die Gewog beschäftigt haben und auch im kommenden Jahr beschäftigen werden.

„Wir rechnen für das nächste Jahr mit Betriebskosten in Höhe von 5,8 Millionen Euro“, sagte der Geschäftsführer der Wohnungsgesellschaft Gewog, Uwe Arndt, im Bad Salzunger Stadtrat. In den Vorjahren hätten sich die Betriebskosten meist auf 3,6 Millionen Euro belaufen. Zudem habe eine Umfrage ergeben, dass ungefähr 30 Prozent der Mieter in Zukunft nicht im Stande sein werden, die Kosten wie Miete und Heizkosten zu bezahlen. „Möglicherweise sind das dann rund 1,7 Millionen Euro, die nicht gezahlt werden“, erklärt er. In den Jahren 2021 und auch 2022 hätte man jedoch finanzielle Rücklagen geschaffen, die das Ganze etwas abfedern könnten.

Erhöhung im nächsten Jahr

Zudem wurde die Gewog von der Bundesbank bewertet. „Eine sehr haarige Angelegenheit“, wie der Geschäftsführer berichtete. Dennoch habe man die Bundesbankfähigkeit erreicht. „Wir sind für 2023 gewappnet“, sagte er. Bis zum Ende des Jahres 2022 prognostizierte Uwe Arndt, dass ungefähr 1,1 Millionen Euro für Sondermaßnahmen bezahlt werden würden. Diese dienen beispielsweise der Instandhaltung von Klingelanlagen oder Parkplätzen. Nächstes Jahr werde sich dieser Betrag wohl erhöhen. Mit ungefähr 1,7 Millionen Euro rechnet die Gewog für das Jahr 2023. Grund dafür: Der Baupreisindex ist um 50 Prozent gestiegen. Häufiger müsse man sich bei Sanierungen nun die Frage stellen, ob das Ganze noch wirtschaftlich vertretbar sei, eben weil die Baukosten so explodiert seien. Somit habe man sich bei vielen anstehenden Baumaßnahmen dazu entschieden, sie noch nicht umzusetzen. Das lobte Anke Wirsing (Linke), Mitglied im Bad Salzunger Stadtrat. „Wir freuen uns, dass Sie bei Ihren Investitionen und Baumaßnahmen wohlüberlegt an die Sache rangehen und das ein oder andere nach hinten schieben und nicht jetzt bei diesen Baupreisen überhastet in die Tat umsetzen wollen “, sagte sie.

Kein Grund für Euphorie

„Wir haben ein wirklich gutes Jahr hinter uns“, sagte der Bad Salzunger Bürgermeister Klaus Bohl (Freie Wähler), der zugleich auch Aufsichtsratsvorsitzender der Gewog ist. Das sei jedoch „kein Grund für Euphorie“, merkte er an. 1,1 Millionen Euro hat die Gewog im Jahr 2021 an Überschuss erzielt. „Sonst waren es immer um die 400 000 Euro“, sagte der Bürgermeister.

Das hat einen einfachen Grund: „Ein erheblicher Teil der geplanten Sanierungsmaßnahmen wurde ausgesetzt, da Ausschreibungen und Angebotsabfragen zum Teil zu keinen Ergebnissen oder zu nicht akzeptablen Ergebnissen führten. Ursachen dafür sind: Die Auswirkungen der Corona-Krise, die internationale Störung der Lieferketten, die Auftragsannahme durch die Handwerker, die entweder gar nicht erfolgt oder aber mit langem Zeitverzug, der stetige Aufwärtstrend bei den Preisen und die Materialverfügbarkeit“, steht im Jahresbericht der Gewog. So seien zum Beispiel die Preise für den Dämmstoff Polystyrol letztes Jahr um 40 Prozent und zum 1. Juni dieses Jahres nochmal um 30 Prozent gestiegen. Die Preise für Farben und Putze stiegen fast monatlich um sechs bis zehn Prozent. „Das Geld konnte nicht ausgegeben werden“, sagte Klaus Bohl.

„Wir möchten guten Wohnraum zu moderaten Preisen anbieten“, erklärte er. Alles, was innerhalb der Gewog erwirtschaftet werde, bleibe auch in der Gewog, „um die Wohnungen instand zu halten“, so der Bürgermeister. Aktuell liege die Durchschnittsmiete nach Angaben von Klaus Bohl in Bad Salzungen bei 5,22 Euro pro Quadratmeter. „Davon können andere Städte nur träumen“, sagte er.

Hohe Verantwortung

In der Region sei man der mit Abstand größte Wohnungsanbieter. Die Gesellschaft bewirtschaftete zum 31. Dezember 2021 74 Gebäude mit 2255 Wohnungen, 57 sonstigen Einheiten und 669 Garagen und Stellplätzen mit einer Nutzfläche von 135 522,74 Quadratmetern. „Dadurch haben wir eine hohe Verantwortung für die Bürgerinnen und Bürger“, sagte der Bad Salzunger Bürgermeister. Klaus Bohl lobte die gute Zusammenarbeit mit dem Team der Gewog und dessen gute Leistung. Dem Lob für die geleistete Arbeit schlossen sich Hardy Herbert (CDU) und Erhard Büchner (Fraktionsvorsitzender Freie Wähler/SPD/Grüne/BI) an.

Die Mitglieder des Stadtrates beschlossen einstimmig, den Jahresabschluss der Gewog einschließlich Bilanz und Lagebericht für das Geschäftsjahr 2021 festzustellen und den erwirtschafteten Jahresüberschuss in andere Rücklagen einzustellen.

 

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