Gewichtheben „Ich wollte um die Medaille kämpfen“

Gian Luca Schmidt

Franziska Erbert überzeugte bei der EM mit neuer Bestleistung und viel Teamgeist. Im Interview berichtet sie, wie knapp es zur Medaille war – und was sie aus dem Wettkampf mitnimmt.

Volle Power in Madrid: Franziska Erbert kämpft um die Medaille. Foto: SV 90 Gräfenroda

Franziska Erbert vom SV 90 Gräfenroda hat bei der Jugend-Europameisterschaft im Gewichtheben in Madrid ihr internationales Debüt gefeiert – und das mit beeindruckender Leistung. Sie bestätigte im Wettkampf ihre Trainingswerte, kämpfte überraschend um eine Medaille und sammelte wertvolle Erfahrungen. Im Interview spricht sie über mentale Herausforderungen im Training, Teamzusammenhalt, verpasste Chancen – und ihre Ziele für die Zukunft.

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Franziska, du hast bei deinem ersten internationalen Wettkampf direkt überzeugt – wie hast du dich gefühlt, als du das erste Mal auf der großen EM-Bühne standest?

Ich habe mich sehr fokussiert gefühlt, die Erwärmung lief an dem Tag sehr gut, also bin ich mit einem sehr guten Gefühl schon eingestiegen.

Wie lief die Vorbereitung auf diesen Wettkampf ab, und was war für dich persönlich die größte Herausforderung im Training?

Meine größte Herausforderung war es im Training, dass wenn das Training mal nicht so gut lief, sich nicht selbst zu entmutigen und mit seinem Körper zusammen zu arbeiten und nicht dagegen.

Du hast in Madrid einen neuen persönlichen Rekord im Reißen aufgestellt – wie hast du dich in diesem Moment gefühlt?

Ich habe mich sehr gefreut das ich meine Trainingsleistung im Wettkampf bestätigt und offiziell gemacht habe.

Mit welchen Erwartungen bist du zur Jugend-EM gereist – und wie haben sich diese im Verlauf des Wettkampfs verändert?

Meine Erwartungen an mich selber waren, dass ich vor allem Erfahrungen sammle. Das ich dann im oberen Drittel mit Kämpfe, kam etwas überraschend, jedoch wollte ich dann um die Medaille kämpfen.

Nur wenige Kilo trennten dich von einer Medaille – ist das für dich eher Motivation oder Frust?

Am Anfang war ich etwas frustriert darüber, jetzt im Nachhinein habe ich aber durch diese Situation viel dazu gelernt und weiß nun, worauf ich den kommenden Jahren hinarbeiten möchte.

Welche Rolle haben dein Team, deine Trainerin und deine Mutter bei deinem Erfolg gespielt?

Mein Headcoach Oliver Nell hat mich von Anfang an unterstützt, ermutigt und intensiv betreut. Bei der Vorbereitung im Trainingslager haben mich die Trainer ebenfalls sehr gut aufgenommen, sowohl die Trainer, als auch die Athleten sind in den anderthalb Wochen sehr gut zusammengewachsen und haben eine tolle Bindung aufgebaut. Die für den Wettkampf essenziell war, um optimale Leistungen zu erzielen. Zudem hat mich nicht nur die Deutsche Nationalmannschaft unterstützt, sondern auch meine Familie, mein Verein SV 90 Gräfenroda und meine Freunde und Trainingspartner von Weightlifting Leipzig.

Du konntest dich auch im Stoßen gut behaupten – was lief hier aus deiner Sicht besonders gut, und woran möchtest du noch arbeiten?

Nachdem ich meinen ersten Versuch erfolgreich gemeistert hatte, erfuhr ich, dass wenn ich eine fünf Kilo Steigerung machen würde, ich mir die Bronzemedaille sichern könnte. Somit entschied ich mich an die 88 kg ranzugehen. Da diese zweimal nicht gelungen sind, möchte ich nun daran arbeiten noch stärker zu werden.

Was nimmst du aus diesem Wettkampf für deine sportliche Zukunft mit, und welche Ziele hast du dir als Nächstes gesteckt?

Ich habe vieles neues mitgenommen, wie zum Beispiel Ernährung und Training im Ausland aussieht. Für meine Zukunft habe ich mir das Ziel gesetzt, weiter hart zu trainieren um bei zukünftigen Wettkämpfen auf das Treppchen zu kommen.

Hattest du auch Freizeit in Madrid? Falls ja, wie hast du diese verbracht und was sind deine Eindrücke von der Stadt?

Ja ich hatte Freizeit in Madrid, dadurch, dass ich direkt dem Tag nach der Anreise Wettkampf hatte. Ich war größtenteils mit meiner Mutter unterwegs, wir hatten uns dazu entschieden, eher die grünen Seiten von Madrid uns anzusehen, zum Beispiel den Retiro-Park. Wir verbrachten auch mehr Zeit außerhalb von Madrid, um die Kultur besser kennenzulernen und um uns anzuschauen, wie die Menschen in Spanien so leben.