Gewerbegebiet 24 Millionen Fördermittel

Die Stadt Schmalkalden erschließt an der B 19 ein neues, rund 32 Hektar großes Gewerbegebiet. 27 Millionen Euro nimmt die Kommune dafür in der Hand. Der Freistaat Thüringen fördert die Investition. Mit rund 24 Millionen Euro.

Staatssekretär Carsten Feller (links) übergibt den Förderscheck an Bürgermeister Thomas Kaminski. Foto: michael bauroth/Michael Bauroth

Was für ein Auftakt zum 30. Schmalkalder Stadtfest mit Hirschessen: In der historischen Altstadt steppte der Bär. Im Stadtpark begeisterte das Nordholländische Jugendsinfonieorchester rund 400 Zuhörer (wir berichten auf Seite 18). Und in der Viba Nougatwelt zeichnete Bürgermeister Thomas Kaminski das Vital & Aktiv Hotel Thüringen, die Thüringer Waldquell und die Agrargenossenschaft Schmalkalden Schwallungen e. G. mit dem Unternehmenspreis der Stadt Schmalkalden 2022 aus.

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An diesem lauen Donnerstagabend mit rund 120 Gästen aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Bildung gab es einen weiteren einen Grund zum Feiern: Thüringens Staatssekretär Carsten Feller überreichte Bürgermeister Thomas Kaminski einen Scheck in Höhe von 23 925 914 Millionen Euro für die Erschließung des neuen Gewerbe- und Industriegebietes „An der B 19“. Hier, zwischen den Ortschaften Niederschmalkalden und Schwallungen, sollen sich künftig auf einer Fläche von 35 Hektar Gewerbebetriebe ansiedeln, die Arbeitsplätze in und für die Region schaffen, Steuern in die Stadtkasse spülen. Und damit den Wirtschaftsstandort Schmalkalden stärken.

Stadtchef Kaminski strahlte, gelinde gesagt, wie ein Honigkuchenpferdchen, als er den symbolischen Scheck entgegennahm. Nicht nur ihm fiel ein riesiger Stein vom Herzen. Denn das der Freistaat Thüringen die rund 27 Millionen Euro teure Investition zu 90 Prozent fördert, war angesichts der großen Unwägbarkeiten kein Selbstläufer, ließ Feller bei der Übergabe anklingen. Wenn Kaminski in den letzten 16 Jahren keine grauen Haare bekommen hat, dann zweifelsohne jetzt, scherzte der Staatssekretär für Wirtschaft, Hochschulen und Digitales. Feller sprach von einem großartigen Tag für Schmalkalden. Er lobte die erfolgreiche wirtschaftliche Entwicklung der Stadt, das Engagement der Unternehmen und die Weitsicht der Kommune, ein neues Gewerbe- und Industriegebiet zu konzipieren. Das sei eine richtige Entscheidung gewesen, betonte Feller angesichts der 95-prozentigen Auslastung aller vorhandenen Gewerbeflächen im Umkreis von 15 Kilometern. „Ein grandioser Wert.“ Rund um die Stadt seien praktisch keine freien Flächen mehr für Industrieansiedlungen vorhanden. Der neue Standort biete genügend Fläche für mindestens zehn bis zwölf größere Firmenansiedlungen beziehungsweise Erweiterungen bestehender Betriebe aus der Region. „Von der Stadt wissen wir, dass mehrere Unternehmen schon vor längerem Interesse an neuen Flächen bekundet haben“, sagte Feller weiter. Die Gespräche dazu liefen. Der bisherige Prozess, erklärte der SPD-Mann, habe viel Kraft gekostet – und es mussten Widerstände überwunden werden, auch im Stadtrat, auch von einer Partei, die sich ob ihrer Wirtschaftskompetenz rühmt.

Bürgermeister Kaminski nahm den langersehnten Scheck als „verdienten Lohn“ für die harte Arbeit entgegen. Wie hart, könne sich keiner vorstellen, sagte er sichtlich erleichtert und blickte dabei in Richtung anwesender Stadträte wie Stefan Danz (SPD) oder Ralf Liebaug (CDU) . Sieben bis acht Aktenordner seien gefüllt mit Unterlagen, Dokumenten, Stellungnahmen. Der Stadtchef bedankte sich beim Freistaat für das Vertrauen und bei Landkreis für die Unterstützung.

Vor der Erschließung des neuen Areals ist eine Geländeregulierung notwendig, bei der mehr als 350 000 Kubikmeter Erde umgesetzt werden. Zudem muss eine 100-kV-Freileitung, die das Gebiet überquert, höhergelegt werden. Die Erschließung selbst umfasst insbesondere den Bau von Zufahrtsstraßen mit Rad- und Gehwegen, die Umverlegung einer Fernwasserleitung und die Verlegung weiterer Anschlussleitungen und Entwässerungskanäle sowie die Errichtung von Löschwasserbehältern. Als Ausgleichsmaßnahmen sind verschiedene Begrünungsmaßnahmen sowie die Rekultivierung des Industriealtstandorts „Jenpräzision“ in Hohleborn geplant.

2015 hat die Stadt Schmalkalden mit den Planungen für ein neues Gewerbe- und Industriegebiet „An der B 19“ begonnen. Zu diesem Zeitpunkt war eine Fläche von 38 Hektar im Gespräch und eine Investitionssumme von etwa zwölf Millionen Euro. Jetzt werden rund 32 Hektar geplant, 23 Hektar sollen im Gewerbe- und Industriegebiet bebaut werden. Bis Ende 2023 sollen die wesentlichen Erschließungsarbeiten geschafft sein. Neben Befürworten gibt es auch kritische Stimmen, insbesondere aus dem Ortsteil Wernshausen. Sie sehen ein Stück Heimat verloren. Auch im Stadtrat stießen die Pläne nicht auf ungeteilte Zustimmung. So plädierte die CDU vor dem Hintergrund der finanziellen Lage der Stadt, der ihrer Meinung nach unsicheren Förderung und anderer wichtiger Vorhaben immer wieder auf eine Verschiebung des Projekts in die nächsten Jahre.