Gethles Schlagkräftiges Spektakel: Herrschekloese treiben ihr Unwesen

Jessica Helbig

Jedes Jahr am 23. Dezember treiben die Herrschekloese in Gethles ihr Unwesen. Ein Verein hält den Brauch mit viel Engagement am Leben.

Vermummte Unruhestifter: Einmal im Jahr ziehen die Herrschekloese durch Gethles. Foto: frankphoto.de Quelle: Unbekannt

Gethles - Am kommenden Montag um Punkt 18 Uhr ist es wieder so weit. Dann bricht im kleinen Gethles wortwörtlich die Hölle los: Aus der "Höll", einem vom Berg herabführenden Hohlweg, stürmen dann wie jedes Jahr die Herrschekloese mit schaurigen Lauten und unter Glockenschellen hinab auf den Dorfplatz, um Hiebe an alle auszuteilen, die nicht in ihren Häusern sind.

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Die Herrschekloese von Gethles

Früher : Die Tradition der Herrschekloese lässt sich bis ins 13. Jahrhundert zurückverfolgen. Es handelt sich dabei vermutlich um eine Form der Nikolausverehrung. So könnte es sich bei dem Begriff "Herrschekloes" um eine mundartliche Verschleifung von "Herrn Sente Klaus" handeln. In Südthüringen war es früher in mehreren Orten üblich, dass in der Adventszeit verkleidete wilde Männer mit Peitschen und Schellen umherzogen.

Heute : In Gethles kommen die Herrschekloese immer am 23. Dezember. Mit dem Glockenschlag um 18 Uhr rennen maskierte, mit Stroh verkleidete junge Männer vom Berg hinab in die Dorfmitte gerannt. Sie geben unheimliche Laute von sich und tragen schellende Glocken. Nachdem sie drei Runden auf dem Dorfplatz gelaufen sind, verteilen sie Rutenhiebe an alle Menschen, die nicht in ihren Häusern sind. Sie werden begleitet von den "Batschern", die mit ihren Peitschen knallen und so zusätzlichen Lärm verursachen, und von den Hollen. Diese Hexengestalten tragen einen Korb mit Süßigkeiten bei sich und belohnen die Kinder, wenn sie ein Gedicht aufgesagt oder ein Lied gesungen haben. Die Holl sammelt außerdem von den Erwachsenen kleine Gaben ein. Einige Herrschekloese tragen keine Glocken. Diese Schleicher sind darauf spezialisiert, sich versteckende Kinder und Erwachsene in den Straßen und Häusern aufzustöbern. Im Anschluss an das Spektakel gibt es ein Fest, dem auch die zurückverwandelten Herrschekloese und Hollen beiwohnen.. Quelle: Andrea Jakob/Meininger Museen

Für die Pflege dieser alten Tradition hat sich eigens ein Verein gegründet. Der Herrschekloeseverein Gethles besteht offiziell seit 2005. Von den Verkleidungen für die Herrschekloese und die Hollen bis zum Festzelt für die anschließende Party übernimmt er die gesamte Organisation. Aktuell sind in ihm 22 junge Menschen aktiv, die alle auch der Kirmesgesellschaft Gethles angehören. Auch viele Menschen aus dem Dorf würden mit anpacken. "Wir wollten nicht, dass die Tradition wegbricht", sagt Julian Bischoff, Vorsitzender des Herrschekloesevereins. Ihm selbst ist es sehr wichtig, dass die alten Bräuche weitergetragen werden. "Es ist eine schöne Sache, wenn man etwas fürs Dorf machen kann und dafür auch Anerkennung bekommt."

Zu den Vorbereitungen, die der Verein trifft, gehört das Basteln der Masken und der großen Hüte, die die Herrschekloese tragen. Dazu werden Zuckertüten umgedreht und mit mehreren Lagen Pappmaché und vielen Papierschnipseln versehen. Das sei ziemlich aufwendig, sagt Julian Bischoff. Auch müsse Stroh für die Verkleidungen der Herrschekloese gesammelt werden. Dabei sei wichtig, dass das Stroh lang ist, sonst halte die Verkleidung nicht. In den letzten Jahren sei es aber sehr schwer gewesen, geeignetes Material zum Einbinden zu finden. "Wir mussten uns in den Sumpf begeben, um Schilf zu kriegen", erzählt Bischoff. Im nächsten Jahr habe der Verein aber Glück: Da wird ein Bauer langes Stroh anbauen.

Der Herrschekloeseverein bewahrt die Tradition, doch hat sich im Laufe der Jahre auch einiges verändert. Der Brauch würde heute nur noch in abgeschwächter Form weitergetragen, sagt Julian Bischoff. "Früher hat es fünfzehn Herrschekloese gegeben." Inzwischen seien es nur noch sieben. "Und auch die Regeln sind nicht mehr ganz so streng", berichtet er. Zum Beispiel sei es kein Ausschlussgrund mehr, wenn eine Person hinter ihrer Herrschekloese-Maske erkannt würde. Und schließlich würden auch nicht mehr so derbe Schläge ausgeteilt. "Ich halte die Jungs immer an, ruhig zu machen", so der Vereinsvorsitzende. Aber ohne Hiebe geht’s natürlich nicht: "Wenn man herkommt, muss man damit schon rechnen".

Noch immer zur Tradition gehört auch, dass unter Stroh, Maske und Hut ein junger Mann steckt, der unverheiratet ist und noch keine Kinder hat. Frauen gäbe es keine unter den Herrschekloesen in Gethles. "Ich glaube auch nicht, dass die Mädels das machen sollen", sagt Julian Bischoff. "Es ist kräfteraubend, man schwitzt und kann nicht auf Toilette gehen".

Engagement und Wirken des Herrschekloesevereins haben den alten Brauch und das Dorf Gethles thüringenweit bekannt gemacht. Heute gibt es eine Internetseite und auch ein breites mediales Interesse. "Wir haben jemanden im Dorf, der filmt. Letztes Jahr war außerdem der MDR da", so Julian Bischoff. Auch bei den Menschen in der Region sei das Spektakel beliebt. Dieses Jahr, so schätzt er, werden wieder 600 bis 700 Menschen in Gethles zusammenkommen, um das besondere Heischeritual und die Party mitzuerleben.