„Gesundheitsamt im Blindflug“ Kritik an Regelung für PCR-Tests

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Der Beigeordnete des Ilm-Kreises, Kay Tischer, lässt kein gutes Haar an den neuen Regeln für PCR-Tests. Das Gesundheitsamt sei dadurch „im Blindflug“ und in der Bevölkerung seien „die Fragezeichen groß“.

Der Beigeordnete des Ilm-Kreises, Kay Tischer (SPD), hat die neuen rechtlichen Rahmenbedingung im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie kritisiert. Durch sie würde das Gesundheitsamt künftig „im Blindflug“ unterwegs sein. Außerdem seien „die Fragezeichen in der Bevölkerung groß“, so Tischer.

Insbesondere zu der Verfahrensweise mit PCR-Tests würde das Gesundheitsamt vermehrt Anfragen erreichen. „Das Gesamtbild, das aufgrund unterschiedlichster Äußerungen des Bundesgesundheitsministeriums, des Thüringer Ministeriums für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie sowie der Kassenärztlichen Vereinigung Thüringen vermittelt wird, ist mehr als verwirrend und für die Arbeit an der Basis eher hinderlich“, kritisiert Tischer und betont: „Die von den verschiedensten Stellen zum Thema PCR-Testungen verbreiteten Verlautbarungen sind teilweise widersprüchlich und tragen in erheblichem Maße zur Verunsicherung der Bevölkerung, der Ärzteschaft, des öffentlichen Gesundheitsdienstes und nicht zuletzt auch der Testzentren bei.“

Wie Tischer erklärt, ist laut Thüringer Gesundheitsministerium seit Anfang April für die Absonderungspflicht, umgangssprachlich auch Corona-Isolation, keine PCR-Bestätigung mehr nötig. Die Infektionsbestätigung per Antigen-Schnelltest eines Testzentrums ist jetzt dafür ausreichend. Dabei, so Tischer, sei jedoch nicht bedacht worden, dass die betroffenen Personen dadurch nun keinen Genesenennachweis mehr erhalten können, da dieser nach aktuellem Stand nur nach PCR-Bestätigung erstellt werden darf. Außerdem hat diese Verfahrensweise auch Auswirkungen auf die Statistik des Gesundheitsamtes und damit auch auf die Zahlen des Robert-Koch-Institutes. Hierfür wäre jeweils nach wie vor eine PCR-Bestätigung zwingende Voraussetzung.

Diese PCR-Tests sollen mittlerweile aber verstärkt in Arztpraxen gemacht werden. Die Kassenärztliche Vereinigung Thüringen (KVT) hatte zum 31. März sämtliche von ihr betriebenen Teststellen ersatzlos geschlossen. Zur Begründung dieses Schrittes wurde laut Tischer im Vorfeld darauf verwiesen, dass die Arztpraxen die dadurch entstehende Testlücke schließen werden.

Allerdings habe die KVT ebenso mitgeteilt, dass Arztpraxen eine PCR-Testung nicht mehr wie bisher vergütet bekommen. Vielmehr werden die Arztpraxen jetzt ganz klassisch bei Verdacht auf eine Corona-Infektion auf die Differenzialdiagnostik verwiesen. Das heißt, dass bei Vorliegen spezifischer Symptome und eines positiven Schnelltests Covid-19 als diagnostiziert betrachtet wird und eine PCR-Bestätigung als nicht notwendig erachtet würde.

Arztpraxen wären damit nur noch in Ausnahmefällen befugt, eine PCR-Testung abzurechnen – allerdings nur noch im Rahmen des kassenärztlichen Budgets mit dem Risiko, dass eventuell übersteigende Testkosten nicht erstattet werden.

Neben den Arztpraxen gibt es PCR-Tests auch weiterhin durch das Gesundheitsamt und die Testzentren. Diese, so Tischer, würden aber bei weitem nicht ausreichen. „Denn Arztpraxen und Abstrichstellen der KVT haben bisher circa 60 bis 80 Prozent aller bestätigten Positivbefunde im Ilm-Kreis generiert“, so der Beigeordnete.

Weil nun diese beiden Testangebote nahezu vollständig abgeschafft worden sind, sei davon auszugehen, dass die Sieben-Tage-Inzidenz des Ilm-Kreises aufgrund von fehlenden PCR-bestätigten Meldungen an das RKI innerhalb kürzester Zeit massiv absinken wird. „Die dann offiziellen niedrigen Zahlen werden das tatsächliche Pandemiegeschehen jedoch nicht ansatzweise abbilden können“, so Tischer.

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