Wer sich auf das Fermentieren einlässt, verändert oft mehr als nur seine Ernährung, ist sie überzeugt. Es geht um Zeit. Um Bewusstsein und Geduld. Um einen anderen Umgang mit Lebensmitteln. Schon allein das Krachen und Knacken des Weißkrauts, wenn es kräftig geknetet wird, hat etwas Entspannendes.
Und vielleicht kommt dann auch die Erkenntnis, dass Veränderung möglich ist. Silke Grieger hat diesen Schritt selbst erlebt.
In der Küche der ausgebildeten Heilpraktikerin und Phytotherapeutin stehen zur Ansicht fertig fermentiertes Kraut mit Karotten, Süßkartoffeln, die Blüten und Stengel von Bärlauch, rote Bete mit Zwiebeln und fermentiertes Wasser. Gerade im Sommer ein Genuss, auch Grundlage für leckere und erfrischende Coktails, schwärmt Grieger.
Das Gemüse in den luftdicht verschlossenen Gläsern haben bereits den ersten Gärprozess durchlaufen. Danach sollten sie weitere zwei bis sechs Wochen kühl gelagert werden. Rote Bete oder Kimchi passen perfekt als Ergänzung in Salaten, aufs Brot oder einfach pur. Die Lake kann als Dressing verwendet werden. Fermentiertes Gemüse hat einen großen Vorteil: Es macht satt, sagt die Schmalkalderin, die auch systemischer Gesundheitscoach und Achtsamkeitstrainerin ist.
Der Wendepunkt
Dass Silke Grieger heute andere Menschen auf dem Weg zu einem gesünderen Leben begleitet, ist kein Zufall. Fast drei Jahrzehnte arbeitete sie in leitenden Funktionen bei einer Sparkasse. Als ihr Sohn gesundheitliche Beschwerden hatte, begann sie noch intensiver zu recherchieren, auszuprobieren und Zusammenhänge zu verstehen. 2014 erlitt sie selbst einen Burnout. Diese Erfahrungen prägen bis heute ihre Arbeit.
Was folgte, war ein intensiver persönlicher Prozess. Sie begann, sich neu zu orientieren, ging zurück zu dem, was sie schon lange begleitet hatte: Natur, Ernährung, ursprüngliche Lebensmittel. Der Wald wurde für sie zum Rückzugsort, zur Kraftquelle. Parallel vertiefte sie ihr Wissen – unter anderem durch Ausbildungen im Gesundheitsbereich und zur Heilpflanzenkunde.
Von der Suche zur Berufung
Auch ihre Leidenschaft fürs Brot spielte dabei eine zentrale Rolle. Schon früh geprägt durch ihre Kindheit und das Umfeld einer Backstube in Näherstille, begann sie intensiver zu backen, sich weiterzubilden und schließlich ihr Wissen weiterzugeben. In Schmalkalden entstand daraus Schritt für Schritt ihre eigene „Brotmeierei“. Was zunächst als persönlicher Weg begann, wurde zur Selbstständigkeit – und schließlich zu einem Konzept, das heute mehrere Bereiche verbindet: Brotbacken, Fermentation, Waldbaden und Gesundheitscoaching. „Seit 2019 habe ich meine Berufung gefunden“, beschreibt sie diesen Wandel.
Besonders die Arbeit mit Kindern ist Silke Grieger sehr wichtig. Wenn sich die Jungen und Mädchen nach einem Backkurs bei ihr bedanken und von dem leckeren Brot schwärmen, dass sie selbst hergestellt haben, geht ihr das Herz auf.
Fermentieren - Wie funktioniert das?
Methode
Die Fermentation ist ein natürlicher Vorgang, bei dem Milchsäure gärt. Wichtig ist dabei, dass nach dem Beginn des Prozesses kein Sauerstoff mehr an das Ferment gelangt. Denn dadurch würde weitere Milchsäure produziert werden, die dann den pH-Wert senkt.