An heißen Tagen werden sie deshalb kreativ. "Wenn ich nur Wasser anbiete, das trinken die Bewohner nicht mehr", sagt die Leiterin. "Dann haben wir alkoholfreie Cocktails angeboten, Wassermelone, Milchshake, Wassereis, kalte Suppen, kalter Tee." Auch die Speisepläne werden angepasst - das geht in Oberursel vergleichsweise einfach, da in der Einrichtung selbst gekocht wird. Überall im Haus sind Getränkestände verteilt, Salzbrezeln und Obst liegen stets griffbereit.
Manche Räume seien schon mit Klimageräten ausgestattet, bei anderen fange man jetzt damit an. "Von heute auf morgen schaffen wir das leider nicht", sagt Saglam. Es gebe aber auch mobile Klimageräte, die dann in die heißesten Räume kommen.
"Jeder Schluck zählt"
Die Hitze sei für den ambulanten Pflegedienst im Frankfurter Gutleutsviertel momentan die zentrale Aufgabe, sagt Pflegedienstleiterin Svjetlana Nikic. "Wir reagieren nicht erst, wenn die Menschen Schwindel, Exsikkose oder Kopfschmerzen haben, sondern wir wollen vorbeugen", sagt Nikic.
Mit Erfolg: Keine hitzebedingte Krankenhauseinweisung sei bislang in den von ihnen besuchten Seniorenwohnheimen der Awo zu verzeichnen. Ob dreimal pro Woche oder bis zu fünfmal täglich – der ambulante Pflegedienst besuche die Anwohner je nach Bedarf unterschiedlich häufig und erinnere stetig: Leichte Kleidung, morgens lüften und natürlich viel trinken. "Jeder Schluck zählt", erklärt Nikic.
Die aufgehängten Erinnerungsflyer in den Wohneinrichtungen findet die Anwohnerin Lydia Hergenhahn-El Mourabit gut. Viermal am Tag komme der Dienst bei ihr vorbei. Sie trinke und schlafe viel, ziehe sich locker an. "Ich sehe es positiv", sagt Hergenhahn-El Mourabit, die auf einen Rollstuhl angewiesen ist. Bei der Hitze störten sie nur die engen Kompressionsstrümpfe, aber auf die wolle sie lieber nicht verzichten.
"Dann habe ich den Spieß umgedreht"
Auch beim Ambulanten Dienst setzen sie auf kreative Lösungen. Dabei hilft Jocelyn Flores da Silva, die Teamleiterin vor Ort. Bei Dorothea Jungheimer habe Flores da Silva etwa einen Arzttermin vorverlegt, damit die Anwohnerin nicht in der Mittagshitze rausmüsse. Jungheimer sagt, sie komme in ihrer Wohnung gut zurecht. "Also wenn ich längere Zeit draußen bin, dann macht mir die Hitze zu schaffen."
Teilweise werde sie daran erinnert, zu trinken, aber der Pflegedienst "sieht ja schon, dass mein Glas auf dem Tisch steht", sagt Jungheimer. Dann biete die Anwohnerin den Pflegekräften ein Getränk an, scherzt Jocelyn Flores da Silva. "Dann habe ich den Spieß umgedreht", sagt Jungheimer. Sie freue sich über den Kontakt mit den Pflegekräften: "Das lenkt uns ab."