Wen interessiert der Muttertag heute?
Nach einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov unter 2.122 Männern und Frauen über 18 Jahren im April 2024 knüpfen Mütter an "ihren" Tag höhere Erwartungen als Väter an den Vatertag. 62 Prozent der interviewten Mütter wünschten sich Geschenke von ihren Kindern, sei es gemeinsam verbrachte Zeit (36 Prozent), Blumen (22 Prozent), Schokolade oder Pralinen (9 Prozent) oder etwas anderes. Bei den Vätern lege nur jeder zweite Wert auf den Vatertag.
Nach Einschätzung des Handelsverbands Deutschland kauft in diesem Jahr rund ein Drittel der Bundesbürger (30 Prozent) Muttertagsgeschenke, im Schnitt für 18,72 Euro pro Person. Der Verband rechnet mit einem Umsatz von mehr als einer Milliarde Euro.
Wo kommt die Idee Muttertag her?
Ursprünglich aus den USA. 1914 wurde der zweite Sonntag im Mai dort zum nationalen Feiertag. In Deutschland ging die Initiative Anfang der 1920er Jahre vom Verband Deutscher Blumengeschäftsinhaber aus. Kulturwissenschaftler Hirschfelder sieht den Tag in jenen Jahren auch als "Trostpflaster" für trauernde Mütter, die ihre Söhne im Ersten Weltkrieg verloren hatten.
Für Erziehungswissenschaftlerin Astrid Messerschmidt von der Uni Wuppertal fiel die Initiative in eine Zeit der Vorboten des NS-Gedankenguts, das mit der "Soldatenmutter" einen Gegenentwurf zur emanzipierten Frau der Weimarer Republik schuf. Die Nationalsozialisten vereinnahmten den Tag schließlich politisch-ideologisch mit einem staatlich aufgeladenen Propaganda- und Ehrungsritual für Mutterschaft als Dienst am Volk.