Biermann in Prenzlau
"Zahlreiche Menschen protestierten daraufhin in Leserbriefen, Eingaben und im Einzelfall mit einer Strafanzeige gegen die Verleumdung des in den Freitod gegangenen Pfarrers", schreibt das Bundesarchiv zu den Stasi-Akten. Auch Kirchenleute protestierten und griffen Brüsewitz' Anliegen in einem "Brief an die Gemeinden" auf.
Wenige Tage später trat der mit einem Berufsverbot belegte Liedermacher Wolf Biermann in einer Kirche in Prenzlau auf. "Nach elf Jahren der erste Auftritt", schrieb Biermann in einem Brief, den der "Spiegel" damals veröffentlichte. Biermann sprach in Prenzlau über das Abhauen. Bei Brüsewitz sah er eine "Republikflucht in den Tod". Wenige Wochen später, im November 1976, zog Biermanns eigene Ausbürgerung aus der DDR noch viel weitere Kreise.
Der Zeitzeuge Matthias Storck, damals Theologiestudent, erinnert sich an beides im Zusammenhang, Brüsewitz und Biermann. "Da war es dann soweit, dass ich sagte, ist dieser Sozialismus wirklich noch möglich, ist er noch veränderbar?", erzählt Storck auf dem Zeitzeugenportal. "Und ich wurde durch diese beiden Umstände natürlich elektrisiert und ganz, ganz wach."