Genossenschafts-Projekt für den Moorgrund Nun vier Wochen Zeit für 300 Unterstützer

Das Interesse am Tante-Enso-Markt in Gumpelstadt ist riesig. Kein Platz blieb am Mittwochabend in der Kulturscheune unbesetzt. Aber: Werden nicht ausreichend Teilhaber gefunden, ist das Projekt vom Tisch.

„Ich bin wirklich begeistert und stolz auf euch“, sagte Hannes Knott (CDU), hauptamtlicher Beigeordneter der Stadt Bad Salzungen und Moorgrund-Ortsteilbürgermeister, zu den mehr als 200 Einwohnern, die in die Kulturscheune nach Gumpelstadt gekommen waren. Er habe eigentlich betonen wollen, „dass es um etwas Wirkliches geht“. Aber: „Das habt ihr ja schon selbst erkannt.“

Auftakt der Kampagne

Die Infoveranstaltung war Auftakt für die Kampagne zum Bau des Mini-Supermarktes „Tante Enso“ in Gumpelstadt. Lange habe sich der Gemeinderat und inzwischen der Ortsteilrat darum bemüht, die Nahversorgung im Moorgrund zu verbessern. Doch erst mit dem Unternehmen „Myenso“ gebe es nun die berechtigte Hoffnung, einen Einkaufsladen anzusiedeln, sagte Knott. „Das ist ein Angebot, das einfach klasse ist.“

Als „beeindruckende Kulisse“ bezeichnete Thorsten Bausch, einer der beiden Gründer von „Myenso“, den voll besetzten Saal. Sein Unternehmen, das in Bremen seinen Sitz hat, habe sich nach eingehender Prüfung dafür entschieden, in Gumpelstadt einen Einkaufsladen, der zu bestimmten Zeiten mit Personal und mittels eines Kartenzugangs zudem rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr geöffnet hat, zu bauen.

Da „Tante Enso“, dessen Name nicht ohne Grund an den Tante-Emma-Laden erinnert, jedoch auf einem Genossenschaftsmodell basiere, sei die Unterstützung der Einwohner gefragt. Mindestens 300 Leute müssen in den nächsten vier Wochen – so lange dauert die Kampagne – einen Anteil im Wert von 100 Euro erwerben und per Überweisung bezahlt haben. Werde das Ziel nicht erreicht, sei das Projekt vom Tisch. „Wir haben uns entschieden, wir finden den Standort super – jetzt liegt es an Ihnen“, sagte Thorsten Bausch.

Aktuell hätten sich 900 Orte aus ganz Deutschland um einen solchen Markt beworben. Bislang seien zwölf Läden in Betrieb, 24 würden demnächst eröffnet. Darunter im Oktober ein Laden in Zella in der Rhön. Bis 2032 wolle man 800 bis 1000 Tante-Enso-Läden in ganz Deutschland betreiben „und damit der ländliche Haushaltsversorger Nummer 1 werden“, sagte der Geschäftsführer.

Regionale Erzeuger

Auf einer Fläche von rund 200 Quadratmetern würden circa 3000 Produkte angeboten – „alle relevanten Haushaltsbedarfe“. Und die Kunden hätten bei der Auswahl des Sortiments Mitspracherecht. „Zu normalen Preisen – vergleichbar mit Rewe oder Edeka“, erklärte Thorsten Bausch. Sein Unternehmen lege zudem Wert darauf, mit regionalen Erzeugern zusammenzuarbeiten und jungen Firmen eine Chance zu geben. Und: „Wir gründen hier vor Ort eine Firma – das heißt, wir zahlen auch unsere Steuern hier.“

In Gumpelstadt wolle man auf dem Areal des ehemaligen Jugendclubs an der Moorgrundstraße neu bauen. In das Gebäude eventuell auch noch Wohnungen bauen – „wenn der Bedarf besteht“. Zudem könne er sich eine Bäckerei- beziehungsweise Fleischereifiliale oder ein Café vorstellen.

Mit einem Jahresumsatz von 300 000 Euro könne ein Tante-Enso-Markt kostendeckend betrieben werden, erklärte Thorsten Bausch. Ziel seien jedoch 350   000 Euro. „Aktuell liegen wir bei unseren Märkten bei circa 500 000 Euro.“ Finde man 300 Unterstützer, könne man davon ausgehen, dass der Laden laufe. Die Erfahrung zeige: „Alle Teilhaber werden zu 100 Prozent auch Kunden.“

Bislang gebe es für den Moorgrund bereits 25 gültige Teilhaberanträge. „Es fehlen also noch 275 in den nächsten vier Wochen.“

„Es ist ein Projekt, bei dem wir alle im Moorgrund zusammenstehen können“, betonte Hannes Knott. Und es sei ein Kontrapunkt zu den Verlusten, die der ländliche Raum in den vergangenen Jahrzehnten erfahren habe.

Wer Fragen zum Projekt hat oder Hilfe beim Ausfüllen der Teilhaberanträge braucht, kann sich an die Moorgrund-Ortsteilräte wenden, informierte Hannes Knott. Zudem könne auch Heike Edel, Mitarbeiterin der Bad Salzunger Stadtverwaltung, behilflich sein. Sie ist ab dem 26. September erreichbar unter der Telefonnummer 03695/671201.

www.myenso.de

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