Fünf Prozent Inflation, unsichere Finanzmärkte, und kein Ende der Nullzinspolitik in Sicht. Was tun mit den Ersparnissen in turbulenten Zeiten? Welche Geldanlage lohnt sich noch? Sind Fonds eine Alternative zum Sparkonto? Fragen unserer Leserinnen und Leser zum Thema Fonds und Geldanlage beantworteten Tilo Facius und Frank Schöndorf vom deutschen Fondsverband BVI. Eine Zusammenfassung unseres Telefonforums.
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Fünf Prozent Inflation, unsichere Finanzmärkte, und kein Ende der Nullzinspolitik in Sicht. Was tun mit den Ersparnissen in turbulenten Zeiten? Welche Geldanlage lohnt sich noch? Sind Fonds eine Alternative zum Sparkonto? Fragen unserer Leserinnen und Leser zum Thema Fonds und Geldanlage beantworteten Tilo Facius und Frank Schöndorf vom deutschen Fondsverband BVI. Eine Zusammenfassung unseres Telefonforums:
Ich möchte 20 000 Euro für 20 bis 25 Jahre anlegen, bis ich in Rente gehen kann. Lohnt es sich bei den hohen Kursen an den Börsen noch Aktienfonds zu kaufen?
Auch wenn die Aktienkurse momentan hoch erscheinen, so hat doch auch die Wirtschaft, trotz der Pandemie, wieder Fahrt aufgenommen. Sie müssen den Betrag jedoch nicht auf einmal investieren. Es kann vorteilhaft sein, die Anlage über einen Zeitraum von ein oder zwei Jahren zu verteilen, also alle paar Monate Teilbeträge zu investieren. So vermeiden Sie es, das Geld möglicherweise zu Höchstkursen anzulegen. Auf lange Sicht bleiben Aktien attraktiv.
Welche Rendite lässt sich mit Aktienfonds über einen Anlagezeitraum von 20 bis 25 Jahre erzielen?
Wir können die Entwicklung leider nicht vorhersehen. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt wohl, dass mit Aktienfonds auf Sicht von 20 bis 25 Jahren eine Wertentwicklung von im Schnitt etwa fünf bis sieben Prozent jährlich möglich war. Auch künftig dürfte mit Aktienfonds langfristig eine attraktive Rendite erzielt werden können.
Was versteht man unter Nachhaltigkeitsfonds?
Bisher gibt es keine verbindlichen und einheitlichen Standards für Nachhaltigkeitsfonds. Sie werden häufig auch als „grüne Fonds“, „ethische Fonds“ oder als „verantwortliches Investment“ bezeichnet. Die Grundidee ist aber immer gleich. Bei nachhaltigen Fonds werden die drei klassischen Kriterien für die Geldanlage – Rendite, Sicherheit und Verfügbarkeit – um ein viertes Merkmal ergänzt: die nachhaltige Verwendung des angelegten Kapitals. Dafür können Anleger Fonds mit unterschiedlichen Anlagestrategien nutzen.
Die steigende Inflation macht mir Sorgen. Ist die Anlage in Rohstofffonds eine Möglichkeit sich zu schützen?
Die Preise für die meisten Rohstoffe sind in letzter Zeit tatsächlich stark gestiegen. Rohstofffonds sind Aktienfonds, die in Unternehmen aus dieser Branche investieren und die von der Entwicklung profitieren können. Allerdings gibt es in diesem Bereich häufig starke Wertschwankungen. Deshalb sollten Sie nicht mehr als 10 Prozent Ihres Vermögens in diesem Sektor anlegen.
Was ist ein ETF?
Die Abkürzung ETF bedeutet Exchange Traded Fund. Dabei handelt es sich um an der Börse gehandelte Investmentfonds, die meist einen Börsenindex nachbilden, beispielsweise den deutschen Aktienindex DAX. ETFs haben somit kein aktives Fondsmanagement, das Anlageentscheidungen trifft. Dadurch sind ETFs in der Regel kostengünstiger als aktive Fonds. Allerdings verzichtet der Anleger bei einem ETF auf die Möglichkeit, dass sich der Fonds besser entwickelt als der zugrunde liegende Index.
Ich halte seit einiger Zeit Anteile an einigen Aktienfonds. Wo kann ich mich informieren, in welche Papiere die Fonds angelegt haben?
Auf den Internetseiten der Fondsgesellschaften finden Sie die Jahres- und Halbjahresberichte der Fonds. Diese enthalten eine Vermögensaufstellung, aus der die Anlagen der Fonds hervorgehen. Darüber hinaus informieren die Verkaufsprospekte der Fonds über die Anlagegrundsätze der Fonds.
Ich habe bisher stets in Tages- und Festgeld angelegt. Über den Niedrigzins habe ich mich immer geärgert, doch nun droht sogar ein Negativzins. Welche Alternativen bietet die Fondsanlage?
Die Fondsanlage kommt dann in Betracht, wenn Sie Ihr Vermögen fünf Jahre oder länger anlegen möchten. Für den langfristigen Vermögensaufbau sind Aktienfonds gut geeignet. Beispielsweise erbrachten global anlegende Aktienfonds in den letzten 15 Jahren eine jährliche Rendite von im Schnitt etwa sechs Prozent. Mit Wertschwankungen müssen Sie aber in dieser Zeit rechnen. Schwankungsärmer sind dagegen meist Mischfonds, die sowohl in Aktien als auch in festverzinslichen Wertpapieren anlegen können. Die Renditen sind allerdings in der Regel niedriger als bei Aktienfonds.
Ein Bekannter von mir hat in einen Technologiefonds angelegt. Ist das empfehlenswert?
Grundsätzlich ja; mit Technologiefirmen verbindet sich ein hohes Innovationspotenzial. Aber nicht alle Technologien und alle Technologiefirmen erweisen sich langfristig als erfolgreich.
Deshalb sind Fonds in diesem Sektor sehr schwankungsanfällig. Man sollte daher in der Regel nicht mehr als etwa 10 Prozent in diesem Bereich investieren. Ansonsten sollte man sein Vermögen eher breiter streuen, sowohl regional als auch über verschiedene Branchen hinweg.
Aktienfonds sind mir zu schwankungsanfällig. Sind Rentenfonds eine Alternative?
Dazu würden wir nicht raten, denn das extrem niedrige Zinsniveau drückt entsprechend auch die Erträge von Rentenfonds. Im Falle ansteigender Zinsen würden sogar Kursverluste drohen. Eine sinnvollere Alternative sind Gemischte Fonds, die investieren in Aktien und Festverzinsliche je nach Lage an den Märkten. Die Schwankungen sind in der Regel niedriger als bei Aktienfonds, allerdings sind auch die Erträge meist etwas niedriger als bei Aktienfonds. Grundsätzlich gilt: Eine lange Anlagedauer „glättet“ in der Regel Kursschwankungen bei Aktienfonds, sodass Aktienfonds umso besser geeignet sind, je länger die Anlagedauer ist.
Ich bin Rentnerin und habe 100 000 Euro aus einem Hausverkauf jetzt in Tages- und Festgeld. Das Geld wird auf absehbare Zeit nicht gebraucht. Ich fühle mich wie in einer Zwickmühle: Einerseits will ich nicht riskant investieren, aber andererseits auch Strafzinsen vermeiden und mein Geld vor Inflation schützen. Aber wie?
Mein Vorschlag wäre, den Betrag aufzuteilen: 50 000 Euro in Tages- und Festgeld belassen, und weitere 50 000 Euro langfristig in Aktienfonds anlegen. Mit Aktienfonds sind langfristig etwa sechs Prozent im Schnitt jährlich erzielbar, freilich mit Schwankungen. Die übrigen 50 000 Euro Tages- und Festgeld bleiben von Schwankungen verschont, bringen aber eben auch keine Verzinsung mehr.
Ich denke über eine weitere Neuanlage in Aktienfonds nach, habe bereits Fonds mit überwiegend europäischen Aktien. Soll ich hier weiter aufstocken?
Legen Sie nicht einseitig an, ich würde eine breitere Streuung empfehlen und internationaler anlegen, nicht nur auf Europa konzentriert.
Ich bin Selbstständiger, habe nur noch wenige Arbeitsjahre Zeit, um etwas für die Altersvorsorge aufzubauen. Vielleicht eine fondsgebundene Rentenversicherung?
Überlegen Sie, was für Sie wirklich wichtig ist, ob eine lebenslange Verrentung sinnvoll ist und ob der Versicherungsschutz notwendig ist, der Kosten verursacht und Renditeverzicht bedeuten kann. Möglicherweise ist ein monatlicher Fondssparplan ohne „Versicherungsmantel“ ausreichend bzw. der bessere Weg. Lassen Sie sich diesbezüglich beraten, holen Sie mehrere Meinungen ein und prüfen Sie die Vorschläge, ob diese genau Ihren Anforderungen und Wünschen entsprechen.
Das Verwahrentgelt bei Sparanlagen möchte ich vermeiden, bin aber eher risikoscheu und unsicher, was Fondsanlagen angeht. Ein Großteil meines Geldes wird nicht gebraucht und soll für die Hinterbliebenen sein. Was kann ich tun?
Sprechen Sie offen mit den Erben darüber, wie eine sinnvolle Gestaltung der Geldanlage aussehen kann. Und prüfen Sie, was Sie wirklich selbst benötigen für die nächsten Jahre. Den Rest könnten Sie langfristig breit gestreut anlegen, durchaus in Fonds – hier gibt es eine breite Palette. Lassen Sie sich beraten, am besten mit einer Person Ihres Vertrauens.
Wann erhöhen sich die Zinsen wieder?
Auf absehbare Zeit rechnen wir nicht mit nennenswerten Zinssteigerungen. Die Europäische Notenbank hat jedenfalls deutlich gemacht, dass sie die Zinsen noch längere Zeit sehr niedrig halten will.
Ich habe einen großen Kostenausweis der Bank für meine Fonds bekommen, ist das rechtens?
Ja, depotführende Stellen sind seit 2018 dazu verpflichtet, einen transparenten Kostenausweis durchzuführen und den Kunden die Kosten mitzuteilen. In der Regel sind etwa 1,5 bis 2,5 Prozent marktüblich, je nach Fonds. Diese Beträge werden aber nicht separat bezahlt, sondern sind nur nachrichtlich ausgewiesen. Sie zeigen an, wie stark die Kosten die Rendite geschmälert haben.
Ich spare monatlich 200 Euro in einen europaweit anlegenden Aktienfonds. Mit welcher Summe kann ich nach 15 Jahren rechnen?
Genaue Prognosen sind wegen der Schwankungen an den Kapitalmärkten nicht möglich. Wenn Sie vor 15 Jahren mit einem entsprechenden Sparplan begonnen hätten, würden Ihnen jetzt im Schnitt knapp 59 000 Euro zur Verfügung stehen. Selbst eingezahlt hätten Sie in diesem Zeitraum nur 36 000 Euro.