Geld Kann man sparen eigentlich lernen?

Sandra Markert
Wer spart, hat in der Not. Foto: imago//Ute Grabowsky/photothek.net

Die Lebenshaltungskosten sind stark angestiegen – vor allem bei Lebensmitteln sowie Strom und Gas. Viele Deutsche müssen nun sparen. Experten empfehlen, positive Seiten des Sparens zu suchen.

An einem Stand in der Fußgängerzone wird Geld verschenkt. Fünf Euro gibt es sofort. Oder man holt sich 20 Euro ab – allerdings 14 Tage später. 80 Prozent der Menschen nehmen sofort die fünf Euro mit, wie ein Experiment amerikanischer Psychologen zeigt. Ähnliche Intentionen machen es den Menschen schwer, Geld für die Altersvorsorge zur Seite zu legen. Die gute Nachricht: „In den menschlichen Genen sind Sparsamkeit und Freigiebigkeit angelegt“, sagt Monika Müller, Finanzpsychologin und Finanzcoach aus Wiesbaden.

Warum können dann manche Menschen besser sparen als andere?

Unser Umgang mit Geld ist stark kulturell und sozial geprägt. „Man lernt ihn im Elternhaus“, sagt Sebastian Ebert, der an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg unter anderem zur Finanzpsychologie und Verhaltensökonomie forscht. Kinder sehen, ob ihre Eltern regelmäßig ein Eis spendieren, Geld ins Sparschwein stecken oder Freunde anpumpen. Ob sie auf Dinge bewusst wegen des Geldes verzichten oder auch mal Schulden machen. „Am besten vermitteln Eltern, dass man sowohl sparsam als auch großzügig sein darf, aber alles zu seiner Zeit“, sagt Finanzcoach Müller.

Was, wenn man als Erwachsener sparen lernen möchte?

„Menschen sind ja anpassungsfähig und können neue Routinen entwickeln“, sagt Monika Müller. Einzige Voraussetzung: Sparen braucht einen positiven Rahmen. Wer nur Verzicht und Zwang im Blick hat und denkt: „Jetzt muss ich auch noch Heizkosten sparen und frieren“ – wird schwer die nötige Motivation für eine Verhaltensänderung aufbringen. Stattdessen ruft man sich besser die Vorteile von weniger Energieverbrauch für die Umwelt in Erinnerung. Oder lässt das Auto nicht nur wegen der hohen Spritkosten stehen, sondern auch, weil Fahrradfahren eine willkommene Bewegung ist. „Es kann ja durchaus gesund sein, auf ein paar Dinge zu verzichten“, sagt Monika Müller.

Der positive Wille zum Sparen ist da. Wie geht man nun konkret vor?

„Man braucht einen klaren Überblick über alle Einnahmen und Ausgaben“, sagt Sebastian Ebert. Er empfiehlt ein Haushaltsbuch oder eine Haushalts-App zu nutzen und jede einzelne Ausgabe auf den Prüfstand zu stellen. Muss man jeden Morgen einen Kaffee beim Bäcker kaufen? Braucht man wirklich eine Extra-Versicherung für den Laptop oder legt man selbst eine Summe für mögliche Reparaturen zur Seite? Wichtig ist es Ebert zufolge bei diesem Kassensturz die Höhe der Summen im Auge zu behalten. „Bei jeder kleinen Einmalzahlausgabe über Verzicht nachzudenken ist unschön und bringt am Ende nicht viel. Wenn ich dagegen mein Netflix-Abo kündige, spare ich gleich mal 13 Euro – und zwar jeden Monat. Und wenn ich das Auto verkaufe, noch viel mehr“, sagt Sebastian Ebert. Er ist sich sicher: „Wer bislang noch nicht jeden Cent umdrehen musste, sondern mit dem Sparen erst anfängt, bei dem ist eine ganze Menge zu holen.“

Wie verhindert man, dass man das gesparte Geld nicht wieder anderweitig ausgibt?

„Sparen muss bequemer sein als Geld ausgeben“, sagt Sebastian Ebert. Wer kein Bargeld dabei hat, wird morgens vielleicht eher auf den Kaffee unterwegs verzichten, statt erst noch bei der Bank vorbei zu gehen. „Am allerleichtesten fällt Sparen, wenn man es gar nicht merkt“, sagt Sebastian Ebert. So wird der Beitrag für die betriebliche Altersvorsorge schon vom Gehalt abgezogen, bevor dieses überhaupt aufs eigene Konto fließt. „Da weiß man dann gar nicht, mehr, auf welchen Betrag man verzichtet und sieht auch keine rote Abbuchung jeden Monat auf dem Konto“, sagt Sebastian Ebert. Auch sich selbst per Dauerauftrag einen bestimmten Betrag auf ein Sparkonto zu überweisen, sei eine gute Möglichkeit, weil es das Sparen automatisiert. „Wenn ich das Geld dagegen in ein Sparschwein werfe, muss ich das schon aktiv machen und kann es eben auch lassen“, sagt Sebastian Ebert. Ein weiterer Tipp von ihm ist das so genannte Wechselgeldsparen, welches einige Banken anbieten. Dabei wird bei jeder Kartenzahlung auf den nächsten vollen Euro-Betrag aufgerundet und die Differenz einem Tagesgeldkonto gutgeschrieben.

Für gespartes Geld gibt es derzeit kaum Zinsen. Wie motiviert man sich trotzdem?

Ein großes Problem beim Sparen ist, dass man keine direkte Belohnung dafür bekommt. Sparen findet immer für die Zukunft statt und die kann man nicht vorhersagen, Zinsen und Aktienkurse lassen sich nicht beeinflussen. Nicht zu sparen ist aber deshalb auch nicht die Lösung. Denn was passiert, wenn morgen die Zinsen steigen? „Dann kann nur der Geld anlegen und davon profitieren, der etwas gespart hat“, sagt Ebert.

Und wie geht man nun konkret vor, um für die Heizkostennachzahlung gerüstet zu sein?

Die meisten Energieversorgern haben ihre Kunden bereits dazu aufgefordert, ihre monatlichen Abschläge zu erhöhen. „Das ist sinnvoll, weil man dadurch automatisch Geld für die Abrechnung zurücklegt“, sagt Monika Müller. Zusätzlich würde sich Monika Müller noch ein lachendes Sparschwein zulegen und es jeden Monat mit ein paar Euro füttern – falls am Ende des Jahres doch noch etwas kommt.

 

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