Gegen Insektensterben Alle können helfen: Mehr Grün für Insekten

Die Initiative „Ilm-Kreis blüht“ ist im April gestartet und soll einen Beitrag zum Schutz der Insektenvielfalt leisten. Damit dies gelingt, können Kommunen, aber auch Privatpersonen mitmachen.

Die Referenten Andreas Mehm, Sachgebietsleiter der Unteren Naturschutzbehörde Ilm-Kreis, Johannes Bayer vom Landkreis Hassberge in Bayern, Christiane Wichmann aus Wernigerode, Ralf Demmerle, NABU-Stiftung Nationales Naturerbe, Hartmut Schmidt und Daniel Korpat von der Natura 2000-Station Gotha/Ilm-Kreis (von links) waren beim Workshop dabei. Foto: Anke Roeder-Eckert

Das Insektensterben ist allerorts ein wirkliches Problem. Gründe wie Überdüngung, der Klimawandel sowie Flächenversiegelung und übertriebenes Mähen von Grünflächen lassen diese nicht bei allen Menschen beliebten, aber für alle Lebewesen wichtigen Tierchen verschwinden – und das, obwohl ohne Insekten das ökologische Gleichgewicht aus den Fugen gerät.

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Einen Beitrag zum Insektenschutz möchte der Ilm-Kreis mit dem Projekt „Ilm-Kreis blüht“ leisten. Es handelt sich um eine Initiative des Landkreises in Zusammenarbeit mit der Natura 2000-Station Gotha/Ilm-Kreis. Finanziert wird das Vorhaben über das Regionalbudget Nachhaltigkeit – ein Modellprojekt des Thüringer Ministeriums für Umwelt, Energie und Naturschutz. Zur Auftaktveranstaltung der Initiative haben sich verschiedene Akteure im Ilmenauer Schülerfreizeitzentrum ausgetauscht.

„Das Ziel von ’Ilm-Kreis blüht’ ist, die Insektenvielfalt durch die Erhaltung, ökologische Aufwertung und Schaffung von Lebensräumen zu fördern“, teilte Landrätin Petra Enders mit. Das Projekt könne nur gemeinsam mit Kommunen, Gemeinden und Bürgern gelingen, so Enders.

Im Rahmen des Projektes sollten viele Blühwiesen, Blühhecken, artenreiche Wegränder und Schutzäcker angelegt, entwickelt beziehungsweise gepflegt werden, erklärte Andreas Mehm, Sachgebietsleiter der Unteren Naturschutzbehörde. Leicht umsetzbare Maßnahmen, wie den Rasen seltener zu mähen, Disteln und Brennnesseln in einer Ecke des Gartens wachsen und Staudenstängel über den Winter stehen zu lassen oder Laubhaufen nicht zu beräumen, hätten nicht nur eine positive Wirkung auf Insekten, sondern würden auch viel unnötige Arbeit ersparen, erklärte er.

Bei einem von der Unteren Naturschutzbehörde des Ilm-Kreises organisierten Auftaktworkshop waren viele Vorträge zu hören. So stellte Christiane Wichmann aus Wernigerode Biodiversitätsmaßnahmen der Stadt im Harz vor, die bereits als „Kommune für biologische Vielfalt“ zertifiziert ist. „Das ist nicht einfach, denn bei der Nutzung von Flächen müssen wir auf die richtige Balance zwischen Biodiversität und Tourismus achten und die Bürgerinnen und Bürger mitnehmen, für Verständnis werben“, erklärte sie.

Invasive Arten als Problem

Aber auch der Umgang mit Neophyten war Thema. Hartmut Schmidt von der Natura 2000-Station Gotha-Ilm-Kreis klärte über die Pflanzen auf, die nicht zur natürlichen Vegetation gehören, sondern absichtlich oder versehentlich eingeführt wurden. Manche davon seien sehr invasiv und würden heimische Arten verdrängen. Zu den invasiven Arten gehören zum Beispiel der Riesen-Bärenklau oder der Kanadische Goldregen, der Japanische Staudenknöterich oder die Orientalische Zackenschote, die dem Raps täuschend ähnelt. Auch die vielblättrige Lupine oder die Kugeldistel sind invasive Arten, die es effektiv und zur richtigen Jahreszeit zu bekämpfen gelte.

Darüber hinaus stellte Biobauer Ralf Demmerle aus Marlishausen das Projekt „Fairpachten“ der Nabu-Stiftung Nationales Naturerbe vor. Seit 2018 engagiert er sich als Regionalberater bei Fairpachten und berät Kommunen, wie man gemeinsam mit Pächtern geeignete Naturschutzmaßnahmen für eine artenreiche Kulturlandschaft umsetzen kann. Dazu gehört die Erhaltung von Feldwegen und Randstreifen, die wertvollen Lebensraum für Wildblumen, Insekten und Vögel bieten.

„VIA Natura 2000“ heißt das Projekt, das Daniel Korpat von der Natura 2000-Stiftung Gotha/Ilm-Kreis vorstellte. „Via“ steht in diesem Falle nicht nur für den Weg, sondern auch für die Vernetzung von Insekten und Agrarlandschaften. Ziel des im Bundesprogramm Biologische Vielfalt geförderten Projektes sei es, die historisch gewachsene Kulturlandschaft durch die Zusammenarbeit zwischen Naturschutz, Landwirtschaft, Kommunen und weiteren Interessierten zu schützen.

Auf geeigneten Standorten werden dafür artenreiche, blühende Feldraine neu angelegt oder ökologisch aufgewertet. Ökosystemleistungen, wie die Bestäubung durch blütenbesuchende Insekten, werden dadurch gefördert. Auch das Landschaftsbild in Agrarlandschaften erfahre eine erhebliche Aufwertung. Die Feldraine des Projektes sollen dauerhaft bestehen und gepflegt werden. Die Feldraine-Anleger werden beraten und das Biosaatgut wird zur Verfügung gestellt.

Helfer gesucht

Für das Projekt „Ilm-Kreis blüht“ werden Flächen und Paten gesucht. „Wenn wir die Vielfalt der Insekten fördern wollen, kommen wir nicht umhin, mehr Wildnis und auch scheinbare ‚Unordnung’ auf unseren Grün- und Freiflächen zuzulassen. Dadurch wird sich unser Umfeld ändern – es wird vor allem an vielen Ecken und Enden wieder bunter und reicher an Tieren und Pflanzen werden“, so Andreas Mehm. Dafür brauche es vor Ort engagierte Menschen, die Flächen für Blumen und etwas mehr Wildnis zur Verfügung stellen, diese anlegen und pflegen oder auch einfach dafür sorgen, dass weniger gemacht wird: Zum Beispiel der Rasen seltener gemäht oder Brennnesseln stehengelassen werden. Dabei wollen die Kooperationspartner von „Ilm-Kreis blüht“ helfen. Die Unterstützung reiche von der Beratung und Vermittlung der Partner bis zur gemeinsamen Einsaat oder Bereitstellung von Saatgut.

Interessierte Flächeneigentümer melden sich bei der Unteren Naturschutzbehörde des Ilm-Kreises per E-Mail an a.mehm@ilm-kreis.de oder telefonisch unter (0 36 28) 73 86 70. Bei der Natura 2000-Station Gotha/Ilm-Kreis hilft Claudia Müller, sie ist per E-Mail an gotha-ilmkreis@natura2000-thueringen.de oder telefonisch unter (03 62 56) 15 39 62 erreichbar.