Gefahr in Verzug Haus vor Einsturz bewahrt

Quirin Hacker

Am Donnerstagvormittag musste die Stadt Schmalkalden reagieren. In der Bahnhofstraße 18 drohte der Dachstuhl des Hauses auf den Hof zu stürzen. Die Gefahr konnte gebannt werden. Der Eigentümer war nicht erreichbar.

Eigentlich sollte der Dachstuhl des Hauses in der Bahnhofstraße 18 abgesichert werden. Aber jede Hilfe kam zu spät. Die Firma Frank Möller riss den Dachstuhl des grünen Hauses am Donnerstagvormittag ab. Ein Schauspiel für die Passanten: Von der Vorderseite des Hauses drückte ein Bagger der Firma Henkel-Bau mit seiner Schaufel gegen das Gebälk, während von hinten ein Lastkraftwagen zog. Schließlich gab das morsche Gebälk im Dachstuhl des Fachwerkhauses nach und stürzte auf die Seite des Innenhofs. Einige Beobachter filmten den Abriss. Stadtbrandmeister Michael Pfunfke sicherte den Abriss ab. Die Polizei sperrte die Bahnhofsstraße für wenige Minuten zu. Das Haus soll erhalten und der Dachstuhl wieder aufgebaut werden.

Frank Möller ging regelmäßig an dem unbewohnten Haus vorbei, an dessen zugeklebten Schaufenstern in verblichenen Roten Buchstaben „Star-Box - Vertriebscenter“ steht. Er bemerkte die sich ständig vergrößernde Neigung des Dachs in Richtung Hinterhof. Am 30. November hatte er die Stadtverwaltung informiert, dass Gefahr droht, weil der Dachstuhl inzwischen so schief sei und drohte, zusammenzufallen. Bürgermeister Thomas Kaminski berichtete außerdem von einem Knacken, das aus dem Dachstuhl kam. Vorbeigehende Fußgänger seien gefährdet gewesen. Der Weg am Haus vorbei ist wegen der Spielhalle auf dem Hof viel frequentiert.

Gefahr in Verzug

Die Stadt versuchte vergeblich, den Eigentümer des Hauses zu erreichen. Dieser ist als Fernfahrer in ganz Europa unterwegs, weiß der Stadtchef. Die Stadt habe schon vor sieben Jahren mit ihm über Renovierungen des Hauses verhandelt, jedoch ohne eine Einigung zu erzielen. Auch den Anwalt, der den Eigentümer in Schmalkalden vertritt, konnte die Stadt nicht erreichen.

Weil Gefahr im Verzug gewesen sei, beauftragte die Verwaltung nun die Dachdeckerfirma Frank Möller, sich per Ersatzvornahme um den maroden Dachstuhl zu kümmern. Zunächst wollte dieser ihn durch zwei Stangen abzustützen und so stabilisieren. Der Zustand des Hauses erlaubte dieses Vorgehen jedoch nicht, weil Mitarbeiter durch die fragile Statik gefährdet worden wären. Auch ein vorsichtiges Abtragen des Daches kam aus Sicherheitsgründen nicht mehr in Frage. So fasste Frank Möller den Plan, den Dachstuhl schlicht vom Gebäude zu schubsen. „Es hat so funktioniert, wie wir uns das vorgestellt haben“, sagte der Dachdeckermeister. Bis auf einige Ziegel des Schornsteins fiel alles auf den Innenhof. Der Bagger riss übrige Teile des Dachstuhls ab, die noch ab Haus hingen, und schaufelte allen Schutt auf einen Haufen an der Hauswand. Hier offenbarte sich der Grund für die Schieflage: Selbst massive Balken waren morsch.

Bei einer Ersatzvornahme übernimmt zunächst die Stadt die entstandenen Kosten, kann diese aber vom Hauseigentümer zurückfordern. Bürgermeister Kaminski teilte mit, dass er eine Einigung mit dem Hauseigentümer anstrebe. Sollte diese scheitern, werde das Haus wahrscheinlich zwangsversteigert. Ziel sei, das Haus zu erhalten, weil es von städtebaulicher Bedeutung sei. Der nächste Schritt bestehe darin, das Haus provisorisch abzudecken und den Dachstuhl möglichst bald wieder aufzubauen. „Wir können das Haus nicht ohne Dach stehenlassen“, sagte Kaminski. Womöglich könnten die Bauarbeiten dafür schon nächste Woche starten.

 

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