Am 10. Mai 1942 verlies ein Zug den Bahnhof Weimar mit dem Ziel Lublin. In den mit jüdischen Deutschen vollgepferchten Güterwagen war auch der Sonneberger Leopold Rudolf Köstner (1920-1999). Dass der damals 22-Jährige seinen 23. Geburtstag noch erleben würde, war nicht zu erahnen. Im Gegenteil, die Deportationszüge aus Thüringen, aber auch aus anderen Teilen des Deutschen Reiches hatten nur ein Ziel – den Tod. Dass Menschen wie Köstner überlebten, in seinem Fall auch Jahrzehnte, war wohl die größte Niederlage der Nationalsozialisten, die dem Wahn eines Genozids an Menschen, verfolgten, die ihrer Ansicht nach kein Lebensrecht hatten. Sein Leben steht stellvertretend für Millionen, deren am 27. Januar am Gedenktag der Opfer der nationalsozialistischen Herrschaft gedacht wird.