Gedenkstätte Point Alpha Die letzte Patrouille der US-Soldaten

Mit der gefalteten amerikanischen Flagge der Last-Border-Zeremonie 2019 in der Hand erinnern der Geschäftsführer Sebastian Leitsch (links) und der Wissenschaftliche Leiter Roman Smolorz an die letzte Patrouille der US-Soldaten. Den Höhepunkt des Festaktes bildet das traditionelle Fahnenzeremoniell, die „Retreat Ceremony“. Die US-Flagge wird dabei eingeholt und symbolisch an die Point Alpha Stiftung übergeben. Foto: Point Alpha Stiftung

Die Point Alpha Stiftung erinnert mit der „Last Border Patrol“ an den Dienst der US-Army und die Bedeutung des transatlantischen Bündnisses für die Gegenwart.

Geisa/Rasdorf - Nach mehr als vier Jahrzehnten Präsenz am Eisernen Vorhang gingen die US-Soldaten des Blackhorse Regiments am 31. März 1990 von Point Alpha aus ihre letzte Patrouille entlang der innerdeutschen Grenze. Die Point Alpha Stiftung erinnert jährlich mit dem internationalen Schülerbegegnungstag „Last Border Patrol“ und einem Festakt an den Einsatz der US Army.

„Leider können wir nun schon zum zweiten Mal diesen wichtigen Tag nicht gemeinsam mit Schülern aus Hessen, Thüringen und amerikanischen Schülern aus Wiesbaden begehen. Wir bringen mit ,Last Border Patrol’ unsere besondere Verbindung zur US Army und den USA zum Ausdruck und danken für deren großartigen Einsatz für Deutschland über viele Jahrzehnte bis heute,“ beschreibt Sebastian Leitsch, Geschäftsführer der Point Alpha Stiftung, die coronabedingte Absage der für den 23. April geplanten Veranstaltung in einer Pressemitteilung. Bereits im vergangenen Jahr konnte das 30. Jubiläum wegen der Corona-Pandemie nicht gefeiert werden. „Wir waren bei der Planung des Programms noch optimistisch und mussten jetzt aufgrund der hohen Inzidenzzahlen und der Tatsache, dass die Gedenkstätte auch weiterhin geschlossen bleiben muss, schweren Herzens absagen“, so der Geschäftsführer weiter. Am Festakt nehmen neben den Schülern normalerweise auch viele Gäste aus Politik und Gesellschaft sowie Vertreter des Bundesgrenzschutzes und des Zolls, die gemeinsam mit der US Army auf Patrouille waren, sowie der Bundeswehr, die damals wie heute eng mit den amerikanischen Streitkräften verbunden ist, teil. Eingebunden sich auch Veteranen der US Army, die sich gerne an ihre Dienstzeit auf Point Alpha erinnern und darüber mit den Schülern sprechen.

„Wir feiern und erinnern uns am Last Border Patrol Day an unseren Einsatz und unsere Hingabe zu Demokratie, Freiheit und unseren gemeinsamen Werten. Die Mauer trennte hier Familien, Freunde und Menschen. Durch unsere Zusammenarbeit brachten wir sie wieder zusammen. Diese Art der Zusammenarbeit ist die Grundlage unserer bilateralen Beziehungen. Sie hat uns damals gute Dienste geleistet und sie wird uns auch in Zukunft helfen, wenn wir gemeinsam die globale Pandemie bekämpfen, uns für soziale Gerechtigkeit einsetzen und unsere Demokratien gegen die Bedrohung durch autoritäre Regime verteidigen,“ so beschreibt US-Generalkonsulin Patricia Lacina aus Frankfurt die Bedeutung des Tages auf Point Alpha.

Der neue US-Generalkonsul in Leipzig Ken Toko bedauert, dass er Point Alpha wegen der Pandemie bisher noch nicht persönlich besuchen konnte. „Aber wie viele andere habe ich darüber in Geschichtsbüchern gelesen und verstehe die historische Bedeutung des Ortes. Er erinnert uns daran, dass die demokratischen Gesellschaften, in denen wir leben, und die individuellen Freiheiten, die wir genießen, nicht als selbstverständlich angesehen werden können. Es ist wichtig, dass wir uns nicht nur an diese Geschichte erinnern, sondern uns auch aktiv über sie austauschen und sie an jüngere Generationen weitergeben, damit auch sie dieses bedeutende Kapitel unserer Geschichte verstehen und die Bedeutung unserer bilateralen Beziehungen begreifen, die Frieden und Wohlstand auf beiden Seiten des Atlantiks sicherstellen,“ erklärt der Generalkonsul und freut sich auf einen baldigen Besuch der Gedenkstätte.

Brigadegeneral Jed Schaertl, stellvertretender Kommandeur USAREUR-AF und Senior Responsible Officer für Hessen, wäre ebenfalls gerne zur Zeremonie auf den Rasdorfer Berg gekommen, da er selbst im Blackhorse Regiment gedient hat. „Mit Wachsamkeit haben wir am Eisernen Vorhang den Frieden verteidigt und uns dem Totalitarismus auf der anderen Seite widersetzt. Es war schließlich der Mut der ostdeutschen Bevölkerung, der die Grenze öffnete. Aber auch die stets wache Präsenz der Blackhorse Soldaten hat ihren Teil dazu beigetragen. Wachsamkeit ist der Preis, den wir dauerhaft für unsere Freiheiten zahlen müssen. Denn damals wie heute sehen wir uns mit autoritären Gegnern konfrontiert. Auch wenn es die Grenze von früher nicht mehr gibt, heißt es für die Demokratien der Gegenwart und damit auch für das NATO-Bündnis, unbedingt die Wachsamkeit zu behalten“, beschreibt General Schaertl die wichtige Botschaft des Last Border Patrol Tages. Daher habe das Motto des Blackhorse-Regiments auch weiterhin seine Gültigkeit: „Allons! Let’s go!“, so der General.

Die Point Alpha Stiftung nimmt neben der Erinnerung an den Dienst der US-Army im Kalten Krieg zur Sicherung des Fulda Gaps und den Schutz der Bevölkerung Osthessens vor einer Eskalation entlang der Grenze an diesem Tag auch immer die Gegenwart in den Blick. „Denn während die Welt einst besorgt auf den heißesten Punkt im Kalten Krieg in die Rhön auf den Rasdorfer Berg schaute, gilt es auch heute, immer wieder neue Antworten auf sicherheitspolitische Fragen zu finden. Auch wenn Ursachen und Auslöser oft weit weg von Geisa liegen, wird beim Blick in die deutsche Vergangenheit deutlich, dass zum einen das klare Bekenntnis zu Demokratie, Freiheit und Frieden notwendig ist, zum anderen zur Umsetzung und Bewahrung dieser Werte aber auch überzeugende Taten unumgänglich sind“, schreibt die Stiftung. Dies werde aktuell etwa mit Blick auf die russischen Aktivitäten an der Grenze zur Ukraine, im syrischen Bürgerkrieg oder etwa auch beim Umgang der Volksrepublik China mit Minderheiten deutlich, zählt Leitsch auf. „Wenn Deutschland und Europa den erreichten Status quo unseres Wertesystems hierzulande dauerhaft erhalten und sich darüber hinaus auch für die Verbesserung der universellen Menschenrechte einsetzen wollen, dann hat sich seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges nichts verändert. Unsere wichtigsten Partner sind und bleiben die USA,“ stellt Leitsch zusammenfassend fest.

 

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