War ja klar. Kurz vorm Urlaub trieft die Nase, kratzt der Hals, schmerzt der Kopf. Hat mein Körper immer noch nicht begriffen, dass er nun zu einer Rentnerin gehört, die jederzeit krank werden kann? Aber doch bitte nicht kurz vor der Urlaubsreise! Nun steigt also die Körpertemperatur schneller als die Vorfreude. Was soll’s. Also Augen zu, schlafen, schwitzen, viel trinken. Zwei, drei Wege sind aber doch noch dringend zu erledigen. Okay, frische Luft soll ja guttun. Und wie das so ist, trifft man sich in Suhl. Eine Bekannte stürmt im Steinweg auf mich zu. „Hallöchen“, grüße ich und ihre Miene verfinstert sich. Oje, meine nasale Stimme hat es verraten. „Du bist aber erkältet! Mich hatte es ja auch erwischt. Vier Wochen hatte ich damit zu tun, zwei Wochen lag ich flach. Und die Schmerzen in der Brust. Ich dachte schon, ich muss mit Lungenentzündung ins Krankenhaus ...“ Zum Glück klingelt mein Handy. Noch mehr dieser Leidensgeschichten will ich nicht hören. Es geht mir so schon schlecht genug. Was Leute da so drauf haben. Unglaublich. Vor zwei Jahren hatte ich ein paar Pfunde verloren (und später auch wiedergefunden). Da wurde ich öfter gefragt, ob ich absichtlich abnehme oder ... Was bekam ich für Geschichten über Bekannte und Verwandte, die mit Krebsdiagnosen leben müssten und dermaßen rapide abgenommen hätten ... Schlimm, schlimm, schlimm. Dass ich nur eine langwierige Zahn-Geschichte hatte, die mir jedes Essen verleidete – für diese Erklärung blieb kein Raum. Den wollte ich auch nicht. Wer weiß, was dann noch für Zahn- und Kiefer-Geschichten ausgegraben worden wären. Schlimmer geht ja immer.
Gedanken zur Zeit Krank? Schlimmer geht immer
Heike Hüchtemann 03.10.2025 - 14:00 Uhr