Geburtenrückgang Weniger Kinder, weniger Schulen

Früher oder später muss die Politik über die Zukunft von Kindergärten und Schulen entscheiden, meint unser Kommentator Marko Hildebrand-Schönherr.

Marko Hildebrand-Schönherr Foto: Ralph W. Meyer

Eine Geburtenexplosion könnte vieles retten. Aber sie ist nicht zu erwarten. Und genau deshalb lässt sich nicht verhindern, was eigentlich niemand will: Kindergärten und Schulen, das Herz vieler Dörfer, werden schließen. Damit verschwindet ein Stück Dorfleben.

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So bitter das ist: Es ist keine Frage der Ideologie, sondern vor allem eine der nüchternen Mathematik. Wenn immer weniger Kinder geboren werden und Plätze dauerhaft leer stehen, wird irgendwann der Punkt erreicht, an dem eine Einrichtung nicht mehr zu halten ist.

Für die Kindergärten in Erbenhausen, Wahns, Behrungen und Queienfeld ist diese Entscheidung bereits gefallen. In Wallbach steht sie bevor, wie in dieser Woche öffentlich bekannt wurde. Das sind keine Einzelfälle, sondern Vorboten einer Entwicklung, die den gesamten Landkreis, den gesamten Freistaat erfassen wird – auch die Schulen.

Die Politik kennt dieses Spannungsfeld. Und doch tut sich der Kreistag Schmalkalden-Meiningen seit Längerem schwer, klare Weichen für ein tragfähiges Schulnetz zu stellen. Das hat Gründe: Jede Schließung trifft Familien und Gemeinden ins Mark, löst Proteste aus und hinterlässt Lücken. Widerstand dagegen ist absolut verständlich.

Doch Volksvertreter sind dafür gewählt, auch unbequeme Entscheidungen zu treffen, wenn sie notwendig sind. Der Erhalt von Standorten ist ein legitimes Ziel. Doch er stößt dort an Grenzen, wo schlicht zu wenig Kinder da sind. Mit Schulverbünden oder Kooperationen kann Zeit gewonnen werden – verhindern lässt sich eine Schließung damit auf Dauer nicht, solange der Geburtentrend weiter sinkt. Es hilft nicht, die Augen davor zu verschließen.

Ein Blick zurück zeigt, dass es auch anders gehen kann. Der frühere Landrat Ralf Luther (CDU) hatte den Mut, unpopuläre Schulschließungen durchzusetzen – und musste dafür viel Kritik einstecken, auch von früheren Lehrerkollegen. Doch seine Fraktion trug die Entscheidungen mit. Im Rückblick wurden sie vielfach als notwendig anerkannt – selbst von früheren Gegnern. Heute wirkt die CDU deutlich zögerlicher. Und die AfD, inzwischen stärkste Kraft im Kreistag, lehnt Schulschließungen grundsätzlich ab. Doch die demografische Realität lässt sich politisch nicht aushebeln. Auch gute Nachrichten ändern daran wenig: Dass Meiningen laut Studie eine sehr hohe Versorgungs- und Lebensqualität bietet, die beste in Südthüringen, ist sehr erfreulich, löst aber das Grundproblem fehlender Kinder nicht.

Entscheidungen müssen getroffen werden – jetzt oder später. Dabei geht es nicht nur darum, Standorte auszudünnen. Ein tragfähiges Schulnetz muss zugleich Perspektiven für gute Lernbedingungen bieten. Genau das erwarten die Menschen von der Politik. An eine Geburtenexplosion glaubt wohl kaum einer. M.Hildebrand-Schoenherr@meininger-tageblatt.de