Gastschülerin in Kaltenwestheim Eine Französin mitten im Rhöner Leben

Unkompliziert und bei allem interessiert dabei – so beschreibt Brita Wolfram ihre französische Gastschülerin Sophie (15). Man versteht sich gut. Und wenn mal ein Wort fehlt, dann ist das Handy immer ein schneller Helfer. Foto: /Iris Friedrich

Sophie ist 15 und seit ein paar Wochen in Deutschland zu Gast – in Kaltenwestheim. Vier Monate wird sie bleiben, um ihr Deutsch zu verbessern. Auch das Gymnasium besucht sie nun hier. Doch sie lernt noch viel mehr kennen als nur neue Worte.

Sophie ist 15 und stammt aus Vignols. Und, so schmunzelt Gastgeberin Brita Wolfram, für sie ist Kaltenwestheim eigentlich schon ein ziemlich großes Dorf – so abgelegen, wie sie zuhause wohnt. Die Kaltenwestheimerin kennt das Zuhause der völlig unkomplizierten Schülerin, die sie in den nächsten Wochen beherbergt. Denn Brita Wolfram ist Vorsitzende des Partnerschaftsvereins Kaltenwestheim – Vignols, ist seit Langem mit Land und Leuten bekannt und brachte Sophie kürzlich von einer Frankreich-Reise mit dem Auto nach Deutschland mit hierher. Vier Monate bleibt die Schülerin nun hier – doch nicht die ganze Zeit bei Brita Wolfram auf der „Gückelsburg“. Sie lernt verschiedene Gastgeber kennen: Regina und Rolf Friedrich, Annerose und Bernd Nast in Mittelsdorf sowie Manuela und Volker Simon und auch Kerstin und Volker Hoffmann in Kaltenwestheim.

Dass der Besuch gut wird, das hat Brita Wolfram schon nach kurzer Zeit gewusst: „Sophie ist eine ganz liebe, völlig unkompliziert und ganz natürlich“, sagt sie. In die Familie und ins Dorf hat sie sich schnell eingefügt. Sogar Tore hat sie schon geschossen – für die Frauenfußballmannschaft Fischbach, in der sie nun mit Brita Wolframs Enkelin Madlen Henke spielt.

„Ich bin hier, um mein Deutsch zu verbessern“, sagt Sophie, bevor sie schon zum nächsten Training los muss. Und erzählt, dass sie im Thüringischen Rhön-Gymnasium Kaltensundheim zur Schule geht. Zwar dort noch ein bisschen wenig versteht, aber das wird von Woche zu Woche besser, ist sie sicher.

Zielstrebig für den Job

In Frankreich besucht sie ein Gymnasium, an dem intensiv Deutsch gelehrt wird. Neun Stunden in der Woche lernt sie Neues über Sprache, Literatur, Geografie und Geschichte des Nachbarlandes. Warum sie das tut, dafür ein Internat besucht und einen Schulalltag auf sich nimmt, der wohl deutlich stressiger ist als jener der meisten deutschen Schüler? Sie möchte einmal im Tourismus arbeiten – am liebsten im großen Besucherzentrum Grotte de la Pierre de Volvic. Deutschkenntnisse sind dabei eine super Voraussetzung. Und außerdem: „Mein Cousin hat auch am Gymnasium intensiv Deutsch gelernt. Und im ersten Jahr geht man da nach Deutschland. Das ist cool“, sagt Sophie. Kaltenwestheim und Mittelsdorf kannte sie im Übrigen sogar schon: Hier war sie mit dem Partnerschaftsverein Vignols – Correze bereits je einmal zu Besuch, und auch mit der Schule hat sie Deutschland schon einmal bereist.

Der 16. in großer Runde

Vermisst Sophie denn nicht ihre Familie? Der Vater ist Mechaniker, die Mutter arbeitet in der Bauverwaltung im öffentlichen Dienst. Ihr Bruder besucht das Sportgymnasium. Brita Wolfram, die die Familie schon länger kennt, versucht, eine gute „Ersatz-Oma“ zu sein. „Es klappt am besten, wenn man in die Familie einbezogen wird“, sagt sie. „Sophie setzt sich auch einfach zu mir aufs Sofa und guckt Schnulzen oder Schlager“, schmunzelt sie. Gemeinsam bereitet man Essen zu, geht raus ins Dorf. Auch zu einer Weidbergvereins-Versammlung hat Brita Wolfram – in vielen Vereinen engagiert – Sophie einfach mitgenommen. „Und ich war mit ihr gleich am ersten Tag in Seeba, um ihr zu zeigen, wie man österlich schmücken kann, weil das in Frankreich nicht üblich ist. Wir waren auf der Geba, in Tann Eis lecken, am Weidberg, in Meiningen auf dem Töpfemarkt – das volle Leben eben“, erzählt sie. Dass Sophies 16. Geburtstag am 8. Juni groß gefeiert wird – keine Frage. „Das machen wir mit dem Freundschaftsverein zusammen“, sagt Brita Wolfram. Und mit Rotwein und Häppchen. Soviel Frankreich muss dann mitten in der Rhön halt auch sein...

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