Fußballverband Der Langzeit-Staffelleiter des Südens

Am letzten Spieltag der Landesklasse-Saison 2017/2018 lässt es sich Werner Gerling (rechts) nicht nehmen, den Staffelsieger und Verbandsliga-Aufsteiger VfL Meiningen persönlich zu beglückwünschen. VfL-Kapitän Daniel Korff nimmt die Ehrung entgegen. Foto: MT/Ralf Ilgen

Werner Gerling ist wieder einmal in den Spielausschuss des Thüringer Fußball-Verbandes (TFV) berufen worden. Dort ist er nunmehr das dienstälteste Mitglied.

Erfurt/Sonneberg - Eigentlich ist es nichts Besonderes, wenn der Thüringer Fußball-Verband (TFV) vor einiger Zeit die endgültige Besetzung seiner neuen Ausschüsse bekannt gibt und beim Spielausschuss wie selbstverständlich auch der Name „Werner Gerling“ auftaucht. Als gefühlt „ewiger“ Leiter von Thüringens südlicher Landesklasse-Staffel gehört er irgendwie schon zum Inventar dieses Gremiums. Aber da im Ehrenamt bekanntlich nichts selbstverständlich ist – gerade haben sich zwei Ex-Mitglieder dieses Spielausschusses für diesmal daraus verabschiedet – rückt der 73-jährige Arnstädter besonders in den Blickpunkt: Er ist nunmehr der Dienstälteste in diesem Gremium, das mit der Koordination des Spielbetriebes eine der wichtigsten Aufgaben im Verband überhaupt zu bewältigen hat.

„Etwas Wunderschönes“

„Mir macht das einfach Spaß, und zwar nach wie vor“, begründet er sein fortdauerndes Engagement. „Wenn ich irgendwo beim Fußball bin und kenne dort viele Leute, auch und gerade jüngere, und werde von ihnen dann auch angesprochen – das ist etwas Wunderschönes! Manchmal kommt es vor, wenn ich weiter weg bin, etwa in Borsch in der Rhön, dass Leute auf mich zukommen und mich begrüßen, obwohl ich sie oft selbst gar nicht kenne.“

Und „irgendwo beim Fußball“ zu sein, das gehört nach wie vor zum festen Wochen­end-Dasein des Werner Gerling: Im Durchschnitt einmal im Monat in offizieller TFV-Mission als Spielbeobachter, dann vielleicht noch ein zweites Mal ohne Auftrag, sondern aus reinem Interesse, und wenn die Saison gerade angefangen hat und er sich ein Bild von den Vereinsschauplätzen seiner Staffel verschaffen will, dann auch gern mal an gleich beiden Wochenendtagen. „Ich fahre dann oft zusammen mit Edgar Walter“, verrät er.

Mit dem Martinrodaer teilt er nicht nur die Leidenschaft für den Fußball, sondern auch für das Schiedsrichteramt, das beide lange Zeit ausgeübt haben. Werner Gerling stammt aus dem Kreis Meiningen, war Leiter der dortigen damaligen Betriebssportgemeinschaft (BSG) Traktor Ellingshausen (bei Obermaßfeld) und begleitete eines Tages einen neuen Schiedsrichter seines Vereins beim ersten Einsatz – eher notgedrungen, denn der wollte partout nicht allein auf den Platz gehen. „Aber wir konnten uns keine Absage leisten, hatten sogar schon einen Punktabzug bekommen. Also habe ich ihm seinen Wunsch erfüllt.“

Als Schiedsrichter stieg Gerling danach bis in die damalige Bezirksliga Suhl auf, die vom Territorium her zum großen Teil mit dem Einzugsgebiet der heutigen, also „seiner“, Landesklasse-Staffel 3 identisch ist. Kein Wunder, wenn er dort überall bekannte Leute trifft, obwohl er schon 1979 nach Arnstadt umgezogen war. Im dortigen Bauamt hatte er übrigens auch öfter beruflich mit dem runden Leder zu tun, etwa beim Bau neuer Fußballplätze im Stadtgebiet.

Später war er auch als Funktionär im Schiedsrichterwesen aktiv, amtierte beispielsweise im Fußballkreis Mittelthüringen als Vorsitzender des Schiedsrichterausschusses. Diese Aufgabe allerdings eignete sich damals nicht als Langzeitjob. Anders sieht es da schon mit dem Staffelleiter-Amt in der Landesklasse aus. Das hatte er seinerzeit von seinem Meininger Vorgänger Robert Bloß quasi „geerbt“ und alle Umwandlungen mitgemacht. Das betrifft zum einen die Struktur – von der Staffel West in der zweistaffeligen Landesklassen-Variante über die Staffel Süd bis hin zur Staffel 3. Zum anderen natürlich den Einzug der Elektronik beim Organisieren und Auswerten des Spielbetriebes, der er sich erfolgreich gestellt hat. Aber auch die deutlich verbesserte sportliche Infrastruktur bei den Vereinen dieser Leistungsklasse. „Spielabsagen sind ja auf dieser Ebene inzwischen kaum noch ein Thema“, konstatiert er und erinnert sich: „Ich hatte früher mal eine Saison mit sage und schreibe 24 Nachholspiele und eines davon, nämlich Lengenfeld unterm Stein gegen Hildburghausen, musste ich dann notgedrungen an einem Samstag um 11 Uhr ansetzen, weil es überhaupt keine andere Möglichkeit mehr gab, dieses Spiel überhaupt noch auszutragen.“

Auch als Berichterstatter seiner Landesklasse-Spiele für unsere Zeitung bewährte sich Werner Gerling; an seinem offenen Verhältnis zur Presse könnte sich ohnehin manch anderer Fußballfunktionär eine dicke Scheibe abschneiden.

Aktuell sieht er vor allem zwei Bereiche, auf die besonders zu achten wäre: „Eine kollegiale Zusammenarbeit mit den Vereinen ist die Grundlage, um auftretende Probleme zu lösen. Da hilft es mir schon, dass ich so viele Vertreter der Mannschaften persönlich gut kenne. Und wir möchten außerdem energisch darauf hinarbeiten, bei den Spielen Spannungen zwischen Mannschaften, Zuschauern und Schiedsrichtern abzubauen.“

Was die viel diskutierte Fortsetzung dieser Spielzeit nach einem (doch hoffentlich irgendwann zu erwartenden!) Ende des Lockdowns betrifft, so bekräftigt Werner Gerling die letzte Ansage seines Verbandes: „Unser Ziel muss es sein, die Hinrunde zu Ende zu bringen plus einen Spieltag, damit nicht nochmals eine Saison quasi umsonst war. Alles andere ist illusorisch, und das habe ich auch schon früh prophezeit. Es geht dabei übrigens nicht allein um die drei, vier Wochen Vorlaufzeit beim Training. Man muss auch darauf hinarbeiten, dass die Kommunen uns dabei unterstützen und keine unnötigen Steine in den Weg legen. Generell steht ja ohnehin die Gesundheit der Spieler über allem.“ An neuen Herausforderungen mangelt es also auch in der neuesten Spielausschuss-Arbeitsperiode von Werner Gerling nicht ...

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