Fußballschule Soccer-Academy in Arnstadt: Zweiter Weg zum Profi

Der Weg zum Profi: Den sollen junge Talente in der Soccer-Academy Arnstadt, bei Geschäftsführer Torsten Traub (rechts) und Trainer Martin Hauswald gehen können. Foto: Berit Richter

Im August will die Soccer-Academy, eine private Fußballschule in Arnstadt, an den Start gehen. Der SV 09 ist mit im Boot.

Arnstadt - Der boomende Markt der privaten (und damit kostenpflichtigen) Fußballschulen bekommt nun auch Zuwachs im Ilm-Kreis: Im August will die Soccer-Academy Arnstadt an den Start gehen. Dahinter verbergen sich Torsten Traub – einst Fußballprofi (bis zur 2. Bundesliga) und dann Manager beim FC Rot-Weiß Erfurt – als Geschäftsführer dieser Schule sowie der SV 09 Arnstadt als deren sportlicher Partner, der u. a. seinen Chefcoach Martin Hauswald parallel auch als Cheftrainer der neuen Fußballschule zur Verfügung stellt. Die Geschäftsidee: Jungen Fußball-Talenten, die es nicht bis an die (immer elitärer werdenden) Nachwuchsleistungszentren (NLZ) der großen deutschen Klubs schaffen, einen zweiten Weg in den Profifußball zu eröffnen. Dazu sollen Spieler von 16 bis 21 Jahren hier leben, trainieren und wenn erforderlich auch die schulische Ausbildung absolvieren.

Die Besonderheit: Weil er inzwischen ein gutes Netzwerk dorthin aufgebaut hat will Torsten Traub einen nicht unerheblichen Anteil seiner Academy-Schützlinge aus Nordamerika rekrutieren, also konkret aus Kanada und den USA. Dort schätze man einerseits die fußballerische Ausbildung von Deutschland, so Traub, andererseits sei es gewissermaßen Teil der dortigen Kultur und selbstverständlich, dass man für eine solche gute sportliche Ausbildung auch gut bezahlen müsse. Um den Standort Arnstadt für ausländische Talente weiter attraktiv zu machen hat Traub zudem dafür gesorgt, dass seine Schützlinge hier einen international anerkannten schulischen Abschluss machen können (ein solcher von deutschen Schulen besitzt diese Anerkennung nicht). Das soll – eine nur auf den ersten Blick abenteuerliche Vorstellung – per Hybridunterricht an der Friedensschule von Köln geschehen: Es wird also von Köln aus online unterrichtet und die Schüler werden in Arnstadt von einem Pädagogen dabei nur betreut. Nur wenige Male im (Schul-)Jahr ist man direkt in Köln vor Ort.

Geschehen soll das alles im ehemaligen Hotel Anders in der Gehrener Straße. Dieses wird derzeit vom aktuellen Besitzer, ein privater Vermieter aus Erfurt, dafür renoviert und von der Soccer Academy angemietet. Derzeit ist dort ebenfalls noch ein Internat des Christlichen Jugenddorfs verortet, aber diese Institution plant einen schrittweisen Umzug. Die Soccer Academy kann in diesem Objekt bis zu 60 Talente aufnehmen. Traub setzt dabei vor allem auf eine konsequent individuelle Ausbildung gemäß der individuellen Veranlagungen – im Gegensatz zur „Systemausbildung in den Nachwuchsleistungszentren“, wie er diese Ausbildung mit durchaus kritischem Unterton charakterisiert. Als Trainingsgelände sollen die vielfältigen Sportstätten in Arnstadt dienen; Absprachen mit den Eigentümern gebe es bereits, hieß es.

Für den lokalen Fußball besonders bemerkenswert: Die Talente sollen alle Mitglied beim SV 09 Arnstadt werden und auch für diesen spielberechtigt sein. Hier sollen sie sich ihre Spielpraxis holen. Und je nachdem, wie viele es werden und in welchem Alter sie sind dürfte es also normal werden, dass sie auch auf den Fußballplätzen zwischen Großbreitenbach und Haarhausen sowie Geraberg und Schmiedefeld im Trikot des SV 09 Arnstadt auftauchen, und das unter Umständen auch nicht nur in Nachwuchsmannschaften. Angestrebt ist freilich, dass sich diese A- und B-Juniorenmannschaften bald für ihre jeweiligen Verbandsligen qualifizieren. Aber in der Saison 2021/22 spielen sie dort noch nicht, denn das hat der Thüringer Fußball-Verband abgelehnt.

„Wir werden aber natürlich den breitensportlichen Bereich in unserem Nachwuchs weiterhin beibehalten“, kündigt SV 90-Geschäftsführer Dominik Schneider an. „Beide Bereiche sollen nebeneinander arbeiten und ihre Berechtigung haben.“ Und dann wohl auch ihre jeweiligen Mannschaften.

Das Projekt wurde am Dienstag der Öffentlichkeit vorgestellt, zugleich wurde der Internet-Auftritt freigeschaltet. Nun muss die Soccer-Academy Arnstadt erst mal abwarten, wie sich das Interesse für die erste Saison entwickelt – denn davon hängt auch ab, mit welchem Aufwand an sportlichem, pädagogischem und infrastrukturellem Personal man arbeiten muss.

www.academy-arnstadt.com

Autor

 

Bilder