Fußball-Weltmeisterschaft WM-Plan sorgt für Empörung - DFB will nachziehen

Nimmt den DFB in die Pflicht: Leverkusen-Sportchef Rudi Völler. Foto: Lino Mirgeler/dpa Foto: dpa

Der WM-Vorschlag der FIFA sorgt weiterhin für Empörung. Im Vergleich zur harschen Kritik aus der Bundesliga verhält sich der Deutsche Fußball-Bund bislang zurückhaltend. Das soll sich bald ändern.

Berlin - Die Empörung aus der Bundesliga über den heiklen WM-Vorschlag hält an - der Deutsche Fußball-Bund braucht zumindest bis zu einer offiziellen Erwiderung noch ein paar Tage.

"Für mich ist klar, dass der deutsche Fußball sich an der Seite der UEFA und des UEFA-Präsidenten deutlich dagegen aussprechen wird, formal muss es aber noch am Freitag beschlossen und besprochen werden", sagte DFB-Interimspräsident Peter Peters dem "Kicker". Die bisherige Reaktion aus der Verbandszentrale auf die Idee der FIFA, die Fußball-WM künftig im Zweijahresrhythmus auszurichten, war eher zurückhaltend gewesen. Zumindest im Vergleich zur harschen Kritik von Trainern und Club-Verantwortlichen.

Völler: "Schnapsidee"

Der frühere Weltmeister Rudi Völler hatte sich deshalb noch am Sonntagvormittag beim TV-Sender Bild "ein Signal vom DFB" gewünscht in die Richtung: "Ohne uns." Wer den Fußball liebe, "kann nicht für so eine bescheuerte Idee sein. Wer das macht, ist gegen den Fußball." Der Sportchef von Bayer Leverkusen bezeichnete den Plan, der am Donnerstag von FIFA-Direktor Arsène Wenger bekräftigt worden war, als "Schnapsidee" ähnlich wie zuletzt die kurzzeitige Gründung einer europäischen Super League. "Das wäre eine Zerstörung des Fußballs gewesen. Und so wäre es auch mit dieser WM."

Der DFB hatte vor dem Wochenende zunächst auf Anfrage mitgeteilt, "grundsätzlich" für den aktuellen Vierjahresrhythmus zu sein. Die Präsidiumssitzung für den von Peters angekündigten Beschluss ist für Freitag angesetzt. Der 59-Jährige vertritt den Verband in der FIFA, der zweite Interimschef Rainer Koch sitzt im Exekutivkomitee der Europäischen Fußball-Union UEFA. "Ich persönliche habe eine sehr klare ablehnende Position", sagte Rainer Koch der Deutschen Presse-Agentur, und er gehe davon aus, dass seine Haltung im Präsidium "gewiss nicht das Alleinstellungsmerkmal" sein werde.

Nur wenig Unterstützung pro FIFA-Plan

RB Leipzigs Vorstandschef Oliver Mintzlaff gab am Samstag an, "gar nichts" davon zu halten, "immer weiter die Kommerzialisierung anzuschieben. Daher gehe ich davon aus, dass die Pläne hoffentlich auch nicht Wirklichkeit werden." Wenger und etliche Ex-Stars hatten geäußert, dass es weltweit viel Unterstützung für die Abkehr vom Vierjahresrhythmus gebe. Etliche kleinere Verbände im Weltverband hätten häufiger die Chance, sich für das Großereignis zu qualifizieren.

Ein Mitglied der FIFA-Beratergruppe ist auch Rekordnationalspieler Lothar Matthäus, nach Angaben des Weltverbandes unterstützte der 60-Jährige die Überlegungen, weil diese auch weniger Abstellungsfenster für Länderspiele vorsehen würden. Die Clubtrainer könnten dann "kompakter" trainieren, sagte Matthäus bei Sky. Er räumte aber auch ein: "Der Wert einer Weltmeisterschaft ist nicht mehr der gleiche, wenn du doppelt so viele Weltmeisterschaften hast."

Der frühere Bayern-Coach Pep Guardiola bewertet die Pläne dagegen positiv. "Ich bin immer froh, wenn neue Ideen zur Diskussion auf den Tisch gelegt werden", sagte der Trainer von Manchester City nach Angaben der Nachrichtenagentur PA. "Man darf Ideen nicht kriminalisieren." Guardiola vertritt demnach die Ansicht, den Vorstoß nicht sofort zu verwerfen, sondern zunächst alle Standpunkte dazu zu hören.

"Die Weltmeisterschaft ist großartig. Das ist das größte Turnier, als Zuschauer schaue ich sie mir immer gerne an. Wenn ich sie alle zwei Jahre schauen könnte, wäre das gut", sagte der Spanier. Wenn nicht mit einer WM, dann würde der Fußballkalender eben mit einem anderen Wettbewerb gefüllt. Wenger habe dagegen "ein Turnier der höchsten Qualität" vorgeschlagen. Chelseas Trainer Thomas Tuchel ist anderer Ansicht und klagte: "Es sind zu viele Spiele, das hilft nicht der Qualität." Er liebe es zwar, Fußball zu schauen, aber nicht, wenn er gespielt werde, weil er gespielt werden müsse.

Eine Hoffnung ist für Völler derweil die UEFA, deren Präsident Aleksander Ceferin bereits einen Boykott angedeutet hat. "Das Wichtigste ist, dass die UEFA standhaft bleibt. Dafür ist dieser Verband zu wichtig. Ohne die UEFA geht nichts", sagte Völler.

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