Fußball-Thüringenderby Drei Konter lassen Erfurt jubeln

Der Favorit aus Jena kassiert eine Abreibung. Die Laune an der Saale ist entsprechend schlecht, beim FC Rot-Weiß herrscht Partystimmung.

Beim Kopfball: RWE-Torschütze Obed Ugondu. Foto: imago/Christian Fischer

Fabian Gerber konnte seien Freude kaum in Worte fassen. Am Tag seines 46. Geburtstages hatten ihm die Regionalliga-Fußballer des FC Rot-Weiß Erfurt mit dem Derbysieg am letzten Spieltag der Hinrunde ein unvergessliches Geschenk gemacht – und der Jubilar bedankte sich mit emotionalen Worten.

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„Wir haben das auf den Platz gebracht, was wir in den letzten Wochen ein Stück weit haben vermissen lassen“, sagte der Coach nach dem 3:1 vor 15.040 Zuschauern im ausverkauften Steigerwaldstadion gegen den FC Carl Zeiss Jena. „Wir haben von Anfang an diese Gier, diese Leidenschaft und Überzeugung, diesen Glauben an den Derbysieg gezeigt. Das war der Schlüssel zum Erfolg.“ Nachdem der RWE-Motor zuletzt ins Stottern geraten war und der Frust im Umfeld wuchs, schworen Gerber und sein Trainerstab die Mannschaft vor dem Prestigeduell bei einer Teamsitzung ein: „Wir haben vor dem Derby noch mal alle mit ins Boot geholt. Und irgendwann haben wir gespürt, dass eigentlich nichts mehr schiefgehen kann.“

Dass es tatsächlich so kam, hatte mit dem nahezu perfekten Umschaltspiel der Rot-Weißen zu tun – aber auch mit den ungewohnt vielen Fehlern und Schludrigkeiten der Jenaer. „Wir hatten vor den Umschaltaktionen gewarnt und waren vorbereitet“, knurrte Gästetrainer Volkan Uluc nach dem „Systemabsturz“, wie er den phasenweise enttäuschenden Auftritt seiner Schützlinge nannte: „In einem Stadion, in dem so eine Stimmung herrscht, darfst du nicht so viele Fehler machen wie wir. Wenn unsere Offensivspieler die gegnerischen Angriffe quasi selbst einleiten und bei uns die Restverteidigung nicht so funktioniert, wie es sein muss, ist man sehr enttäuscht.“

Doppelschlag stellt die Weichen

Erfurt leitete den nie ernsthaft gefährdeten Sieg durch einen Konter-Doppelschlag ein. Stanislav Fehler in der 32. und Obed Ugondu in der 35. Minute schockten die Gäste samt ihres 2000-köpfigen Anhangs. Als Jena besser ins Spiel zu kommen schien, setzte Romario Hajrulla (51.) ebenfalls per Konter den Deckel auf den Topf. Der direkt verwandelte Freistoß von Marcel Hoppe zum Ehrentreffer des FC Carl Zeiss in der 55. Minute war sehenswert, doch im weiteren Verlauf verteidigten die Rot-Weißen das 3:1 mit ganz viel Leidenschaft.

„Wie wir uns in jeden Zweikampf geworfen und gegenseitig unterstützt haben, war stark. Da kann ich meiner Mannschaft ein Riesenkompliment machen“, lobte Gerber und gab drei Tage frei. „Ich bin selbst positiv überrascht. Solch eine Leistung nach den letzten Wochen mit den ganzen Rückschlägen durch Verletzungen war großartig.“

Allerdings gab es auch zwei Nackenschläge für RWE. Innenverteidiger Sofiane Ikene verletzte sich schwer am Knie, dem luxemburgischen Auswahlspieler droht ein langfristiger Ausfall. Darüber hinaus kassierte Hajrulla eine völlig überflüssige Rote Karte, weil er nach dem Abpfiff während einer Rudelbildung einen Jenaer umschubste.