Fußball Suhl ist besser als Hertha BSC

Mehr Fußball an einem Tag als bei den Profis: Die Ü50-Männer der Spielgemeinschaft 1. Suhler SV/Gumpelstadt verpassen bei der NOFV-Regionalmeisterschaft die K. o.-Runde knapp. Knackpunkt ist gleich das erste Gruppenspiel gegen Hertha BSC.

Die Nummer fünf im Fußball-Osten: Die Ü50-Kicker der SG 1. Suhler SV/Gumpelstadt. Foto: privat/privat

Auch einen Tag nach dem letzten Schlusspfiff trauert Oliver Kramer noch den liegengelassenen Chancen nach: „So oft, wie ich aufs Tor geschossen habe“, beginnt er von seinem einzigen Treffer und den zwei Torvorlagen zu erzählen und muss prompt an all die Gelegenheiten denken, die nicht im Netz gelandet sind.

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Äußerst unglücklich sind Kramer und die übrigen Fußballer der Spielgemeinschaft aus Suhl und Gumpelstadt am Sonntag bei der 11. NOFV-Ü50-Kleinfeld-Regionalmeisterschaft in Bernburg nach der Vorrunde aus dem Altherren-Turnier geflogen. Gesucht wurde die beste Mannschaft des Fußball-Ostens. Der Sieger löste das Ticket für die nationale Endrunde, den DFB-Ü50-Cup, der Ende September in Berlin ausgetragen wird.

„Aber der Ball ging nicht rein“

Der Knackpunkt bei Suhls Fußball-Ausflug nach Sachsen-Anhalt hatte einen Namen: Hertha BSC. Die Berliner hatten sich als Landesmeister ebenso qualifiert wie der Rostocker FC (Mecklenburg-Vorpommern), der 1. FC Frankfurt (Brandenburg), der SV 1889 Altenweddingen (Sachsen-Anhalt) und die SG FV Neuhausen/Cämmerswalde-Zuger SV (Sachsen). Die SG 1. Suhler SV/Gumpelstadt reiste als bestes Thüringer Altherren-Team an. Das acht Mannschaften starke Starterfeld komplettierten Titelverteidiger BSG Stahl Riesa und Gastgeber SC Bernburg.

Also die Hertha zum Auftakt. Was sich nach großer fußballerischer Klasse anhört, erwies sich als schlagbarer Kontrahent. „Im ersten Spiel waren wir deutlich stärker als Hertha“, sagt Oliver Kramer. Trainer Thomas Sprafke erklärt warum: „Der Oli“ – einst Junioren-Nationalspieler der DDR und vor knapp einem Jahr in den Klub der Fünfziger aufgestiegen – habe die Männer aus der Hauptstadt schwindelig gespielt. „Aber der Ball ging nicht rein.“ Mal rettete der Pfosten die Hertha, mal flog der Ball knapp vorbei oder wurde kurz vor der Torlinie abgeblockt. „Von den Spielanteilen hätten wir 3:1 oder 4:1 gewinnen müssen!“, sagt Oliver Kramer. Doch es fällt nach einer Standardsituation nur ein Kopfballtor – für Hertha BSC.

So ist der Druck bereits im zweiten Spiel spürbar da, genauso wie erste Personalsorgen. Für Abwehrchef Roland Reitzenstein ist das Turnier schon nach der ersten Partie vorbei. Ein Berliner Spieler hatte ihm den Fuß gehörig demoliert. Auch andere haben mit Blessuren zu kämpfen. Heiko Brumme machte im zweiten Spiel gegen Sachsen-Anhalt-Meister Altenweddingen das entscheidende Tor zum 2:1, „obwohl er nicht richtig laufen konnte“, wie sein Trainer bemerkt.

Nach einer Niederlage und einem Sieg mussten im letzten Gruppenspiel gegen den 1. FC Frankfurt möglichst drei Punkte her, um die Chance aufs Halbfinale zu wahren. Oder Hertha BSC hätte im Parallelspiel verlieren müssen. Doch kurz vor Abpfiff haben die Berliner erneut Torglück und gewinnen 1:0 gegen Altenweddingen. Suhl musste also an die körperlichen Grenzen gehen an einem heißen Sommertag, der allen Alten Herren viel abverlangte. Fünf Partien sind es für diejenigen, die es bis ins Endspiel schaffen. Macht bei einer Spieldauer von zweimal zehn Minuten insgesamt 100 Minuten Fußball an einem Tag – mehr als bei den Profis.

Dreimal die bessere Mannschaft

Wie gewinnen geht, weiß Suhl/Gumpelstadt. Schon einmal konnten sich die Fußball-Oldies zum NOFV-Meister küren. Diesmal ist der Gegner im letzten Gruppenspiel zu stark. Frankfurt/Oder erreicht mit einem 0:0 – und in der Schlussabrechnung der Gruppe A mit einem Punkt mehr als Suhl/Gumpelstadt – das Halbfinale und schließlich auch das Finale, wo man die SG FV Neuhausen/Cämmerswalde-Zuger SV aus Sachsen 1:0 schlägt.

Im Platzierungsspiel gegen den Rostocker FC sichert sich Suhl/Gumpelstadt mit einer Energieleistung noch Platz fünf. Zumindest das Treppchen wäre wohl drin gewesen, glaubt Ü50-Neuling Oliver Kramer. „Von den vier Spielen, die wir gemacht haben, waren wir dreimal die bessere Mannschaft.“ Spaß gemacht habe es aber allemal.

Suhl/Gumpelstadt: Recknagel; Reitzenstein, Kallenbach (Gumpelstadt), Popp, Kramer, Arlt (Gumpelstadt), Gutberlet, Heisch, Wirsing (Gumpelstadt), Winter, Brumme, Haase, Knoch (Gumpelstadt), Leder