Fußball-Regionalliga Gemischte Gefühle vor dem Derby

An diesem Freitag stehen sich der FC Rot-Weiß Erfurt und der FC Carl Zeiss Jena gegenüber. Wie sieht die Formkurve der beiden Fußball-Regionalligisten aus?

Enttäuscht nach dem Remis in Berlin: Erfurts Torschütze Obed Ugondu. Foto: imago/Matthias Koch

Gibt es einen ungünstigeren Zeitpunkt für einen schief hängenden Haussegen? Wohl kaum, doch es hilft nichts – beim FC Rot-Weiß Erfurt knirscht es ausgerechnet vor dem Thüringenderby an diesem Freitag im Steigerwaldstadion (20.20 Uhr, live im MDR) spürbar im Gebälk. Nachdem sich der Fußball-Regionalligist aus der Landeshauptstadt zu Saisonbeginn anschickte, Lok Leipzig im Wettrennen um den Staffelsieg ein ernsthafter Herausforderer zu sein, haben die Schützlinge von Trainer Fabian Gerber mittlerweile den Anschluss verloren. Und nun ist auch die Zeit vorbei, in der sich der Coach nach allen Rückschlägen schützend vor die Mannschaft stellt und immer wieder auf die lange Verletztenliste verweist.

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„Das war teilweise völlig wild. Gefühlt ist jeder auf dem Platz rumgelaufen, wo er wollte“, wütete Gerber nach dem ernüchternden 1:1 bei Hertha 03 Zehlendorf – einer Mannschaft aus dem Südwesten von Berlin, die vor dem Anpfiff des Duells mit RWE in 14 Spielen nur einen Sieg und drei Unentschieden geschafft hatte. „Ich habe keinen bei uns gesehen, der auf dem Platz mit Herz und Mentalität bei der Sache war. Das ärgert mich.“

Immerhin gelang den Rot-Weißen noch der Ausgleich, nachdem May (71.) per Fernschuss die Zehlendorfer Führung markiert hatte. Nach einem Pfostentreffer war Obed Ugondu zur Stelle und staubte ab (89.), was Gerbers Laune aber kaum verbesserte: „Jetzt kommt das Derby. Alle reden davon, dass sie heiß sind auf dieses Spiel, aber das habe ich in Berlin bei keinem richtig gesehen.“

Ein 1:1 gab es auch für den FC Carl Zeiss Jena, doch die Stimmungslage nach der Punkteteilung vor mehr als 10.500 Fans im Ernst-Abbe-Sportfeld war diametral anders als beim Erzrivalen. „Das war ganz bestimmt nicht unser bestes Saisonspiel, in der ersten Halbzeit sind wir irgendwie immer einen Schritt zu langsam gewesen“, meinte Mittelfeld-Routinier Moritz Fritz, dessen später Ausgleich in der vierten Nachspielminute für Jubelstürme an den Kernbergen sorgte. „Es hat mir aber total gefallen, dass wir zu keinem Zeitpunkt aufgegeben haben.“

Auch Abwehrtalent Maxim Hessel sprach von einem Punktgewinn des Willens: „Wir haben eine super Mentalität gezeigt. Darum würde ich sagen, dass der Ausgleich in Ordnung geht, obwohl wir uns lange schwergetan haben.“ Nicht verloren zu haben, sei für das Selbstvertrauen vor dem Thüringenderby von großer Bedeutung gewesen: „Weil wir gezeigt haben, dass wir kämpfen bis zum Abpfiff. So muss es auch in Erfurt sein.“